Kettcar live in Hamburg 2022 – Konzertreview

Kettcar live in Hamburg 2022 – Konzertreview

Ein vielumjubeltes Konzert spielt die Hamburger Indie-Rock-Institution Kettcar am 10.04.2022 am Kampnagel

Das Abschlusskonzert der Veranstaltungsreihe „EuropaCamp der Zeitstiftung“ am Kampnagel bleibt der Hamburger Indie-Kultband Kettcar vorbehalten. Vom 07.04.-10.04. stand unter dem Titel „Fancing New Realities – Freiheit und Demokratie auf dem Prüfstand“ die Lage unseres krisengeschüttelten Kontinents mit Workshops und künstlerischem Rahmenprogram im Mittelpunkt der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel. Am Freitag war die belgische Indie-Pop-Band Intergalactic Lovers zu Gast, am Sonntag, 10.04. dann das Heimspiel für Kettcar. Das Indie-Rock-Pop-Quintett hat sich mit dem ehemaligen Grand-Hotel-van-Cleef-Label-Gründungsmitglied Thees Uhlmann einen ganz besonderen Support für das Konzert am Kampnagel (und auch für die folgenden Auftritte am 11.04. in Berliner Metropol sowie am 12.04. im Kölner E-Werk) geladen.

Thees Uhlmann als Kettcar-Support

Trat Uhlmann am Vortag mit seiner Band noch kurzfristig im Molotow auf (das geplante Konzert auf Helgoland musste wegen schwerer See verschoben werden), beglückt der längst in Berlin wohnende Songwriter das Hamburger Publikum am Kampnagel mit einem launischen Solo-Gig auf der akustischen Gitarre. Uhlmann freut sich über endlich wieder 1200 Zuschauer im Kampnagel, wir erfahren, dass seine Tochter Friedrich Merz schieße findet und weil er ein Buch über die Toten Hosen geschrieben hat, covert er deren „Reisefieber“. Sollte wie eine Mischung aus Death Cub For Cutie und Kettcar klingen, klingt aber wie die akustische Coverversion von Thees Uhlmann. Trotzdem gut.

Der frühere Tomte-Sänger sorgt mit “Avicii” für die ersten Gänsehautmomente des Abends, erzählt noch über die Vorteile als Vorband und beendet seinen Fünf-Song-Kurzgig mit den vollmundigen Worten eines Support-Künstlers: „Mein Name ist Thees Uhlmann, ihr werdet noch viel von mir hören.“ Aber da haben wir doch schon, Thees, das haben wir.

Gute Menschen, die an das Gute im Menschen glauben

Thees Uhlmann tritt später nochmals in Erscheinung, als er es sich nicht nehmen lässt, bei der Kettcar-Hommage an seine alte Band Tomte, der Coverversion von „Die Schönheit der Chance“, mit Marcus Wiebusch zusammen zu singen. Es sind gute Menschen, die gute Musik spielen und an das Gute im Menschen glauben, die auf der Bühne des Saals K6 stehen. Zu diesem Zeitpunkt biegen Kettcar bereits auf die Ziellinie ihres samt den drei Zugaben insgesamt gut 105 Minuten währenden Auftritts. Auf der Setlist tummeln sich etliche Songs des immer noch aktuellen, aber schon fast fünf Jahre alten Albums „Ich vs. Wir“ wie „Benzin und Kartoffelchips“, „Sommer `89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)“, „Wagenburg“ oder „Den Revolver entsichern“ sowie Klassiker wie „Money Left To Burn“ als Konzertauftakt, „Rettung“, „48 Stunden“ und natürlich die ewige Bandhymne  „Landungsbrücken raus“ als letzter Song vor den Zugaben.

Es tut einfach wahnsinnig gut, die Fans endlich wieder den Text von „Balu“ mitsingen zu hören, oder sie ausgelassen zu den Landungsbrücken tanzen zu sehen. Und das alles mit den längst enervierenden Masken, die bei den Inzidenzzahlen  verständlicherweise am Kampnagel verpflichtend sind.

Ein besonderer Abend für Kettcar

Kettcar indes sind froh, wieder spielen zu können – ursprünglich waren Termine Anfang Januar angesetzt, Omikron machte den Plan damals zunichte – und die zwei Jahre Pandemie waren für sie „nicht ohne“, wie Sänger Marcus Wiebusch erzählt. Aber jetzt wisse er, er könne wieder neue Songs schreiben. Das sind natürlich sehr gute Nachrichten. Trotz des politischen Rahmens am Kampnagel, übertreibt es die Band nicht mit politischen Botschaften, aber den Verweis von Gitarrist Erik Langer auf die Crew des Iuventa-Schiffes, die Menschen aus dem Mittelmeer rettet und nun wegen illegaler Einwanderung angeklagt ist, greifen wir selbstverständlich gerne hier auf, denn jede Hilfe zählt.  

Bassist Reimer Bustorff hingegen amüsiert  die Fans mit seinen Schuljugenderinnerungen an den Kampnagel, die sich um prägende Barfuß-Improvisations-Theater-Aufführungen drehen. Mit „Trostbrücke Süd“, „Kein Außen mehr“ und „Deiche“ beenden Kettcar diesen „besonderen Abend“ nach zwei Jahren Pandemie. Ein vielumjubeltes Konzert mit Standing Ovations von den Sitzplätzen. Kettcar hinterlassen ein glückliches Publikum. Keep on rocking, Kettcar. (Fotocredits: Gérard Otremba)

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