Gérard bloggt ein letztes Mal vor dem Berlin-Marathon 2015

Gérard bloggt ein letztes Mal vor dem Berlin-Marathon 2015

Der Countdown läuft

von Gérard Otremba

Die vorletzte Woche meiner Marathon-Vorbereitung ging mit einer spürbaren Reduzierung des Trainingsumfanges einher. 73 Kilometer, verteilt auf vier Trainingseinheiten, standen letztendlich bei mir zu Buche. Und was kann es Schöneres geben, als den 35 Kilometern vom letzten Sonntag zwei Tage später noch einen flotten 10-KM-Lauf folgen zu lassen? Eine 4:40 pro Kilometer war die Planvorgabe, eine 4:37 ist es geworden, bei einem durchschnittlichen Puls von 138 (78 % der max. Herzfrequenz). Eine durch und durch souveräne Vorstellung, eine Trainingseinheit wie für mich gemacht.

Ähnlich routiniert brachte ich am Donnerstag die letzte wirklich anstrengende Herausforderung in der Vorbereitungszeit, 3 X 5000 Meter im Marathontempo mit zehn Minuten Pause dazwischen, über die Bühne. Gerne wäre ich diese Strecken auf der Jahnkampfbahn gelaufen, doch aufgrund von Überfüllung und sich austobenden Kids (wahrscheinlich eine Art Bundesjugendspiele), verzichtete ich ganz freiwillig im Trubel herumschwirrender Kinder zu laufen und nahm die Außenrunde um den Stadtpark. Machte die Einheit dementsprechend etwas anspruchsvoller, aber den ersten 5000er absolvierte ich in 22:20, also einem Schnitt von 4:27, exakt mein Marathonwunschtempo. In der zweiten Runde konnte ich das Tempo sogar leicht auf 4:25 erhöhen und kam dementsprechend mit einer 22:05 in Ziel. Der dritte und letzte 5000er geriet noch ein paar Sekunden schneller, so dass ich mit einem 4:23-Schnitt in 21:57 wieder zurück war. Der Puls lag zwischen 145 und 148, also bei 82-84 % der max. Herzfrequenz und somit ziemlich im perfekten Wettkampfbereich. Dummerweise merkte ich trotz Einlaufphase und Dehnungsübungen schon nach knapp 50 Metern des ersten 5000er-Laufs Verspannungen in unteren Bereich der linken Wade, die ein ständiges In-den-Körper-Hineinhören als Folge hatten.

Am Freitag meldeten sich dann auch noch meine Knieschmerzen lautstark zurück, beide Handicaps machten den 12-Kilometer-Jogging-Dauerlauf am Samstag fast schon zur Qual. Trotz miesem Dauerregen erreichte ich statt dem geplanten 5:30er, einen 5:23-Schnitt. Noch viel schlimmer erging es mir beim heutigen letzten etwas längeren Dauerlauf. Zwar lief ich die 23 KM im 5:19-Schnitt (Planvorgabe war die 5:20), aber es fühlte sich alles wesentlich langsamer an. Die Wade zwickte, das Knie gab keine Ruhe, die Oberschenkel waren aus Blei und auch die Atmung spielte irgendwie verrückt. Ich war froh, nach knapp über zwei Stunden wieder heimatliche Gefilde erreicht zu haben. Eine merkwürdig verkorkste Generalprobe eine Woche vor dem großen Start in Berlin. Nach diesen Erfahrungen bleibt mir nichts anderes übrig, als am Dienstag doch noch eine Massagepraxis aufzusuchen, um die Wadenprobleme in den Griff zu bekommen und gegen die Kniereizung helfen schätzungsweise wieder nur Schmerztabletten.

In der letzten Woche liegen nur noch drei kleine Wohlfühltrainingseinheiten vor mir, die Kondition scheint zu stimmen, die Wehwehchen müssen noch weg, das Gewicht von circa 63-64 Kilo muss ich irgendwie zu halten versuchen, was schwer genug wird bei den vielen Ruhepausen, und dann kann es endlich losgehen. Der Countdown läuft, in einer Woche ist alles vorbei, dann werde ich sehen, ob sich das Vorbereitungspensum gelohnt hat und inwieweit ich das Trainingsprogramm im Wettkampf umsetzen kann. Tagesform und Wetter müssen dann auch noch mitspielen. In der heutigen Prognose wird mehr Sonne als Wolken angekündigt, bei Temperaturen von 12 bis 19 Grad. Zu viel Sonne ist zwar für meinen Rekordversuch gar nicht gut, aber darüber mache ich mir erst in einer Woche Gedanken.

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