Manfred Maurenbrecher: Grünmantel – Roman

Manfred Maurenbrecher: Grünmantel – Roman

Der Songwriter Manfred Maurenbrecher erfindet schrullige Charaktere

Grünmantel, ein fiktives Dorf in der Uckermark, nördlich von Berlin, an der Grenze zu Polen gelegen. Dort siedelt Manfred Maurenbrecher seinen neuen Roman an, der von einer illustren Schar an skurrilen Figuren bevölkert wird. Wir begegnen Zara, die, obwohl bereits seit sieben Jahren in Grünmantel wohnend, für alle immer noch die „Zugereiste“ geblieben ist und eine Liaison mit dem stotternden Handwerker Karl beginnt. Karl renoviert Zaras Haus, das einst der einflussreichen Melchow-Familie gehörte, und gräbt gleichzeitig in den finstersten Abgründen seiner Vergangenheit.

Abgefahrene Story

Manfred Maurenbrecher Grünmantel Cover be.bra Verlag

Zu einem das Dorf spaltenden Ansehen gelangte der aus Düsseldorf stammende „Westler“ Friedhelm Benzler, einst Direktor der aufgrund von Nachwuchsschwund geschlossen lokalen Schule, der es sich als Vorstand des Nationalparkvereins mit der örtlichen Agrargenossenschaft verscherzt. Seine Vorliebe für junge Frauen im Teenageralter bringt ihm, besonders in der kleinen Grünmanteler Neonazi-Szene, den Beinamen „Pädo“ ein. Um sowohl Benzler als auch den Faschos einen Denkzettel zu verpassen, entführt Dagmar Wiesebau ihren Ex-Schwager mit Unterstützung ihres 15-jährigen Nazi-Freundes Rollo, und versucht die Tat den Rechten unterzuschieben. Und alle Verwicklungen beginnen mit einem zerschnittenen Zaun am Nationalpark, der einer wertvollen Wildpferdfamilie zur vorläufigen Freiheit verhilft.

Manfred Maurenbrecher glänzt mit satirische Pointen

Nur ein kleiner inhaltlicher Einblick in den von Neid, Missgunst, Eitelkeiten, Intrigen, Liebe, Eifersüchteleien und Konflikten geprägten Plot von „Grünmantel“. Wo die Kollegin Juli Zeh in ihrem ebenfalls in Brandenburg angesiedelten Buch „Unterleuten“ den neuen deutschen Gesellschaftsroman in seiner ganzen 600-Seiten-Pracht zur Entfaltung brachte, verdichtet der als Liedermacher bekannt gewordene Manfred Maurenbrecher seine Geschichte auf 220 Seiten. Fast schon überbordend seine Personaldichte für die Kürze des Romans, der mit zahlreichen satirischen Pointen glänzt, ohne seine Protagonisten bloßzustellen oder vorzuführen. Im Gegenteil zeichnet Maurenbrecher starke Charaktere mit all ihren liebevollen Schrullen, eingebettet in eine abgefahrene Story.

Manfred Maurenbrecher: „Grünmantel“, be.bra Verlag, Hardcover, 224 Seiten, 978-3-86124-725-8, 20 Euro (Beitragsbild von Christian Biadacz).

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