Mdou Moctar: Funeral For Justice

Laut, schnell und wild: Die afrikanische Rockband Mdou Moctar setzt auf „Funeral For Justice“ Maßstäbe

von Sebastian Meißner

Mit ihrem letzten Album „Afrique Victime“ haben sich Mdou Moctar endlich auch außerhalb Afrikas in den Fokus gespielt. Das Quartett aus Niger spielt einen mitreißenden und ekstatischen Rock, der an die Glanzzeit dieses Genres erinnert. Mdou Moctar, der Sänger, Namensgeber und Gitarrist der Band, wird schon mit Hendrix, Van Halen und anderen Giganten seines Instruments verglichen. Und in der Tat haben sich in Amerika und Amerika seit gefühlten Ewigkeiten keine Rock-Gitarristen mehr so weit an die Grenzen ihres Instruments gewagt wie der 39-Jährige.

Kraftstrotzende Songs

Mdou Moctar Funeral For Justice Cover Matador Records

Das neue

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Album „Funeral For Justice“ nun ist das siebte Band-Album und wird den Ruf der Band weiter festigen. Die Platte ist das Ergebnis der zweijährigen Welttournee, die die Band zur Promotion von „Afrique Victime“ (2019) quer über den Globus führte. Zu hören sind neun elegische Songs, die vor Kraft und Engagement geradezu platzen. Nie klang die Band lauter, schneller und wilder. Dabei verschmelzen sie ihren mysteriösen und gefährlich anmutenden Wüstenrock mit politischen Texten und Appellen. Moctar thematisiert die Nöte des Niger und des Tuareg-Volks. „Die Probleme der terroristischen Gewalt in Afrika haben eine neue Dringlichkeit erreicht. Die versprochene Hilfe seitens der US-Amerikaner und Europäer bleibt aus. Stattdessen sehen wir eine zunehmend prekäre Situation“, sagt der Bandleader.

Der Terror im Niger

Im Juli 2023, nach der Fertigstellung von „Funeral For Justice“, wurde die demokratisch gewählte Regierung Nigers durch einen Militärputsch gestürzt. Der Präsident wurde unter Hausarrest gestellt, und das Land stürzte in einen Zustand von Chaos und Unsicherheit. Die Franzosen haben sich zurückgezogen. Die Region ist weiterhin vom Terrorismus bedroht. Die Band, damals auf Tournee in den USA, konnte eine Zeit lang nicht zu ihren Familien zurückkehren. Mikey Coltun, Produzent und Bassist der Band, betont die antikoloniale Ausrichtung von Mdou Moctar: „Frankreich hat das Land zerstört und behauptet dann, es sei frei. Doch das ist es nicht.“ Der Song „Oh France“ thematisiert diese Problematik und geht mir den Besetzern hart ins Gericht.

Mdou Moctar verfeinern ihre Formel

Musikalisch haben Mdou Moctar auf dem neuen Album ihre Einflüsse deutlich geweitet. Der Song „Tokoba“ etwa speist sich gleichzeitig aus amerikanischem Blues und der karnatischen Musik Südindiens. „Tchinta“ wiederum atmet eine gehörige Portion klassischen Rock’n’Roll. An anderer Stelle wird es energetisch nahezu punkig. Ansonsten bleiben Mdou Moctar ihrer bewährten Formel weitgehend treu, haben sie aber spürbar verfeinert. Vor am Songwriting wurde gefeilt. Besonders deutlich hört man das zum Beispiel an „Modern Slaves“, das mit seinen Chord Progression und seinen gekonnt gesetzten Chören die neue Reife dieser Band zeigt. Aber keine Sorge: Ihre wilde Ungezähmtheit ist auch weiterhin vorhanden. „Sousoume Tamacheq“ ist ein halsbrecherischer Hochgeschwindigkeits-Brett, der sämtliche aktuelle Konkurrenz-Bands alt aussehen lässt. Meine Güte, was ein brachiales Stück vertonte Wut. Und was für ein irres und irrationales Solo.

Im Info-Sheet zu diesem Album wird Mdou Moctar explizit den Anhängern von Jack White, Prince und Queens Of The Stone Age empfohlen. Die Liste ließe sich mühelos erweitern. Letztlich besitzen Mdou Moctar die Kraft, ein ganzes Genre im Alleingang wiederzubeleben. Diese Entschlossenheit wird man niemand ignorieren können. ganz, ganz groß!

„Funeral for Justice“ von Mdou Moctar erscheint am 03.05.2024 bei Matador. (Beitragsbild: Pressefoto)

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