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17. Juli 2023Ein Abend, der nie zu Ende gehen sollte: Bruce Springsteen und die E Street Band bescheren auch den Fans in Hamburg ein spektakuläres Rock-Erlebnis
von Gérard Otremba
Nach Düsseldorf am 21.06. (Sounds & Books berichtete) erlebt auch Hamburg am 15.07.2023 das ultimative Rock-Konzert des Jahres von Bruce Springsteen und seiner E Street Band. Zuletzt gastierte die 73-jährige Rocklegende vor einer halben Ewigkeit in der schönen Hansestadt, nämlich 2008. Hamburg zeigt sich wettertechnisch den ganzen Tag über von einer ähnlich schönen Seite wie Düsseldorf vor dreieinhalb Wochen. In den Mittagsstunden erreicht das Thermometer über 30 Grad, am Abend zum überpünktlichen Start des Konzerts um 19 Uhr immer noch über 25 im Schatten. Also wieder eine perfekte sommerliche Atmosphäre. Für alle, die den „Boss“ schon vorher in Düsseldorf oder im Ausland gesehen haben, war klar, dass es in der Setlist nur geringfügige Änderungen geben würde, aber definitiv ein knapp dreistündiges und spektakuläres Erlebnis bevorstünde.
Die Energie von Bruce Springsteen und der E Street Band
Der Auftakt dann direkt mit „No Surrender“ tatsächlich ein anderer als noch in der Stadt am Rhein („The Ties That Bind“). Und wieder drücken Bruce Springsteen, Roy Bittan, Nils Lofgren, Garry Tallent, Steve Van Zandt, Max Weinberg, Soozie Tyrell, Jake Clemons, Charlie Giordano mit Chor, Bläsersection und Perkussionist bereits in der ersten Stunde wie gewohnt aufs Gaspedal. Erstaunlich nach wie vor die von Bruce Springsteen und der E Street Band ausgehende Energie. Springsteen wird im September 74 Jahre alt und auch der Stamm der E Street Band ist bis auf Jake Clemons, der vor elf Jahren seinen verstorbenen Onkel „Big Man“ Clarence Clemons ersetze, jenseits der 70. Klar, die Rampen rennt Springsteen nicht mehr rauf und runter wie 30 Jahren (erwartet auch keiner), aber die Kraft des Rock’n’Roll schlägt noch immer in seinem Herzen. Und auf der Bühne lässt er das die gut 50 000 Fans im ausverkauften Volksparkstadion in jeder Minute dieses erneut phänomenalen Auftritts spüren.
Die Setlist-Unterschiede zu Düsseldorf
Neu auf der Setlist im Vergleich zu Düsseldorf stehen „Darlington County“ und „Working On The Highway“ (dafür fehlen neben „Ties..“ noch „Candy’s Room“, „My Hometown“ und später „Born In The U.S.A.“ im Zugabenteil), die gemeinsam mit dem davor gespielten „Out On The Street geradezu zelebriert werden. Doch verschieben sich in der Auswahl nur Nuancen. Songs der drei besten Alben („Born To Run“, „Darkness On The Edge Of Town“ und „Born In The U.S.A.“) sowie deren vier von „Letter To You“ prägen auch dieses Konzert. Es grenzt schon schwer an eine Art Best-Of-Zusammenstellung (demnächst mehr zu diesem Springsteen-Thema bei Sounds & Books), die der große Meister aus New Jersey dem Publikum auf der Tour 2023 anbietet. Einige Klassiker im vorderen, vor Dynamik nur so berstenden Drittel („No Surrender“, „Prove It All Night“, „The Promised Land“), dazu die neuen Tracks „Ghosts“ und „Letter To You“; kurzfristig Ruhigeres im Mittelteil („Nightshift“, „The River“, Last Man Standing“), eine Beschwörung bei „Mary’s Place“ und nach Backstreet gibt es kein Halten mehr.
Wunderschöne Bilder auf der Leinwand
Die emotionale Bandbreite also enorm, von Ausgelassenheit (zumeist) bis tiefste Melancholie (kurzfristig). Immer wieder huscht ein Lächeln in Springsteens Gesicht und auch Clemons kann sich ein solches nicht verkneifen, wenn er lässig an Springsteens Schulter lehnt, während sein Boss das erste kurze Solo von „Prove It All Night“ anstimmt. Und immer wieder huschen wunderschöne Bilder über die Leinwände. Wenn Bruce Springsteen ein Küsschen hier verteilt, eine Hand dort liebevoll streichelt, oder die strahlenden und fassungslosen Gesichter junger Menschen gezeigt werden, die das abendliche Glück hatten, jeweils eine Harp von Springsteen überreicht zu bekommen. Oder wenn Steve van Zandt Springsteens wackelnden Knackarsch während „Glory Days“ filmt. Die Stimmung unter den Fans ähnlich bombastisch wie in Düsseldorf (und auch das Wetter hält, kein Regen und kein Gewitter nirgendwo), Bruce und die E Street Band ganz und gar in ihrem Element und „The Rising“, „Badlands“ und „Thunder Road“ am Ende die reinste Wucht.
Bruce Springsteen und die Liebe zu Jake Clemons
Noch mehr Hits („Born To Run“, „Bobby Jean“, „Dancing In The Dark“) folgen im Zugabenblock und weil es um 21.35 Uhr auch in Hamburg immer noch sehr warm ist, reißt sich der „Boss“ auch hier vor „Tenth Avenue Freeze-Out“, das mit Bildern der verstorbenen E-Street-Mitglieder Clarence Clemons und Danny Federici unterlegt wird, das Hemd auf. Anschließend bedankt sich Bruce Springsteen bei allen seinen Mitstreitern persönlich, wobei die innige Umarmung mit Jake Clemons ganz besonders lang ausfällt. Mit den Worten „Wir lieben uns“ und „Thank you Hamburg“ kehrt Springsteen ans Mikro zurück und beendet diese grandiose Rock’n’Roll-Show wie üblich auf der Tour ganz leise mit „I’ll See You In My Dreams“. Abende, die niemals enden sollten. Die Hoffnung bleibt, dass Bruce Springsteen – ähnlich wie 2012/13 – die Tour ins nächste Jahr verlängert. Schließlich sollten mindestens noch Berlin und Frankfurt von diesen famosen Konzerten profitieren.
(Beitragsbild-Credit: Danny Clinch, Live Nation)




