Anouar Brahem: Blue Maqams – Albumreview

Anouar Brahem: Blue Maqams – Albumreview

 

Akustischer Brückenschlag

„Maquam“ bezeichnet im Arabischen den Modus eines Musikstücks, charakterisiert durch das modale System in der arabischen Musik. „Blue Maqams“ ist demnach ein Blues-Album, oder besser: ein Kind Of Blue-Album. Denn Anouar Brahem, der tunesische Oud-Virtuose hat es mit den beiden Jazz-Legenden Dave Holland und Jack DeJohnette an Bass und Schlagzeug eingespielt, die bereits gemeinsam für Miles Davis die Rhythmusgruppe bildeten. Komplettiert wird das Quartett durch den britischen Pianisten Django Bates, der bei ECM schon an einigen Einspielungen beteiligt war. Entstanden ist so eine in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte Platte.

Sounds & Books_Anour Brahem_Blue Maqams_CoverDenn „Blue Maqams“ ist ein Zusammentreffen unterschiedlichster Strömungen. Auf „Blue Maqams“ begegnen sich Ost und West, Folk und Jazz sowie freies Spiel und Notentreue. Den Auftakt macht „Opening Day“, ein sich langsam aus dem Schlaf erhebendes Stück, das zunächst als Duett zwischen Brahem und Bates beginnt, die ihre Melodiebögen behutsam ineinander flechten. Bass und Schlagzeug stoßen erst im letzten Drittel dazu. Bereits diese knapp sieben Minuten zeigen eindrucksvoll, mit welch ausgeprägter Empathie die vier Musiker zu Werke gehen. Im folgenden, mehr als zehn Minuten langem „La Nuit“ wird diese Intensität noch erhöht. Allen Stücken – durchweg aus der Feder des Tunesiers – liegt eine melancholische Stimmung zugrunde. Wie ein Schleier legt sie sich über die Kompositionen, deren Schönheit dadurch nur umso heller strahlt.

Besonders eindrücklich kommt diese Atmosphäre in „La Passante“ zum Tragen, in dem vor allem das feinfühlige Pianospiel von Bates bleibenden Eindruck hinterlässt. Den stärksten Moment bewahrt sich das Quartett für das Finale auf. „Unexpected Outcome“, eingeleitet von einem zweieinhalbminütigen Solo-Intro von Brahem, entwickelt mit jedem weiteren Takt eine Sogwirkung. DeJohnettes swingendes Beckenspiel und Hollands virtuose Akzentuierungen bilden das Netz, auf dem sich Brahem und Bates in federleichtem Dialog der blauen Stimmung ergeben. Der Hörer ist live dabei, wenn zwei Musiktraditionen verschmelzen. „Blue Maqams“ ist ein heilendes Album. Mal kontemplatives, mal explosiv,  immer aber würdevoll. Im April kommt das Quartett für zwei Konzerte nach Deutschland. Es könnten magische Nächte werden.

„Blue Maqams“ von Anouar Brahem isst am 13.10.2017 bei ECM / Universal erschienen.

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