African Head Charge: Drumming Is A Language

African Head Charge: Drumming Is A Language

Boxset mit Reissues aus den Jahren 1990-2011 von African Head Charge

Im Jahr 2015 wurden einige der frühen Alben von African Head Charge durch das legendäre Label On-U Sound des Produzenten Adrian Sherwood wiederveröffentlicht: Musik aus den 1980er Jahren einer britischen Band, die von Anfang an, seit 1981, alle Genregrenzen in Frage stellte. Die Gruppe um den Perkussionisten Bonjo Noah mischte archaische, jamaikanische Rasta-Rhythmen mit Dub-Effekten und Industrial – und pfefferte das Ganze auch noch mit einer Prise Postpunk.

Die Musik von African Head Charge holpert, kreischt und brummt

African Head Charge Drumming Is A Language Cover On-U Sound

Was schon damals faszinierte, klingt heute nicht minder ungewöhnlich: African Head Charge setzten nie auf den schönen Klang. Im Gegenteil: Diese Musik holpert, kreischt und brummt. Bässe verzerren, verenden im Nichts. Keyboards, Synthie-Sounds und Gesangsfetzen lösen sich in verstörendem Hall auf.  Das Psychedelische, Düstere war stets das Terrain, auf dem die Band ihren Platz fand.

Bis heute ist diese Musik vollkommen eigenständig geblieben. Niemand klingt wie African Head Charge und niemand wird in Zukunft so klingen. Das denkt man sich beim Hören der wunderschönen, neuen CD-Box „Drumming Is A Language“, welche den zweiten Teil der Reissue-Serie darstellt und die Alben „Songs Of Praise“ (1990), „In Pursuit Of Shashamane Land“ (1993), „Vision Of A Psychedelic Africa“ (2005) und „Voodoo Of The Godsent“ (2011), den bisher unveröffentlichten Raritäten-Sampler „Churchical Chant Of The Iyabinghi“ und ein 36-seitigen Booklet enthält.

Afrobeat trifft auf Funk und Krautrock

Und auch diese Zusammenstellung zeigt, dass African Head Charge mehr ist, als eine klassische Dub-Reggae-Band. Schroffe, polyrhythmische Trommeln und tiefe Bässe treffen hier auf verzerrte Gitarren, Field-Recordings auf experimentelle Sound-Schleifen, Afrobeat auf Funk und Krautrock – eine Herausforderung durchaus, aber auch ein nahezu sakral anmutender, überaus obskurer Hörgenuss. 

Die jetzt vorliegende Box bietet eine lange Nacht wunderbar seltsamer, gefährlicher Musik – ein düsteres, metaphysisches Abenteuer. Aber ein Abenteuer freilich, auf das man sich einlassen muss. Wer das kann, wird hier Musik finden, die ganz tief zu graben versteht. Ganz tief. So tief, wie die Bässe, die auf diesen CDs zu hören sind. Dub-Musik ist Bass-Musik, so hat es Lee Perry einmal formuliert: „Der Dub hat ein Hirn und ein Herz. Der Bass ist das Hirn, das Schlagzeug das Herz, tuff tuff tuff te tuff tuff tuff. Die Basstrommel ist ein Lebewesen, es bringt dich zum Tanzen.“ Doch bei dieser Formation ist die Basstrommel nicht der gute Geist, der alleine zum Tanzen ermuntert. Dub klingt hier auf paradoxe Weise gleichzeitig extrem sperrig, avantgardistisch und meditativ.

„Drumming Is A Language 1990-2011“ von African Head Charge ist am 06.03.2020 bei On-U Sound erschienen. (Beitragsbild: Boxset-Cover)

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