NRVS LVRS: Electric Dread – Album Review

NRVS LVRS: Electric Dread – Album Review

 

Mit dem Abgang eines guten Whiskeys

NRVS LVRS (spricht sich: „Nervous Lovers“) ist in Deutschland bisher wenig beachtet worden, obwohl das amerikanische Musiker-Duo, bestehend aus dem Ehepaar Andrew Gomez und Bevin Fernandez, jüngst noch in unserem schönen Land auf Tour war. Die Unpopularität der Künstler, die bereits seit 2014 in dieser Kombination Musik kreieren, verwundert. Wenn man aber auf ihrer Seite liest, dass sie sich selbst als „Darkwave-Projekt“ promoten und als musikalische Einflüsse u.a. Massive Attack und Kate Bush nennen, erklärt sich aber vielleicht die Unbekanntheit von NRVS LVRS, denn wahrscheinlich können sich viele unter dieser Mischung nicht so wirklich viel vorstellen.

Sounds & Books_NRVS LVRS_Electric Dread_CoverNun haben NRVS LVRS ihre zweite Scheibe „Electric Dread“ veröffentlicht und diese Platte ist wirklich ein Überraschungsei. Bei der aktuellen Singleauskopplung „Lost To The Max“ fragt man sich mitunter, warum die Band damit nicht mehr Aufmerksamkeit erregt hat. Unbestritten ist in dem Musikvideo ein gewisser Romantik-Schick Teil der Bildersprache, widmet man sich dann genauer den Lyrics in Kombi mit dem Plot geht es zusammenfassend um Gewalt an Frauen. Ein hochaktuelles, mutiges Thema also, dessen sich die Band da annimmt, und das bereits vor der aktuellen Debatte #metoo entstand. Auch ohne den Kontext zu beachten, ist die Single ein starker Song auf „Electric Dread“, der Seltenheitswert hat.

In der Gesamtkomposition setzt sich das zweite Album des aus San Francisco stammenden Paares aus Elementen der 80er-Jahre Musikgeschichte zusammen. So ist z.B. „Sparrow The Sea“ ein Abstecher in die The Cure-Ära, die dann etwas fröhlicher und moderner daher kommt, als das Original. Der Song „I Don´t Know Anyone“ wiederum könnte, obwohl nur instrumental, auch aus der Feder Marilyn Mansons  stammen. Wer nun die Klangerzeugungsmöglichkeiten der elektronischen Musik, der sich NRVS LVRS darüber hinaus bedienen, kategorisch ablehnt, den überzeugen elf Songs, dass man aufgeschlossen bleiben sollte. Selbst der eingeschworensten Punk-Fan nämlich wird das Album spätesten nach dem zweiten Hören lieben.

„Electric Dread“ ist am Ende weniger Kate Bush, aber irgendwas zwischen Silke Bischoff, Sigur Rós, Marilyn Manson, The Cure und Bat For Lashes und grade diese Mischung macht das Album hörenswert und hochspannend. Welchen Musikstil NRVS LVRS nun Wirklichkeit vertreten, bleibt offen und letztendlich zweitrangig. „Electric Dread“ ist ein hochwertiges, unaufdringliches Werk, das viel zu sagen hat, sich im Geschmack langsam im Aroma entfaltet, wie ein guter Whiskey und für das eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen wird.

„Electric Dread“ von NRVS LVRS ist am 13.10.2017 auf Hz Castle erschienen (Beitragsbild: Pressefoto).

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