Peter Doherty: Hamburg Demonstrations – Album Review

Peter Doherty: Hamburg Demonstrations – Album Review

Peter Dohertys Befreiungsschlag

Mit einem Wohnmobil ist Peter Doherty in Hamburg angekommen. Und hat sich dort eine Zeit lang niedergelassen. Weil er ein paar neue Freunde und ein paar neue Bars gefunden hat. Und weil er auf den Spuren der Beatles wandeln wollte, die dort ihre Karriere starteten. Mit dem Clouds Hill Studio hat die Hansestadt zudem eine echte Fundgrube für Studio-Enthusiasten wie ihn. Seit 2014 werkelte der Songwriter an diversen Songskizzen. Aufgenommen wurde das Material auf einer 8-Track 2-inch Studer A820 Tape Maschine. Immer unterbrochen von gesundheitlichen Problemen, einer fulminanten Comeback-Platte mit den Libertines und zahlreichen Shows. Es ist der Geduld und dem guten Zureden von Produzent Johann Scheerer zu verdanken, dass „Hamburg Demonstrations“ doch noch fertig geworden ist. Und was für eine Platte das geworden ist.

Schon die erste Single „I Don‘t Love Anyone (But You‘re Just Not Anyone)“ vereint alles, wofür Doherty steht: hymnische Melodien, ruppiges Spiel und eine Verletzlichkeit, die Beschützerinstinkte weckt. So toll der Track auch ist, im Albumkontext geht er fast unter. Denn Doherty hat für diese Platte elf Songs zusammengetragen, die allesamt zum Besten gehört, was er je geschrieben hat. Besonders bewegend ist der Amy Winehouse-Tribut „Flags From The Old Regime“, in dem Dohertys ganzer Verlustschmerz vertont ist. „I Don‘t Want To Die Anymore“ singt er und es bricht einem das Herz. Überhaupt vereint das Album so viele Emotionen wie vielleicht keine andere seiner Veröffentlichungen. „Hell To Pay At The Gates Of Heaven“ verarbeitet die Terroranschläge in Paris. Doherty spielte erst vor wenigen Tagen ein Konzert im Bataclan.

Weitere Anspieltipps sind „Kolly Kimber“, in dem Doherty sogar einige Zeilen auf Deutsch singt. Toll ist auch „The Whole World Is Our Playground“, das sich bei Elliott Smith und Tom Waits bedient. Klar: Doherty war schon immer ein formidabler Songschreiber. In den letzten Jahren haben seine Kompositionen jedoch noch einmal deutlich an Kontur gewonnen und sind vielschichtiger geworden. Dieses Album ist die konsequente Fortsetzung. „Hamburg Demonstrations“ ist ein Befreiungsschlag geworden, der Aufbruch in das nächste Kapitel. Die Hansestadt hat ihm gut getan. Angeblich ist Doherty mit seinem Wohnmobil nun auf dem Weg nach Amsterdam. Gute Reise, Junge. Und komm bald wieder nach Haus…

„Hamburg Demonstrations“ von Peter Doherty erscheint am 02.12.2016 bei Clouds Hill Records.

 

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