Jerry Leger & The Situation live in Norderstedt

Jerry Leger & The Situation live in Norderstedt

Zum zweiten Mal in zehn Tagen im Music Star in Norderstedt: Jerry Leger verwöhnt sein Publikum im hohen Norden

Es macht schon Sinn, dass während der Einlassphase und der Konzertpause das Publikum mit Musik von Neil Young in Dauerschleife beschallt wird. Schließlich gehört der große kanadischen Songwriter zu den bekanntesten Referenzen, auf die wir Journalisten uns beziehen, wenn es um die Katalogisierung seines Landsmannes Jerry Leger geht. Bob Dylan, Tom Petty, The Band und auch Bruce Springsteen gehören ebenfalls in die Riege artverwandter Musiker, also das Who is Who des Americana-Rock’n’Roll.

Jerry Leger nimmt es mit Humor

Jerry Leger ist meiner seiner Begleitband, bestehend aus Dan Mock (Bass, Backing Vocals), Kyle Sullivan (Schlagzeug, Backing Vocals) und Alan Zemaitis (Keyboard), am 26.04.2022 im Music Star in Norderstedt vor den Toren Hamburgs zu Gast. Ursprünglich sollte Jerry Leger bereits im April 2020 im wohnzimmergemütlichen Club spielen, der coronabedingt noch einige, ein paar davon für Stammgäste reservierte Sitzplätze anbietet. Um sein damals aktuelles Album „Time Out Of Tomorrow“ vorzustellen, sei er etwas spät dran, bemerkt der 37-jährige Musiker aus Toronto im zweiten Teil seines insgesamt knapp zwei Stunden dauernden Konzerts. „Traffic jams“ und andere Sachen hätten ihn aufgehalten, nimmt Leger den Umstand der zweijährigen, pandemiebedingten Bühnenabwesenheit mit Humor.

Ein begeistertes Publikum im Music Star

Auf seiner Europatour 2022 stehen lediglich zwei Auftritte in Deutschland auf der Liste, beide im Music Star, der erste vor exakt zehn Tagen. Bedauerlich für die Fans in anderen Städten, verpassen sie schlicht verdammt gute Live-Musik. Die circa 50 Besucher im Music Star sind jedenfalls schwer begeistert und Leger liefert ihnen auch eine mitreißende Show. Mit dem Song des Monats März bei Sounds & Books, dem überragenden „Kill It With Kindness“  vom neuen Album „Nothing“ Pressing“ geht es gleich in die Vollen. Weitere Songs dieses großartigen Albums stehen naturgemäß im Mittelpunkt der Setlist. Das strahlende „Recluse Revisions“, das dylaneske „Underground Blues“, das sehnsüchtig-romantische „Wait A Little Longer“ und natürlich das euphorische „Have You Ever Been Happy?“.

Ein Cover der Drifters als Zugabe

Aber auch „Cashing In“ und „Factory Made“ aus dem 2014 veröffentlichten Longplayer „Early Riser“ zeigen Jerry Leger & The Situation in Bestform. Den Auftakt der zweiten Halbzeit bestreitet Leger solo und gibt unter anderem „Nothing Pressing“ und „Still Patience“ sowie eine Coverversion von „If You Were Bluebird“ des von Leger sehr geschätzten Kollegen Butch Hancock zum Besten. Mit „Canvas Of Gold“ und „Read Between The Lines“ als Schlusspunkt, bei dem sich Leger die Seele aus dem Leib singt, sind zwei Klassiker von „Time Out Of Tomorrow“ vertreten und als letzte Zugabe noch ein Cover von The Drifters („This Magic Moment“). Hey, wer covert noch die Drifters und wie geil ist das denn, bitte? Ja, herrlich. Und wenn Jerry Leger nächstes Jahr wieder nach Deutschland zurückkehrt, pilgert ihr bitte alle zu seinen Konzerten.  

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Kommentare

  • Slim Dunlap

    Auch das 2. Konzert von Jerry Leger war wieder wunderbar. Erst durch Sound and Books und den langen Artikel in der Rolling Stone-Ausgabe 3/2022 habe ich von diesem tollen kanadischen Musiker erst erfahren, der mit 36 Jahren schon auf 10 Alben zurückblicken kann. Ich war auch auf seinem 1. Konzert am Ostersamstag, das ebenfalls herausragend war und bei dem nur ca. 25 Leute waren und bei dem Jerry Leger noch eine Coverversion von “The Old Country Waltz” (Neil Young) spielte…vielleicht ein wenig zu Ehren von dem Music Star-Betreiber Wolfgang, der ja großer Neil Young-Fan ist

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