The Libertines: Anthems For Doomed Youth – Album Review

The Libertines: Anthems For Doomed Youth – Album Review

Ein langersehntes, starkes Comeback von The Libertines

von Gérard Otremba

Nachdem sich bereits die Brit-Pop-Meister von Blur nach zwölf Jahren Pause mit dem neuen Album The Magic Whip zurückgemeldet haben, lassen auch The Libertines nach nunmehr elf Jahren von sich hören. Und das ist sehr erfreulich, denn egal wie gut einige Songs von Pete Doherty und Carl Barât ohne einander auch sind, besser funktioniert es gemeinsam. Und bevor nur noch die Exzesse und Eskapaden Dohertys in die Geschichtsschreibung der Libertines eingehen, meldet man sich doch besser musikalisch wieder. Im Prinzip ist auf Anthems For Doomed Youth, dem dritten Album von The Libertines, alles Altbekannte vorhanden, aber in abgewandelter Art.

Die Songs torkeln nicht mehr hedonistisch in der Gegend rum, sondern werden mit Hilfe von Produzent Jake Gossling formvollendet. Nichtdestrotz knallt der Opener „Barbarians“ mit fiesen Gitarrenlicks und einem windschiefen, sich feiernden Chorus voll rein und den Beweis für ihr untrügliches Gespür für feinsten Pop liefern Barât und Doherty mit der Single „Gunga Din“, Brüche und Rhythmuswechsel wie früher und ein schöner „Lalala“-Chor bleibt dann gleich auch noch im Ohr hängen. Dafür lieben wir die die Libertines nun mal, Feierabend. „Fame And Fortune“ hat dann auch die typische, ladhafte Libertines-LmaA-Attitüde, aber eben mit feinster Pop-Melodie versehen. Der Titeltrack „Anthem For Doomed Youth“ gehört zu den schönsten Songs, die Barât und Doherty komponiert haben, ein nachdenkliches, gleichzeitig in Teilen gar hymnisches Lied, viel besser geht das nicht. Richtiggehend schmerzhaft wird es für Pete Doherty und uns mit der pianobetonten Ballade „You’re My Waterloo“, wo sogar ein Cello auftaucht und man bereits Rufus Wainwright um die Ecke schielen meint.

In „Belly Of Beast“ poltert es wieder Bassist John Hassell und Drummer Gray Powell steuern zusätzliche Handclapping-Parts bei und ein „Glory Hallelujah Day“-Chor bringt Pathos. „Iceman“ hätte seinen Platz auch auf dem oben erwähnten, neuen Blur-Album gefunden, mit saftiger Opulenz am Ende. Anschließend preschen „Heart Of The Matter“ und ein völlig losgelöstes „Fury Of Chonburi“ mutig vorwärts, bevor die Herren in „The Milkman’s Horse“ aufs Schönste zu Besinnung kommen, Barât und Doherty lieben die Beatles und die Kinks, hundertprozentig. Zum großen Drama holen die Libertines dann im abschließenden „Dead For Love“ aus. Nick Cave meets Rufus Wainwright. Mit Anthems For Doomed Youth ist The Libertines ein starkes Comeback gelungen und man darf sich gar nicht vorstellen, welche Möglichkeiten diese Band in den letzten zehn Jahren hat liegen lassen.

„Anthems For Doomed Youth“ von The Libertines ist am 11.09.2015 bei Virgin / EMI / Universal Music erschienen.

 

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