The Frightnrs: Always – Albumreview

The Frightnrs: Always – Albumreview

The Frightnrs halten mit ihrem neuen Album “Always” das Versprechen an ihren ehemaligen Sänger Dan Klein

Ein melodiöser Urschrei; alles überdauernde Klagelaute; nachhallend, als kämen sie aus einer anderen Dimension. So beginnt der erste Track “Always“ des gleichnamigen neuen Frightnrs-Albums. Dies ist womöglich kein Zufall, zumindest ist der Auftakt programmatisch; gibt er doch der immer noch vorherrschenden Sehnsucht der drei verbliebenen Bandmitglieder eine nachdrückliche Stimme. Im Juni 2016, kurz nach der Veröffentlichung des faszinierenden Erstlings der Frightnrs, verstarb ihr zu diesem Zeitpunkt bereits schwer an ALS erkrankter Sänger Dan Klein. Der menschlich wie musikalisch tragische Einschnitt ließ den Drummer Rich Terrana und die Brüder Preet und Chuck Patel (Bass und Piano) jedoch nicht lange in einer Starre verzweifeln; vielmehr hielten sie eisern an ihrem Versprechen gegenüber Klein fest, weiterhin zusammen Musik zu machen.

Dieses nahmen sie derart wörtlich, dass sie gemeinsam mit ihrem Produzent Victor Axelrod Songideen und gar Gesangsaufnahmen von Klein aus den Aufnahmesessions zu ihrer Debütplatte bargen und neu verwoben, um ihrer magischen Ursprungsformation ein vorerst letztes musikalisches Denkmal zu setzen. Das mag im Vorhinein etwas zwanghaft und gekünstelt erscheinen, ist aber im Ergebnis aufgrund des meisterhaften Editings und der offenbar starken menschlichen Verbindung der Beteiligten untereinander absolut überzeugend.

The Frightnrs und der Vibe des ersten Album

The Frightnrs Always Cover Daptone Records

Demnach ist es ebenso wenig verwunderlich, dass “Always“ sich zunächst nahtlos an den Vibe des ersten Albums anschließt; ganz so, als würde dieses sechs Jahre später nun mit einem zwölften Titel weiterlaufen. Grundsätzlich bleiben die Frightnrs dem Rocksteady im Stile von Alton Ellis und Derrick Harriott auf diesem Longplayer treu; jedoch weichen die rauen und flachen analogen Klangräume nun zunehmend bassgetränkten Soul-Elementen und moderneren Echo- und Reverb-Effekten. Gab die Band im Anschluss an das erste Album noch eine komplett eigenständige LP mit alternativen Versionen heraus, sind diese Songvarianten nun in zwei Fällen bereits auf dem Album untergebracht: “30-56“ und “Profilin“. Über die Daseinsberechtigung dieser Versionen lässt sich sicherlich streiten. Ebenjene beiden angesprochenen Tracks schlagen in ihrer eigentlichen Form hinsichtlich der Instrumentierung und des stärker verlangsamten Rhythmus gar den Bogen zum frühen Reggae Sound.

The Frightners: Rocksteady aus Queens, NY

Auch thematisch sind die Frightnrs mit den Love Songs “Maybe Isle“ und “You Still“ sowie dem eher gesellschaftskritischen “Profilin“ wieder denkbar nahe dran an den jamaikanischen Ursprüngen ihrer Musik. Einzig der aus ursprünglich zwei Songkonzepten zusammengebastelte Abschlusstrack “Why Does It Feel Like A Curse?“ sticht ein wenig heraus, führt dem Zuhörer jedoch über die verbindende Stimme von Dan Klein abschließend die zugrundeliegende Philosophie des Albums nochmals bezeichnend vor Ohren. Hinsichtlich ihrer speziellen musikalischen Ausrichtung könnte man sich keine bessere Liaison vorstellen, als die der Frightnrs mit ihrem Label Daptone Records, die sich seit nunmehr 20 Jahren mit erstaunlicher Akribie verloren geglaubten musikalischen Stilen und Aufnahmetechniken der 60er und 70er Jahre verschrieben haben.

Auch wenn ebendieses Label ihren Sitz in Brooklyn hat, ist es den Frightnrs stets wichtig zu betonen, dass die Band selbst aus dem vielfältigen New Yorker Stadtteil Queens kommt: „far beyond the gilded wealth of Manhattan and the pretentious hipsterdom of Brooklyn.“

Die Hoffnung der Musikliebhaber stirbt zuletzt

Das Cover ziert eine Art Dämon, deren flammende Seele aus der erkalteten Körperhülle zu entweichen scheint. Leidenschaften dürfen sich nach Jahren der Trauer wieder Bahn brechen und trotz des Schicksalsschlags bleiben alle Beteiligten miteinander verbunden – ALWAYS. Man darf jetzt schon gespannt sein, welchen Weg die Frightnrs künftig einschlagen werden; ob sie sich nun, da das Archiv bezüglich Aufnahmen von Dan Klein allmählich erschöpft sein dürfte, erstmals neu orientieren oder ob sie dem Rocksteady treu bleiben. So oder so können Liebhaber verschütt gegangener Klänge nur hoffen, dass die Frightnrs ihrem Versprechen weiterhin nachkommen.

“Always” von The Frightnrs erscheint am 27.05.2022 bei Daptone Records. (Beitragsbild von Stephen Parker)

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