Björk: Utopia – Albumreview

Björk: Utopia – Albumreview

 

Blick in die Zukunft

Ihr Weg führte sie schon früh auf unbekanntes Gebiet. Fernab gängiger Soundvorstellungen folgte Björk einsam ihrer Vision, drang immer tiefer ein in ihren Kosmos. Zuletzt so tief, dass man ihr kaum noch folgen konnte. Hinzu kam eine sich spätestens seit dem 2004er-Album „Medulla“ deutlich bemerkbar machende Unruhe. Ein flirrendes Unbehagen, das mehr und mehr die einst naiv-überbordende positive Energie ihrer Musik in den Hintergrund drängte. Erst mit „Vulnicura“ gelang Björk die Rückkehr zu großer Form. Björk verarbeitete darauf die Trennung von ihrem Ehemann und verschaffte sich selbst Heilung. Es war ihr bestes Album seit „Vespertine“ von 2001.

Sounds & Books_Björk_Utopia_CoverAuf „Utopia“, ihrem neunten Album, klingt die 51-Jährige so positiv, beschwingt und lebensmutig wie lange nicht. Sie besingt den Zauber neuer Lieb- und Freundschaften. Alles atmet Neuanfang und die Hoffnung auf bessere Zeiten, in der Mensch, Natur, Tier und Technik eins werden. Passend dazu hat Björk auch ihrer Musik einen neuen Anstrich verpasst. Die zuletzt dominante Elektronik ist hier weniger präsent. Stattdessen dominieren Naturgeräusche und akustische Instrumente den Sound. In „Blissing Me“ legt sich ihr Gesang über gezupfte Harfensaiten. In nahezu allen Songs, besonders aber im Titelstück, „Paradisia“ und „Tabula Rasa“ kommen diverse Flöten zum Einsatz, gespielt von einem aus zwölf Frauen bestehenden Kleinorchester. Hinzu kommen Gesänge aus dem Tierreich und von Hamrahlíðarkórinn, einem von Þorgerður Ingólfsdóttir geleiteten Chor.

Geschrieben hat Björk die Songs überwiegend selbst. Fünf entstanden unter der Co-Autorenschaft von Arca, der außerdem dreizehn der Songs mit ihr produzierte. Alles auf „Utopia“ klingt warm und lichtdurchflutet. Gutmütig und positiv. Auffällig auch das leicht veränderte Songwriting. Björk setzt auf Harmonien und Wohlklang. Ihr Gesang indes bleibt typisch. Sie dehnt die Worte und betont die Silben bedeutungsverändernd. Immer wieder loopt und doppelt sie ihre Stimme und entwirft so typische und doch neue Klanglandschaften. Stücke wie „Saint“ sind schlichtweg überwältigend in all ihrer Verliebtheit in die Unkalkulierbarkeit und Wechselhaftigkeit des Lebens. Das ist alles weit weniger verstrahlt als gedacht. Björks Utopie ist ein Versprechen auf eine neue Welt, in der die Frau befreit ist, der Geist ruht und vor allem: alte Ideen ausgedient haben. Lass es wahr werden.

„Utopia“ von Björk erscheint am 24.11.2017 bei Embassy Of Music / Warner (Beitragsbild: Santiago Felipe).

Kommentar schreiben