Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios

Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios

Ein herausragender Debütroman des amerikanischen Lyrikers Ocean Vuong

Die auf den ersten Seiten abgedruckten Lobpreisungen diverser Autoren überschlagen sich förmlich. Und ob Michael Cunningham, Ben Lerner oder Saša Stanišić, alle liegen sie mit ihrer Einschätzung über die Qualität von „Auf Erden sind wir kurz grandios“ richtig. Der 1988 in Vietnam geborene und im Alter mit zwei Jahren in die USA gezogene Ocean Vuong ist als Lyriker bereits u.a. mit dem T.S. Elliot Prize sowie dem Whiting Award for Poetry ausgezeichnet worden und zeigt mit seinem autobiographisch gefärbten Debütroman sein Talent für Sprache auch als Prosaschriftsteller.

Ocean Vuongs rauer Ton

Ocean Vuong Auf Erden sind wir kurz grandios Cover Hanser Verlag

In einem Brief an seine analphabetische Mutter lässt der Ich-Erzähler sein von Gewalt und Demütigungen geprägtes Leben als queerer vietnamesischer Immigrant in der amerikanischen Stadt Hartford, Connecticut, Revue passieren. Es sind Erinnerungen an die Schläge seiner Mutter als Kind, an einen Schülerjob auf einer Tabakplantage, an die erste Liebe, an das Heroin und an Drogentote. Ocean Vuong erzählt unter seinem Alter Ego „Little Dog“ von seiner sehr geliebten Großmutter, die im Alter immer wunderlicher wurde und von einem „falschen Opa“, der mit dem Satz „Alles Gute ist woanders“ eine Art Familienmotto prägt. Vuong erstellt Verbindungen zur Golf-Legende Tiger Woods her, sowie über den Halt, den ihm ein Song von 50Cent verlieh. Es weht zumeist ein rauer Ton durch Vuongs Prosa, die von poetischen Sprachbildern und essayistischen Passagen durchbrochen wird, geprägt von Melancholie, Schmerz, Lakonie und Einsamkeit.

Ocean Vuong changiert zwischen Schroffheit und Sensibilität

Mit seinen kurzen Prosaskizzen springt Ocean Vuong durch den zeitlichen Ablauf seiner erzählten Geschichte, die in lediglich 230 Seiten die Zeitspanne vom Vietnamkrieg bis zur Gegenwart umfasst. Ein wilder, schonungsloser, zwischen Schroffheit und Sensibilität changierender Familienroman und ein großer Wurf zu den Themen Herkunft und Identität. Und eine mitreißende Standortbestimmung Amerikas, die den „American Dream“ aufgreift und Roland Barthes zitiert. „Auf Erden sind wir kurz grandios“ ist ein spektakulärer Debütroman, ein Buch, das Ihnen die Sinne rauben wird, ein Buch, das Sie so schnell nicht mehr vergessen werden.

Ocean Vuong: „Auf Erden sind wir kurz grandios“, Hanser, aus dem amerikanischen Englisch von Anne-Kristin Mittag, Hardcover, 240 Seiten, 978-3-446-26389-5, 22 Euro, (Beitragsbild von Tom Hines).  

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