Die Toten Hosen live in Bremen 2018 – Konzertreview

Die Toten Hosen live in Bremen  2018 – Konzertreview

Ein wieder gesunder Campino rockt mit seinen Toten Hosen die Bremer Bürgerweide

Nachdem Campino seinen Hörsturz überwunden hatte wurden einige Nacholtermine für die  „Laune der Natour“ angesetzt. Am 04.08.2018 holten Die Toten Hosen das ursprünglich für den 16.06.2018 geplante Konzert auf der Bremer Bürgerweide nach und lieferten ein Rockspektakel der Extra-Klasse. Als Gäste mit dabei waren Rogers, The King Blues und The Subways.

Einst Die Toten Hasen, heute eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands

Als Campino und seine Kumpels am 10. April 1982 im Schlachthof in Bremen vom Veranstalter fälschlicherweise als Die Toten Hasen angekündigt wurden und ihr erstes Live-Konzert gaben, hatten weder die damals sehr trinkfeste Düsseldorfer Band noch sonst irgendwer ahnen können, dass Die Toten Hosen eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands werden würde. Damals waren sie eine Truppe feiernder Punks, die kaum ihre Instrumente richtig herum halten konnten. Heute sind sie musikalisch und geschäftlich kaum wiederzuerkennen. Unendlich viele Einflüsse finden sich mittlerweile in ihren Kompositionen wieder. Da gibt es neben dem damaligen Punk auch Hip Hop, Ska, Reggae und auch Schlager zu hören.

Neben den vielen sozialkritischen und politischen Texten, stehen Lieder über die Liebe, den Tod und den Verlust von Freunden und Familie. Und das ist nur ein kleiner Teil, der die Konzerte der Band aus dem beschaulichen Düsseldorf am Rhein so besonders macht. Campino und Co sind schon so lange dabei, dass ein Konzert ein generationsübergreifendes Happening wird. Und weil alleine auftreten auf Dauer doch ein wenig langweilig zu sein scheint, laden sich Die Toten Hosen im Laufe ihrer Tourneen verschiedenste Gäste ein, um gemeinsam mit befreundeten Bands große Abende zu feiern, die noch lange in den Köpfen der Fans hängen bleiben.

Eine riesige Bühne im Bremer Stadtzentrum

Auf der Bremer Bürgerweide, unweit vom Stadtzentrum, ragte eine riesige Bühne mit ebenso riesigen LED-Wänden empor. Seit Stunden tummelten sich schon hunderte von Fans vor dem Einlass und hofften auf eines der begehrten Bändchen, die den Einlass in die erste Welle direkt vor der Bühne garantiert. Viele Fans hatten sich schon im Zug Richtung Bremen oder spätestens am Hauptbahnhof getroffen. Die eine oder andere Dose Bier war bereits vernichtet worden. Die Stimmung war gelöst. Das Programm versprach gut zu werden. Die Gäste des Abends waren schließlich Die Rogers, The King Blues und The Subways.

Das bedeutete viele Stunden Singen, Tanzen, Springen und Schwitzen. Der Einlass war sehr entspannt geregelt und auf dem Festival-Gelände erwartete die Gäste eine Vielzahl an Getränke-Buden und Toiletten. Ein Teil der Messehalle war für die Zuschauer zugänglich, damit sie sich in den sauberen Toiletten zwischen durch mal frisch machen konnten. Da hat der örtliche Veranstalter sich sehr Mühe gegeben, um den 27000 Menschen, die zum Konzert kamen, eine gute und sichere Zeit zu bereiten. Die Security war ebenfalls zahlreich vorhanden und betont entspannt, abgeklärt und hochprofessionell.

Die Rogers eröffnen furios das Konzert

Die Rogers gehören zu einer ganzen Reihe von vielversprechenden Bands, die immer wieder im Fahrwasser ihrer Gastgeber auftauchen. Als Die Toten Hosen ihren ersten Gig spielten, waren Sänger Chri Hoffmeier, Gitarrist Nico Feelisch, Bassist Artur Freund und Schlagzeuger Dominic Sbarcea vermutlich noch nicht einmal in Planung. Dass sie seit ihrer Gründung 2006 jede Menge Erfahrung gesammelt haben und eine wirklich grandiose Liveband sind, durften sie an diesem Abend mal wieder unter Beweis stellen. Nach dem Andi Meurer persönlich die Rogers ansagte, ging es auch schon mit viel Tempo los.

Die junge Band hat mittlerweile eine derart stabile Fanbase, dass man überall im Publikum Fahnen mit dem Bandlogo auftauchen sah und viele die Songs Wort für Wort mit singen können. In der knappen dreiviertel Stunde Spielzeit brachten sie eine ganze Menge Songs ihres aktuellen Albums „Augen auf!“ unter. Darunter auch ihr Single „Einen Scheiß muss ich!“ und „Nie euer Land“, zu denen es vor der Bühne schon mächtig getanzt wurde und zu ihrer Version von „Kreuzberger Nächte“ gab es eine wunderbare Punkerpolonaise.

The King Blues, Akustik Ska mit Punk und Hardcore Einflüssen

The King Blues aus England haben 2017 gerade ihr neues Album „The Gospel Truth“ bei dem Label Cooking Vinyl veröffentlicht und spielten an Stelle der Schwedischen Rocker Royal Republic, die den Ersatztermin leider nicht wahrnehmen konnten. Aber was heißt schon leider? Vom Ritchie kam auf die Bühne um seine englischen Kollegen anzusagen. The King Blues sind eine tolle Live-Band und brauchen sich kein Stück hinter anderen großen Namen verstecken. Akustischer Ska mit ungewöhnlicher Instrumentierung. Neben Bass, Schlagzeug und Gitarre finden sich auch Violine und Ukulele auf der Bühne, was den recht wilden Stilmix aus Ska, Punk und Hardcore perfekt machte.

The Subways drehten auf

The Subways ließen die eigentlich geplanten Bad Religion kein Stück vermissen. Mit der Energie geladenen Show der britischen Indie-Rocker trafen die Veranstalter voll ins Schwarze. Charlotte Cooper am Bass ist ein Energiebündel und ihre Kollegen, die Brüder Billy Lunn und Josh Morgan, stehen ihr in nichts nach. Alles an der Show strahlt Spielfreude aus. Das Tempo war unheimlich hoch. Der Hit „Rock’n’Roll Queen“ durfte natürlich genauso wenig fehlen, wie „Shake! Shake!“ und natürlich „Kiss Kiss Bang Bang“. Das Trio aus Hertfordshire hat so viel Power, dass sich Die Toten Hosen schon mächtig ins Zeug legen mussten, um nicht von ihrem Support von der Bühne geblasen zu werden. Das konnte natürlich nicht passieren, dafür ist eine Hosen-Show in dieser Größenordnung viel zu gut organisiert und die Düsseldorfer einfach zu gut eingespielt. Dafür proben sie ja auch, bis sogar ein Vom Ritchie keine Lust mehr hat zu spielen. The Subways waren der perfekte Support für diesen tollen Abend auf der Bürgerweide in Bremen.

Die Toten Hosen in Top Form

Die Zwangspause, die Campino und seine Kollegen wegen eines Hörsturzes des Sängers machen mussten, hat der Spielfreude der Düsseldorfer Band keinen Abbruch getan. Sie meldeten sich an diesem warmen Sommerabend in Bremen auf der Bürgerweide eindrucksvoll zurück. Nach dem Intro ging es direkt los mit „Strom“. Die Textzeilen „Schach Matt, Guten Tag, es ist alles in Ordnung. Ihr könnt aufwachen, wir sind wieder da!“ fegten wie eine Druckwelle durch die 27000 Zuschauer. Die Toten Hosen sind auf dem Punkt am Start. Das Gaspedal durchgedrückt bis zum Bodenblech. Vom Ritchie am Schlagzeug gab das Tempo vor, welches die ersten drei Nummern konstant hoch blieb. Mit dem krachenden Fußball-Song „Auswärtsspiel“ ging es weiter und mit „Laune der Natur“, bei dem sich Campino kritisch mit dem Thema Klimaerwärmung auseinandersetzt, war der erste Dreier-Block perfekt. Die Stimmung vor und auf der Bühne war sehr gut. Dass die Musiker auf der Bühne alle mittlerweile deutlich die 50 Jahre hinter sich haben, merkte man den Düsseldorfern kaum an. Campino gönnte sich und seinen Kollegen nur wenige Verschnaufpausen.
Auch das eine oder andere Schmankerl gab es an diesem Abend zu hören. Neben vielen üblichen Verdächtigen, wie „Hier kommt Alex“, „Liebesspieler“ und „Bonny & Clyde“, gab es auch „Wünsch dir was“, „Disco“ und „Paradies“ zu hören.

Day Orange auch bei den Toten Hosen

Vor dem Konzert hatte sich der bekannte Koch Ole Plogstedt von der Roten Gourmet Fraktion noch am Oxfam Stand sehen lassen und mit einigen Kollegen und Konzertgästen über fairen Handel und auch über Flüchtlingshilfe gesprochen. Der Hamburger engagiert sich schon seit langer Zeit bei Oxfam und hängt sich voll in Öffentlichkeitsarbeit rein. Hier hilft natürlich auch das Engagement, das Die Toten Hosen schon sehr lange zeigen. Sie arbeiten seit Jahren eng mit Organisationen, wie Oxfam und Pro Asyl zusammen und setzen sich für Menschenrechte ein.
An diesem Abend hatten ausnahmslos alle Bandmitglieder und Mitarbeiter auf der Bühne einen orangenen Streifen auf die Kleidung geklebt, um ihre Solidarität zu dem Netzwerk Seebrücke und den zahlreichen Demonstranten , die an diesem Tag in ganz Deutschland gegen den allgemeinen Rechtsruck und die Kriminalisierung der Seenotretter auf die Straße gingen.
Passend dazu spielten sie „Europa“, einen der beklemmendsten Songs, den die Toten Hosen je veröffentlicht haben. Das Lied handelt von den vielen verzweifelten Menschen, die sich in Schlauchbooten auf die gefährliche Reise übers Meer machen und es einfach nicht schaffen. Direkt danach gab es noch den großen Mittelfinger gegen den Nazis. „Sascha … ein aufrechter Deutscher“, die sarkastische Ohrfeige für alle Rechtsradikalen.

Drei lange Zugaben-Blöcke

Die Toten Hosen sind dafür bekannt sehr lange Konzerte zu spielen. Auf der Bremer Bürgerweide wurden sie ihrem Ruf mal wieder gerecht. Mit 34 Stücken war es wieder einmal eine lange Setlist. Für die Toten Hosen ist sie vielleicht nicht rekordverdächtig, wenn man allerdings andere Bands dagegen stellt, die es teilweise nicht einmal auf 15 Stücke in 45 Minuten bringen und mehr Geld für ihre Konzerte nehmen, ist es doch recht lang.
Auch in den drei Zugaben-Blöcken gab es noch die eine oder andere Besonderheit, die man nicht ganz so oft live dargeboten bekommt. Da gab es z. B. „Halbstark“ und „Du lebst nur einmal (vorher)“ gemeinsam mit Esther am Piano und dem „Michael-Gorbatschow-Gedächnis-Streich-Orchester“. Mit „TNT“ und „Highway To Hell“ wurden zwei klasse AC/DC-Coverversionen, die beide von einem der Violinisten grandios gesungen wurden. Während Campino sich doch mal ein paar Minuten Auszeit gönnte, um Luft für das Finale zu holen.
„Tage wie diese“ und „You’ll Never Walk Alone“ bildeten den Abschluss eines schönen Konzertabends in der Bremer Innenstadt.

Kommentare

  • Robert

    Soso, Musik und Politik sollten nichts miteinander zu tun haben?
    Welch‘ blindes Politikverständnis!

  • Ralph

    Politische Statements haben in einem Konzert, für das Geld bezahlt wird, NIX, aber auch rein gar nichts, zu suchen! Wenn ich so etwas brauche, dann gehe ich zu den jeweiligen Partein!

    Mein Fazit, die werden mein Geld kein weiteres Mal bekommen!

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