Emma Ruth Rundle: Engine Of Hell – Albumreview

Emma Ruth Rundle: Engine Of Hell – Albumreview

Auf ihrem neuen Album “Engine Of Hell” entdeckt Emma Ruth Rundle wieder das Piano für sich

Die Singer/Songwriterin, die als Gitarristin wie Sängerin in Formationen wie Marriages oder Red Sparowes ein wenig bekannt wurde, ein experimentelles Gitarren-Solo-Album veröffentlichte (2011) und 2018 vom Musicradar zu einer der „12 besten Alternative-Gitarrist*Innen“ erkoren wurde, entdeckt das Piano wieder für sich  – das Instrument, dem sie seit Beginn ihrer Karriere vor knapp zwölf Jahren wenig Aufmerksamkeit schenkte und welches zu spielen sie von ihrem Vater einst gelernt haben soll.

Rückkehr zu den Wurzeln und stilistischer Neu-Anfang

Emma Ruth Rundle Engine Of Hell Cover Sargent House

„Engine Of Hell“ markiert damit gleichermaßen eine Rückkehr zu ihren Wurzeln sowie einen stilistischen Neu-Anfang – Rundle selbst spricht von diesem Werk als dem „Ende einer Ära“. Textlich werden dabei Erinnerungen beschworen, die nicht selten die Gestalt von Dämonen annehmen – eine Disziplin, der Rundle schon immer auf den unter ihrem Namen veröffentlichten Alben frönte; live dargebracht im (halbwegs) schützenden Bandkontext oder alleine mit ihrer Gitarre, oft mit unverstärkter Stimme. Das Gefühl, beim Erleben ihrer Musik eine Grenze zu überschreiten und ihr beinahe übergriffig zu nahe zu kommen, ist dabei nicht neu – erreicht bei „Engine Of Hell“ allerdings nochmal eine neue Qualität.

Ausbrüche – doch dieses Mal nur lyrisch

Die Meistergitarristin verzichtet jedoch nicht komplett auf ihr Stamm-Instrument: sie zupft und streichelt auch die akustische Klampfe in klassischer Singer/Songwriter-Manier wie die Großen dieser Zunft. Laute wie heftige Ausbrüche, wie sie sie zuletzt in der Kollaboration mit Thou offenbarte, findet man auf diesem, ihrem fünften Soloalbum, keine, zumindest nicht musikalisch. Textlich ist das etwas ganz Anderes: Die verklausulierten Retrospektiven lassen einen meist ratlos und doch tief betroffen zurück; der Kontext erschließt sich nie komplett und führt einen doch durch meist tragische Situationen in scheiternden Beziehungen, Abhängigkeiten oder Traumata. Emma Ruth Rundle bleibt dabei immer leise, unterstützt durch ihr sparsames wie ausdrucksstarkes Spiel und, bei „Blooms Of Oblivion“, von der wunderbaren Cellistin Jo Quail, mit der Rundle ihre letzte UK-Tour bestritt.

Emma Ruth Rundle wächst mal wieder über sich hinaus

Stimmlich wächst Rundle auf diesem Release über sich hinaus und erschafft im Leisen eine unglaubliche Ausdruckskraft, die bei einigen Momenten an Tori Amos („Body“) oder Joni Mitchell („Razor’s Edge“) erinnert – in erster Linie jedoch ihren eigenen Ausdruck perfektioniert. Das Tilburger Roadburn-Festival hat Emma Ruth Rundle längst „adoptiert“ und sie 2020 als Kuratorin verpflichtet, weil die Festivalmacher verstanden haben, das „heavy music of all types“ (Eigenbeschreibung) eben nicht nur Metal oder Hardcore ist, sondern auch aufwühlende, leise Töne wie die von Emma Ruth Rundle bedeuten kann. Ob diese Verpflichtung nach den pandemiebedingt ausgefallenen Festivals 2020 wie 2021 im nächsten Jahr noch steht ist bisher unbekannt – Konzertgänger in Hamburg können sich jedoch mit Sicherheit auf einen Solo-Pianoabend mit Rundle am 20.2.2022 im Nachtasyl freuen. Nachdrückliche Empfehlung.

“Engine Of Hell” von Emma Ruth Rundle erscheint am 05.11.2021 bei Sargent House / Cargo Records. Beitragsbild von Mason Rose

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