Lucy Dacus: Home Video – Albumreview

Lucy Dacus: Home Video – Albumreview

Indie-Pop-Rock-Songwriterin Lucy Dacus besteht mit ihrem dritten Album „Home Video“ die Reifeprüfung

Auf ihrer letzten Tour wuchs das Heimweh nach ihrer Heimatstadt Richmond, Virginia, immer mehr an. Endlich wieder dort angekommen, fand Lucy Dacus lediglich ein Zerrbild ihrer selbst vor. Die Bekanntheit ihrer Person wuchs nach den beiden 2016 und 2018 veröffentlichten Alben „No Burden“ und „Historian“ an, und ihr völlig unbekannte Menschen in Richmond  hatten plötzlich ein eigenes Bild der 26-jährigen Songwriterin. Und ließen sie es auch wissen. Dacus flüchtete und begab sich nach wenigen Wochen im August 2019 nach Nashville, um in den dortigen Trace Horse Studio zusammen mit den Bandkollegen Jacob Blizard, Jake Finch und Collin Pastore neues Material aufzunehmen.

Lucy Dacus und die Coming-of-Age-Phase in Richmond

Lucy Dacus Home Video Cover Matador Records

Ebenfalls mit an Bord waren ihre beiden Boygenius-Kolleginnen Phoebe Bridgers und Julien Baker, die bei zwei Songs („Going Going Gone“, „Please Stay“) die Backing Vocals beisteuerten. „Going Going Gone“ und „Please Stay“ gehören zu den zwei schönsten Indie-Balladen dieses Jahres. Ersteres basiert auf eine akustische Gitarre und in „Please Stay“, als vorletzter Song des Albums platziert, rückt das Piano in den Vordergrund. Beide Lieder entwickeln die Magie diverser Joni-Mitchell-Songs aus den 70er-Jahren. Die elf neuen Tracks auf „Home Video“ sind Dacus‘ Erinnerungen an ihre Coming-Of-Age-Phase in Richmond geschuldet. Sie singt über eine toxische Beziehung in „Partner In Crime“, über eine, von der Religion verbotene, queere Liebe im fast achtminütigen Closer „Triple Dog Dare“ und entwickelt Mordphantasien in „Thumbs“.

Strahlende Catchyness

Musikalisch wirkt das Album kompakter als die beiden Vorgänger und bietet im von Sounds & Books bereits als Song des Tages präsentierten Opener „Hot & Heavy“ die bis dato mitreißendste Komposition ihrer noch so jungen Karriere. Ein ziemlich perfekter, in strahlende Catchyness getränkter Indie-Rock-Pop-Song, der die Balance aus DIY-Attitüde und Mainstream-Hooks hält, erinnern die Keyboards am Ende doch an „Just Around The Corner“ von Cock Robin. Von ähnlicher Prägnanz, aber mit galoppierendem Überschwang und geschüttelten Rhythmen kündet „First Time“, ein weiteres superbes Angebot an alle (Indie-)Radiostationen. Und der Indie-Eleganz huldigt Dacus in „VBS“. Mit ihrem dritten Album hat Lucy Dacus die Reifeprüfung bestanden.

„Home Video“ von Lucy Dacus erscheint am 25.06.2021 bei Matador Records / Beggars Group. (Beitragsbild von Marin Leong)

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