Extrabreit: Auf Ex! – Albumreview

Extrabreit: Auf Ex! – Albumreview

Neues Studio-Album von der Punk-Rock-Kultband Extrabreit nach zwölf Jahren Pause

Extrabreit waren Anfang der 80er-Jahre natürlich vor allem unter Pennälern eine ausgesprochene Kultband. Die 1982 nachträglich aus dem zwei Jahre zuvor veröffentlichten Debütalbum „Ihre größten Erfolge“ ausgekoppelte Single „Hurra, hurra, die Schule brennt“ wurde landauf- und landab von halbwüchsigen Schülern bei jeder passenden Gelegenheit aus vollem Hals geschrien. Der bisher immer noch bekannteste Song der Hagener Rockband, die zu den prägendsten Akteuren der sogenannten Neuen Deutschen Welle (NDW) gehörte. Der NDW-Stempel war damals recht schnell verteilt, von Extrabreit, DAF und Fehlfarben, über Frl. Menke und Hubert Kah, bis Nena und Trio gehörten alle deutschsprachigen Acts, die irgendwie nicht nach Schlager klangen, dazu.

Die Story seines Lebens

Extrabreit Auf Ex! Cover Premium Records

So also auch die Punk-Rock-Band um Frontmann Kai Havaii, deren Song „Polizisten“ auf Geheiß von Franz-Josef Strauß nicht im Bayerischen Rundfunk gespielt werden durfte. All das ist lange her, auch die Veröffentlichung des letzten Extrabreit-Albums liegt schon zwölf Jahre zurück („Neues von Hiob“, 2008). 13 Songs befinden sich auf der mit „Auf Ex!“ betitelten, am Freitag, 13.11. erscheinenden 13. Extrabreit-Platte. Ist hier irgendjemand abergläubisch? Vier der fünf Bandmitglieder sind in der Zwischenzeit in ihren 60er-Jahren angekommen, da darf man dann auch zurückblicken auf das Leben und die Freunde, wie im wehmütigen „Gib mir mehr davon“. Eine dieser Rock-Balladen, die zum Armeschwenken bei Konzerten einladen, die nächstes Jahr hoffentlich wieder stilvoll möglich sein werden. Die Story seines Lebens rekapituliert Havaii im straighten „Sonderbar“, eine Leben, geprägt von Höhe- und Tiefpunkten, mit der Einsicht, etwas sonderbar zu sein.

Extrabreit mit Selbstironie

Dabei bleiben Wunden zurück, die die Zeit eben nicht heilt („Kein zurück“) und manchmal auch in apokalyptische Stimmung verfallen („Seine Majestät der Tod“), ohne jedoch dem Tod eine Chance zu geben. Die Portion Selbstironie hat sich das Quintett trotzdem erhalten. Das bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellte, ungemein einprägsame und hitverdächtige „Fressen aus dem Pott“ zeugt davon. Bläserverstärkt preschen Havaii & Co. „Vorwärts durch die Zeit“ und sind immer noch unterwegs mit „Mary Jane“. Viel Rock’n’Roll, Punk-Attitüde, etwas Schwermut und einige schnell ins Ohr gehende Songs – „Ganz neuer Tag“ klingt zum Beispiel mit seiner Hymnik erheblich nach Bruce Springsteen. Genau das alles wollen wir von Extrabreit hören. Danke für das Comeback.

„Auf Ex!“ von Extrabreit erscheint am 13.11.2020 bei Premium Records / Soulfood. (Beitragsbild von Patrick Blömer)   

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