Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Das Känguru-Comeback von und mit Marc-Uwe Kling

Manche Künstler können von einer Erfolgsformel nicht lassen. Häufig nutzen sich die Ideen dann leider spätestens in Folge 3 gnadenlos ab. Bei Marc-Uwe Kling ist das Gegenteil der Fall. Vier Jahre nach Die Känguru-Offenbarung, dem abschließenden Teil der Känguru-Trilogie, erfreut uns der selbsternannte Berliner Kleinkünstler, der vor einem Jahr den hervorragenden, bei Sounds & Books besprochenen Roman Qualityland veröffentlichte, mit einer Zugabe der legendären Geschichten seines kommunistischen Beuteltiers.

Das kultige Känguru des Marc-Uwe Kling

Als Apokryphen werden religiöse Schriften bezeichnet, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen worden sind, ob aus inhaltlichen oder aus religionspolitischen Gründen oder weil sie erst nach Fertigstellung des Kanons entstanden sind. Die Känguru-Apokryphen enthalten 33 neue Geschichten sowie alle Känguru-Episoden aus dem Marc-Uwe Kling-Kabarett-Programm Wenn alle Stricke reißen, kann man sich nicht mal mehr aufhängen und den Anthologien Über Wachen & Schafen und Über Arbeiten & Fertig sein. Neue unbekannte Abenteuer mit dem kultigen Känguru also, von denen man nie genug bekommen kann und die eigentlich eine jährliche Fortsetzung erfahren sollten.

Die neuen Känguru-Geschichten

Marc-Uwe Kling Die Känguru-Apokryphen Cover Ullstein VerlagUnd so begegnen wir dem schnapspralinensüchtigen, mit destruktiver Kritik um sich schmeißenden, frechen, manchmal vorlauten, häufig fordernden, in Gesellschaftsspielen unschlagbaren und doch so liebenswerten Känguru wie es sich mit Marc-Uwe im Berliner Tiergarten verläuft, neue Schnick-Schnack-Schnuck-Methoden („Open-Schnick“) erfindet oder mit Marc-Uwe in der Öffentlichkeit rappt. Wir erfahren, dass im Görlitzer Park Dealer die richten Drogen zum Beispiel für einen „The Big Lebowski“-Themen-Filmabend verkaufen und werden Zeugen eines Antiterroranschlags des Asozialen Netzwerks, für das Marc-Uwe und das Känguru agieren. Die Gefahren der modernen Welt fasst Marc-Uwe Kling in der Anekdote „Doofe Kommentare“ wie folgt zusammen:

„Wir fahren ganz gemütlich mit dem Fahrrad durch die Stadt. <Ey, ihr Wichser!>, ruft ein Mann uns hinterher. <Zum Radfahren wurden extra Fahrradwege erfunden!> <Und für doofe Kommentare> ruft das Känguru zurück, <wurde extra das Internet erfunden!>  <Witzig! Das muss ich gleich posten>, sage ich und ziehe mein Smartphone aus der Hosentasche, kurz bevor ich mit einem entgegenkommenden Radfahrer kollidiere, der einen Film auf seinem Tablet schaut.“

So funktioniert zeitgenössische Gesellschaftskritik. Um die virulente Rassismus-Debatte auf einen Punkt zu bringen, benötigt Kling nicht mehr als eine Seite und neben diversen Känguru-Weisheiten gibt es ein Wiederhören- und Lesen mit dem bereits bekannten Personal wie Krapotke und der „Wunderhure“. Känguru-Geschichten, die wie üblich das Zwerchfell beim Lachen sehr beanspruchen. Es ist also wieder viel Schönes dabei und wir fordern weitere Zugaben dieser Art.

Marc-Uwe Kling: „Die Känguru-Apokryphen“, Hörbuch Hamburg, 4 CDs, ungekürzte Live-Lesung vom Autor, 260 Minuten, 978-3-95713-149-2, 14 €, sowie als Taschenbuch bei Ullstein, 208 Seiten, 978-3-548-29195-6, 9 €. (Beitragsbild: Buchcover)

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