Kotaro Isaka: Bullet Train

Kotaro Isaka: Bullet Train

Kotaro Isaka arrangiert in „Bullet Train“ den Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen als Schauplatz eines spektakulären Coups

Die Gangsterdichte im japanischen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen Hayate ist an diesem Tag erstaunlich hoch. Es befinden sich zeitgleich mehrere professionelle Killer an Bord, die ihren unterschiedlichen Herausforderungen nachgehen. Doch schon bald kreuzen sich die ersten Wege. Man kennt sich in der halbseidenen Szene und ist in Alarmbereitschaft. Denn ein Toter sorgt für Probleme, und das bereits vor der ersten Haltestelle. Damit ist für die Akteure klar: Diese Zugreise von Tokio nach Morioka wird im weiteren Verlauf turbulent und lebensgefährlich. Keiner steigt aus, bis zur Endstation!

Gangster mit Tiefgang

Koraro Isaka, Bullet Train, Cover, Hoffmann und Campe

Gleich zu Beginn fällt auf, dass Kotaro Isaka seine Protagonisten fast schon liebevoll zeichnet: Sowohl Erscheinungsbild aber gerade auch das Wesen und psychische Merkmale werden unaufdringlich herausgearbeitet. Gepaart mit den humorvollen Dialogen entstehen unterschiedliche Charaktere, die eine greifbare Kontur beim Lesenden erschaffen. Da wäre zunächst Kimura, ein Ex-Gangster und Alkoholiker. Dieser ist auf einem persönlichen Rachefeldzug, um den Peiniger seines Sohnes zu stellen. Das Duo Tangerine und Lemon ist im Auftrag eines mächtigen Unterweltbosses unterwegs und soll dessen entführten Sprössling retten. Und Nanao, ein vom ewigen Pech verfolgter professioneller Auftragskrimineller, versucht verzweifelt einen mysteriösen Koffer zu beschaffen. Doch wie passt der Prinz, hochbegabter aber soziopathischer Schüler mit einer ausgeprägten Mordlust und perfiden Plänen, ins Spiel? Mit jedem Kilometer Fahrtstrecke setzt sich das Puzzle mehr und mehr zusammen. Und auch spannende Nebenfiguren sorgen für eine prickelnde Ungewissheit bis zur letzten Station des Shinkansen. Wer steigt am Ende in Morioka aus?   

Ein undurchsichtiges Spiel

Es mag zunächst noch wie ein merkwürdiger Zufall erscheinen, dass fünf Killer mit ihren unterschiedlichen Aufträgen den Shinkansen Hayate am Bahnhof in Tokio besteigen. Doch der Zug, normalerweise gut ausgelastet, ist verdächtig leer. Und spätestens mit dem Auftauchen der ersten Leiche ist klar, dass es hier um weit mehr als kleine Aufträge von Gewohnheitskriminellen geht. Doch wer steckt hinter dieser Inszenierung? So nimmt die verworrene und nervenaufreibende Reise gehörig Fahrt auf – gespickt mit Enthüllungen, überraschenden Wendungen und noch mehr Leichen.          

Bullet Train von Kotaro Isaka: ein gelungener Thriller

Kotaro Isaka ist als Autor weit über seine Heimat Japan hinaus bekannt. In Zusammenarbeit mit der erfahrenen Übersetzerin Katja Busson erschien nun auch der Titel „Bullet Train“ in deutscher Sprache. Dieser wurde sogar mit Staraufgebot verfilmt und ist im Sommer 2022 in den deutschen Kinos zu sehen. Vielleicht etwas für eingefleischte Blockbuster-Fans, aber wer die feine, sich auftürmende Spannung, gelungene Dialoge und die japanische Stimmung mag, der ist mit dem Buch wohl besser beraten. Isaka gelingt es, eine unverwechselbare Atmosphäre einzufangen und seine Charaktere mit Tiefgang zu zeichnen. Dazu kommt der energiegeladene und wendungsreiche Plot, der dieses Werk zu einer spannenden Lektüre nicht nur für Thriller-Fans macht.   

Kotaro Isaka: „Bullet Train“, Hoffmann und Campe, Hardcover, 384 Seiten, 978-3-455-01322-1, 22 Euro. (Beitragsbild von Osamu Hoshikawa)

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