A.A. Williams: Forever Blue – Albumreview

A.A. Williams: Forever Blue – Albumreview

Formidables Debütalbum der britischen Death-Gospel-Musikerin A.A. Williams

Singer/Songwriter*Innen, die die Gitarre zupfen und anrührende Songs dazu singen, 2.0. Oder: „Heavy Music“ muss nicht zwangsläufig schnell, derbe oder laut sein. Die Songs von A.A.Williams klingen toll, wenn sie sie alleine mit Gitarre oder Piano in ihrem Wohnzimmer spielt (das tat sie in letzter Zeit häufiger, dank Corona); sie tun es ebenso, wenn ihre Band (bestehend aus Ehemann und Bassist Thomas Williams und Schlagzeuger Geoff Holroyde) sowie diverse Pedale ihren Sound aufblasen zu dem atmosphärischen Rock, der im letzten November u.a. im Vorprogramm von Cult Of Luna zu hören war. Zwei Stimmen der schwedischen Post-Metal-Giganten, Fredrik Kihlberg sowie Johannes Persson, geben der Debüt-LP der Londonerin etwas Starthilfe – Persson auf gewohnte Weise mit brachialen Growls. Kein Zufall vielleicht, dass Williams ihr Live-Debüt 2019 auf dem Roadburn-Festival gab, bei dem heftige Musik aller Genres zusammenfindet.

A.A. Williams und ihre „Songs From Isolation“

A.A.Williams Forever Blue Cover Bella Union

Williams veröffentlichte vorher eine EP mit ihrem Namen als Titel, neben ihren sebstverfassten melancholischen Meisterwerken zeigt sich darauf bereits ihre Raffinesse beim Covern fremder Weisen – in diesem Fall bietet sie eine tieftraurige Version von Dolly Partons „Jolene“, welche die Essenz dieses Stück weit mehr offenbart als die unzähliger Kollegen, mehr sogar als Partons Original. Ausgebremst durch die Pandemie und nach Eröffnungsgigs für unterschiedliche musikalische Akteure wie die instrumentalen Post-Rocker Russian Circles oder die Goth-Legende The Sisters Of Mercy, blieb Williams nicht untätig und sendete „Songs From Isolation“ aus ihrer abgedunkelten Wohnung. Sie spielte Cover, die von ihren Fans vorgeschlagen wurden und durchgehend eine ähnlich-faszinierende Wirkung auslösen wie „Jolene“ – Lieder wie Radioheads „Creep“, z.B., oder das für ihre musikalische Entwicklung äußerst wichtige „Be Quit And Drive“ von den Deftones – eine Band, die der vorher ausschließlich klassisch geprägten Williams neue musikalische Ausdrucksmöglichkeiten offenbarte.

Der Kontrast zwischen getragener Stimme und sphärischen Gitarrensounds

Das vorher bereits als Single veröffentlichte „All I Asked For (Was To End It All)“ liefert einen formidablen Einstieg in ihr neues, erstes Full-Lenght-Album, mit seinen elegischen Piano- und Streicherklängen, zu denen sich eine spannungsreiche Western-Gitarre gesellt. Williams wird dabei nie laut – ihre sanfte wie kraftvolle Stimme herrscht über den anschwellenden Sound und erdet ihn. Dynamisch ähnlich geht es weiter auf der Platte, das Instrumentarium wächst kontinuierlich; die Drums werden fordernder bei „Melt“, das ebenso wie „Wait“ sowie „Love And Pain“ bereits vor Cult Of Luna gegeben wurden. Letzterer Song perfektioniert diesen Kontrast zwischen der getragenen Stimme und den sphärischen Gitarrensounds, die an ihre Freunde von Mono erinnern, bei deren Jubiläumsfeier in London sie im Dezember noch eröffnen durfte.

Der „Death Gospel“ der A.A. Williams

„Death Gospel“ titelte der britische Metal Hammer nicht unzutreffend über diese ihre Art des Vortrags – eine Stilbezeichnung, die die konzeptionell ähnlich, aber soundtechnisch doch wieder anders gelagerte Luise Lemón ebenfalls von der Metalpresse unlängst verliehen bekam – analog zu dem Schaffen von Chelsea Wolfe oder Emma Ruth Rundle, die ebenso zuerst von den Metallern „entdeckt“ wurden. Und doch völlig anders klingen. Wer Zeit und Lust hat kann sich kurz vor der Veröffentlichung von „Forever Blue“, am 2.7., noch zwei verschiedene Online-Konzerte von A.A.Williams geben – eines mit Band und eines solo. Lohnt sich.

„Forever Blue“ von A.A. Williams erscheint am 03.07.2020 bei Bella Union / PIAS. (Beitragsbild: Pressefoto)

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A.A. WILLIAMS - MELT (Official Video)

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