Wolfgang Schorlau: Kreuzberg Blues

Wolfgang Schorlau: Kreuzberg Blues

In seinem neuen Kriminalroman lässt Wolfgang Schorlau seinen Privatdetektiv Georg Dengler in der Berliner Immobilienbranche ermitteln

Premiere für Georg Dengler. Mit „Kreuzberg Blues“ erscheint nach acht Taschenbüchern und zwei Klappenbroschur-Ausgaben erstmals ein Band in der von Wolfgang Schorlau 2005 mit „Die blaue Liste“ begonnenen Krimi-Reihe im Hardcover. Sehr verdient, eroberten sich die Fälle um den Stuttgarter Privatermittler längst einen Kultstatus unter zahlreichen Krimi-Fans, nicht zuletzt aufgrund der Verfilmungen im ZDF. Wolfgang Schorlaus politisch motivierte Kriminalromane sind kurzweilig, spannend, aufklärend, erhellend und gut recherchiert. In allen seinen Fällen muss sich der ehemalige BKA-Beamter Georg Dengler mit gesellschaftlichen Mißständen und zeitgeschichtlichen Ungereimtheiten auseinandersetzen. So geriet er im 2018 erschienenen Roman „Der große Plan“ mitten in die Griechenlandkrise und befasste sich davor mit dem NSU-Skandal („Die schützende Hand“, 2015).

Skrupellose Bauunternehmer

Wolfgang Schorlau Kreuzberg Blues Cover Verlag Kiepenheuer & Witsch

Wie es der Titel bereits verrät, schickt ihn sein Erfinder Wolfgang Schorlau diesmal nach Berlin. In einer Kreuzberger Plattenbausiedlung wohnt Silke Herzog, eine langjährige gute Freundin von Denglers Lebenspartnerin und Mitstreiterin Olga. Silke alarmiert Olga, nachdem in ihrer Wohnung eine aggressive Ratte ihre kleine Tochter Lena angegriffen hat. Silke verdächtigt den Chef der vermietenden Immobilien AG, Sebastian Kröger für diesen skandalösen Vorgang verantwortlich zu sein. Der Bauunternehmer zeichnete sich in jüngster Vergangenheit durch Einschüchterungsversuche aus, um seine langjährigen und finanziell nicht eben auf Rosen gebetteten Mieter aus ihren Wohnungen zu drängen. Aber würde Kröger so weit gehen, die Gefährdung des Lebens unschuldiger kleiner Kinder aufs Spiel zu setzen?

Wolfgang Schorlau legt den Finger in die Wunden des Kapitalismus

Während ihrer Nachforschungen geraten Dengler und Olga zwischen die Fronten der Berliner Immobilienhaie, bestehend aus der Kröger Immobilien AG sowie der Deutsche Eigentum AG, an dessen Spitze ein intelligenter Psychopath agiert, unter Druck gesetzt von der Aufsichtsratschefin des amerikanischen Großinvestors. Und aus dem Hintergrund zieht eine einst nach dem Krieg von einem Ex-Nazi gegründete Geheim-Organisation die Fäden.  „Kreuzberg Blues“ entpuppt sich als ein bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzter Polit-Thriller. Einmal mehr legt Wolfgang Schorlau die Finger in die Wunden und Schwachstellen des Kapitalismus, der hier in Form einer renditegeilen Immobilienbranche nicht den besten Eindruck hinterlässt.

Wolfgang Schorlau bezieht Stellung zu den Corona-Leugner-Verschwörungen

Zeitlich beginnt der Roman-Plot Ende 2019 und erstreckt sich bis Ende August dieses Jahres. Beim Schreiben seines neuen Kriminalromans, der als Vorlage für die nächste Verfilmung dient, hat Schorlau die Corona-Pandemie in Echtzeit in den Handlungsstrang integriert. Er lässt Denglers alten Freund Martin Klein zum Verschwörungsgerede verbreitenden Corona-Maßnahmen-Gegner mutieren, um mit seinen Hauptprotagonisten Dengler und Olga auch zu diesem Thema aufklärerische Fakten-Checker und Gegenpole auftrumpfen zu lassen. Der Stuttgarter Schriftsteller bezieht eine eindeutige Position gegen eine in seiner Heimatstadt gegründete Protestbewegung. Und so scheint jeder neue Wolfgang-Schorlau-Krimi der Dengler-Reihe auch irgendwie immer der beste Wolfgang-Schorlau-Krimi zu sein.

Wolfgang Schorlau: „Kreuzberg Blues“, Kiepenheuer & Witsch, Hardcover, 416 Seiten, 978-3-462-00079-5, 22 Euro. Hintergrundinformationen sich auf der Homepage des Autors erhältlich. (Beitragsbild: Buchcover)

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