John von Düffel: Der brennende See – Roman

John von Düffel: Der brennende See – Roman

Der Generationskonfliktroman von John von Düffel hinterlässt einen ambivalenten Eindruck

John von Düffel kehrt zurück ans Wasser. Das ist sein Metier, dort begann 1998 mit „Vom Wasser“ seine Karriere als Prosaschriftsteller. Das Thema begleitete von Düffel seitdem in diversen Publikationen, doch dass er auch ohne das nasse Element gut auskommt, bewies er im turbulenten Middle-Age-Familienroman „Beste Jahre“, sowie zuletzt vor drei Jahren mit dem formidablen, bei Sounds & Books besprochenen Adoleszenz-Roman „Klassenbuch“.

Die Konflikte

John von Düffel Der brennende See Cover Dumont Verlag

In von Düffels neuem Roman spielt ein Baggersee irgendwo in einer deutschen Kleinstadt eine bedeutende Rolle. Dorthin kehrt Hannah nach dem Tod ihres Vaters zurück, ein im Alter mehr oder weniger in Vergessenheit geratener Schriftsteller. Hannah hatte in jüngster Vergangenheit keinen großen Kontakt mehr mit ihm und in seiner Wohnung entdeckt sie ein Foto einer jungen Frau, in der sie eine vermeintliche Ähnlichkeit mit sich selbst zu erkennen glaubt. Wie sie bald herausfindet, heißt die junge Frau Julia und ist die 16-jährige Tochter von ihrer ehemals besten Freundin Vivien. Julia engagiert sich als radikale Klimaaktivistin, lebt in der Wohnung von Hannahs Vater und denkt, in ihm ihren leiblichen Vater gefunden zu haben. Während die Stadt den See, in dem Hannahs Vater immer sein Schwimmtraining absolvierte und das von einigen Bewohnern bereits zur Müllentsorgung diente, in eine Mülldeponie verwandeln möchte, will Viviens Mann Matthias ihn privatisieren und eine Seniorenresidenz mit Wasserzugang aufbauen. Die ständig angetrunkene oder verkaterte Hannah wird in wider Willen in die Nachlassproblematik ihres Vaters hineingezogen und stolpert in den vier äußerst warmen Apriltagen, in denen der Roman spielt,  zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

John von Düffel erzählt behutsam und leise

John von Düffel erzählt seinen zeitgemäßen Generationskonfliktroman gewohnt behutsam und leise. Die Sprache sowie sein Blick auf relevante Themen unserer Zeit bleiben die positiven Aspekte dieses Buches. Seine Figuren bleiben diesmal indes weitestgehend blass. Julias Weltrettungsansinnen sind natürlich eine gute Sache, ihre plakativen Einlassungen strotzen aber nur so vor Stereotypen. Hannah und Vivien gehören zu der Generation, die vieles verbockt hat, kein Wunder möchte man meinen, wenn sie ständig nur an Party und Alkohol denken.

Im Gegensatz zu diesen Protagonisten, gelingt es von Düffel allerdings, das Interesse auf eine Nebenperson zu lenken. Matthias und Viviens junger Sohn Marvin fasziniert mit seinem „zweiten Gesicht“ und Fragen, die das Innere der Erwachsenen erschüttern. Nach der Lektüre von „Der brennende See“ bleibt ein ambivalenter Eindruck zurück. Man kann das Buch flott durchlesen und als Dokument der Zeit abheften, an John von Düffels literarisch bedeutende Leistungen wie „Houwelandt“ oder „Klassenbuch“ reicht „Der brennende See“ aber leider nicht heran.

John von Düffel: „Der brennende See“, Dumont, Hardcover, 320 Seiten, 978-3-8321-8122-2, 22 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)

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