Stephan Micus: Inland Sea – Album Review

Stephan Micus: Inland Sea – Album Review

 

Erfrischende und inspirierende Musik mit außergewöhnlichen Instrumenten

Es ist sein 22. Album für ECM Records. Damit dürfte Stephan Micus inzwischen Rekordhalter in dieser Disziplin sein. Dass er es immer wieder schafft, sich neue Konzepte und Sounds abzuringen und seine Hörer zu überraschen, liegt auch an der Reiseleidenschaft. Seit 48 Jahren erkundet er die Welt, sammelt und studiert Musikinstrumente und schafft mit ihnen neue Musik. Mit „Inland Sea“ nimmt der Multiinstrumentalist seine Hörer diesmal auf die klangliche Reise an Binnenmeere. Viele der auf dieser Platte eingesetzten Instrumente stammen aus Regionen rund um das Kaspische Meer oder den Baikalsee und ihren Nachbarländern.

Stephan Micus_Inland Sea_Cover„Inland Sea“ meint aber auch einen Geisteszustand, den ruhenden Pol im Inneren eines Menschen. Die zehn Stücke auf diesem Album sind vor allem geprägt von der Nyckelharpa, einer Tastengeige aus Schweden, die überwiegend für Polkas und andere Tänze eingesetzt wird. Bei Micus bekommt sei eine ganz neue Funktion. Er spielt das Instrument wie ein Cello, entringt ihr längere Töne als üblich und verleiht den Songs auf „Inland Sea“ auf diese Weise den Charakter klassischer Stücke der europäischen Tradition. Begleitet wird die Nyckelharpa zum Beispiel mittels eines Balanzikoms, einer Zither oder Shakuhachi-Flöte aus Japan.

So entsteht eine nie dagewesene Klangwelt, die mystisch ist, faszinierend und verführerisch zugleich. Verstärkt wird dieser Eindruck noch von Micus’ Gesang. In einer Fantasiesprache drückt er in einigen Songs aus, was er beim Spiel der Instrumente fühlt. Und auch wenn außer ihm niemand diese Sprache spricht, kann man ihn verstehen, kann man nachempfinden, was er ausdrückt. Sein Spiel verbindet Virtuosität mit Entdeckergeist. Oft sind die Songs flüchtig und scheinen erst beim Spiel zu entstehen. Das gilt auch für die neue Einspielung.

Höhepunkte einer insgesamt beeindruckenden Platte sind das geheimnsivolle „Flor Del Sur“ sowie das anmutige „Vigen De La Mer“, das einen mit mehrstimmigem Gesang einhüllt. Auch „Nuria“ am Ende des Albums entführt den Hörer in eine Art kontemplativen Zustand. Knapp 54 Minuten dauert „Inland Sea“. Es ist eine Auszeit vom Hier und Jetzt. Eine Reise ins Innere von Stephan Micus. Aber auch ein Führer für eine Riese ins eigene Innere. Micus’ Musik ist ein Universum, ein Ort ohne Grenzen und herkömmliche Regeln. Erfrischend ist das, inspirierend und ermutigend.

„Inland Sea“ von Stephan Micus ist am 16.06.2017 bei ECM Records erschienen.

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