Grandaddy: Blu Wav – Albumreview

Grandaddy credit Dustin Aksland

Grandaddy-Mastermind Jason Lytle hat ein Americana-Country-Album aufgenommen und nähert sich Bands wie Lambchop und Wilco

von Gérard Otremba

Nach dem von Sounds & Books rezensierten Comeback-Album „Last Place“ von 2017, das nach einer zehnjährigen Pause erschienen ist, kehren Grandaddy mit „Blu Wav“ zurück. Fast ist man geneigt, von einem erneuten Comeback zu sprechen, immerhin sind schon wieder sieben Jahre vergangen. Der Titel des sechsten Grandaddy-Albums setzt sich laut Sänger und Songwriter Jason Lytle aus „Bluegrass“ und „New Wave“ zusammen. Okay, sehr New Wave-lastig klingt die Platte nicht unbedingt, aber die Americana-Country-Ausrichtung von „Blu Wav“ bleibt unverkennbar und die von Max Hart (The War On Drugs, Melissa Etheridge) eingespielte Pedal Steel ein markanter

___STEADY_PAYWALL___

Bestandteil zahlreicher darauf befindlicher Songs.

„Tennessee Waltz“ als Inspiration

Grandaddy Blu Wav Cover Dangerbird Records

Die Idee zu dieser Ausrichtung entstand, als Grandaddy-Mastermind Jason Lytle durch die Wüste von Nevada fuhr und „Tennessee Waltz“ von Patti Page im Radio hörte. Lytle war sofort fasziniert von den Klang- und Stimmungsmöglichkeiten, den langsamen, süßlichen, schunklenden und einfachen Walzersound beizubehalten und gleichzeitig mit Synthesizern und  Elektronik zu bereichern. Es bleibt zwar ein typischer Grandaddy-Lo-Fi-Sound zurück und auch die an die Balladen der Flaming Lips gemahnende  psychedelische Orchestrierung schimmert immer wieder hindurch, doch markiert „Blu Wav“ letztendlich natürlich Lytles ersten Ausflug in das Country-Genre. Schon der von uns zum Song des Tages gekürte Vorabtrack „Cabin In My Mind“ mit seiner sanften und andächtigen Verträumtheit zeigte die Americana-Richtung auf, Cosmic-Psychedelic-Country erwartet die Hörer bei „Long As I’m Not The One“, während „You’re Goung To Be Fine And I’m Going To Hell“ majestätisch und teilweise spacig wirkt.

Ein behutsames Grandaddy-Album

Der wohl beste Song des Albums heißt allerdings „Watercooler“, der einzige mit einem kleinen Gitarrensolo versehene Track, aber das nur am Rande, denn hier kommt Grandaddy-Songschreiber Jason Lytle seinem Wilco-Kollegen Jeff Tweedy so nahe wie nur möglich. Ein wirklich superber, romantischer und sehnsüchtiger Americana-Song und die schönste Umsetzung der ursprünglichen Idee für dieses Album. Wilco und vielleicht noch mehr Lambchop heißen die Referenzfixpunkte für das neue Grandaddy-Album, das sehr behutsam, manchmal auch im positiven Sinne sentimental klingt und auf ganzer Linie berührt. Und, gute Nachrichten: Laut Lytle existieren bereits viele Songs für ein kommendes Album. Sollten also nicht wieder so viele Jahre bis zum nächsten vergehen.

„Blu Wav“ von Grandaddy erscheint am 16.02.2024 bei Dangerbird Records. (Beitragsbild von Dustin Aksland)

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kommentar schreiben