Gérard bloggt über den Berlin-Marathon 2015

Gérard bloggt über den Berlin-Marathon 2015

Mit 3:10:51 zwar keine neue persönliche Bestzeit, aber ein neuer Berlin-Rekord

von Gérard Otremba

kmarathon2015
Foto: Gisela Glass

Kaiserwetter herrschte über Berlin am 27.09.2015. Strahlender Sonnenschein begrüßte die Läufer zum Start um 9 Uhr, bei angenehmen Schattentemperaturen von circa 10 Grad herrschte Vorfreude pur. Die Nervosität hielt sich in spürbaren Grenzen, die Nacht verlief ruhig, ich hatte definitiv mehr Schlaf als vor meinen bisher gelaufenen sechs Marathons, eine gesunde und dazugehörige Wettkampfanspannung, mehr war nicht. Bereits dreieinhalb Minuten nach dem Startschuss überquerte ich die Startlinie, doch dann begannen auch schon meine Probleme, denn die Läufer und Läuferinnen vor mir waren schlicht und ergreifend zu langsam unterwegs und ich hatte kaum Platz zum Überholen. Den ersten Kilometer absolvierte ich in 4:45 Minuten, also gut 20 Sekunden langsamer als geplant. Ich war mehr damit beschäftigt, den anderen nicht gegen die Hacken zu laufen, als mich auf meinen Rhythmus zu konzentrieren.

Leider wurde es auf den nächsten Kilometern nicht besser, so dass ich bei Kilometer 5 mit einer 23:07 ankam und dementsprechend leicht frustriert war, peilte ich hier schon eine Zwischenzeit von 22:05 bis 22:20 an. Zwar hatte ich etwas zu viel Haferflocken mit Banane gefrühstückt, doch bremste mich nicht mein sich zu voll anfühlender Magen aus, sondern nach wie vor Mitstreitende, die hinter mir hätten starten müssen. Erst zwischen Kilometer sechs und sieben nahm das versuchte Slalomlaufen ein Ende, es gab Platz auf der Strecke und prompt lief ich den zweiten 5-KM-Teilabschnitt in 22:12 endlich im gewünschten Tempo. Und so pendelte ich mich ohne Probleme im 4:30-Schnitt ein, blieb mal knapp drunter, mal knapp drüber. Ein Tempo, das auch auf den ersten fünf Kilometern auf halbwegs freiem Terrain möglich gewesen wäre. Sollte aber nicht sein und so lief ich ständig der verlorenen Minute hinterher.

Aufholen ging nicht wirklich, sonst hätte ich das Tempo überziehen müssen, und da unkluge Maßnahmen sich bekanntlich während eines Marathons rächen, versuchte ich das nun gefundene Tempo zu halten und kein Harakiri zu begehen. So blieb die Ein-Minuten-Hypothek bestehen, aber erstaunlicherweise konnte ich ab Kilometer 30 noch mal kurzfristig leicht beschleunigen, nachdem ich zwischen 25-30 ein paar Sekunden einbüßte. Längst spendete die Berliner Sonne für mein Empfinden zu viel Wärme, ich war um jeden Meter Schatten auf der Strecke froh. Ab Kilometer 35 wurden die Oberschenkel schwer und die Waden verkrampften sich, was sich sofort auf die Zwischenzeit bei KM 40 auswirkte. Immerhin lief ich diesen Teilabschnitt in 23:03 noch vier Sekunden schneller als die ersten fünf Kilometer. Obwohl zu diesem Zeitpunkt klar war, dass ich nicht mehr unter den erhofften 3:10 Stunden bleiben und keine neue gewünschte persönliche Bestzeit laufen würde, holte ich nochmal alles aus mir heraus, rannte die letzten 2,195 Kilometer in hervorragenden 9:52 Minuten und erreichte erschöpft, aber leicht frustriert nach 3:10:51 das Ziel.

Zur Bestzeit fehlten mir also lächerliche 42 Sekunden, die ich definitiv schneller hätte sein können, aber das Thema habe ich oben bereits angesprochen. Der Frust hielt auch nur ganz kurz an, die Freude über eine immer noch phantastische, meine zweitbeste je gelaufene Marathonzeit überwog dann schnell und immerhin reichte es zu einem neuen persönlichen Berlin-Rekord (man muss den Lauf einfach positiv betrachten). Es war übrigens der ausgeglichenste Marathon, den ich jemals beendete. Die erste Halbzeit spulte ich in 1:35:02 ab, die zweite in 1:35:50, sonst waren die Leistungsabfälle zum Ende hin wesentlich deutlicher sichtbar. Trotz der Anstrengung, die ein Marathon einfach immer mit sich bringt, hat es wieder wahnsinnig viel Spaß gemacht, von zahlreichen Zuschauern angefeuert durch Berlin zu laufen. Nichtsdestotrotz benötige ich jetzt nach sieben Marathonteilnahmen eine etwas längere Pause von dieser Distanz. Ein Comeback schließe ich nicht aus.

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