Robert Seethaler: Das Feld – Roman

Robert Seethaler: Das Feld – Roman

Die Toten erzählen das Leben einer Kleinstadt

In seinem Erfolgsroman Ein ganzes Leben benötigt Robert Seethaler lächerliche 160 Seiten, um ein ganzen Leben zu erzählen. In seinem neuen, bereits die Spitze der Buchcharts erklommenen Werk Das Feld sind es 29 Personen, die in kurzen Kapiteln Einblick in ihr abgelaufenes Leben geben, die Seethaler auf nunmehr 240 Seiten zu einem gefühlvollen Panorama der fiktiven Kleinstadt Paulstadt verdichtet. Das Feld ist der Friedhof von Paulstadt, wo ein alter Mann bei gutem Wetter jeden Tag verweilt, sich and die Vergangenheit erinnert, überzeugt davon ist, „die Toten reden zu hören“ und sich ausmalt, „wie es wäre, wenn jede der Stimmen noch einmal Gelegenheit bekäme, gehört zu werden.“

Robert Seethaler Das Feld Cover Hanser VerlagUnd so werden auch die Leser Zeugen der Stimmen von Paulstadts Verstorbenen. Die erzählen vom Leben, vom Alltag, von Schicksalen. Robert Seethaler findet für jeden seiner Protagonisten den passenden Ton. Für den zynischen und korrupten Bürgermeister, für den verschrobenen Pfarrer Hoberg, der sich und die Kirche abfackelte, ein ebenso prägendes Ereignis für Paulstadt wie der Einsturz des Freizeitzentrums, bei dem drei Menschen starben, darunter auch die Schuhladeninhaberin Martha Avenieu, die ebenfalls zu Wort kommt. Seethalers Tote sind Repräsentanten Paulstadts. Ein Querschnitt der Bevölkerung, wir lernen eine Blumenhändlerin kennen, einen arabischen Gemüsehändler, eine 105-Jährige, einen Spielsüchtigen, den Lokalredakteur sowie Karl Jonas, den letzten Landwirt Paulstadts, der vor dem schlechten Boden warnte, auf dessen Acker das totbringende Freizeitzentrum trotzdem entstand.

Robert Seethaler offenbart in diesem Episodenroman offensichtliche Verbindungen zwischen seinen Erzählstimmen, aber auch versteckte, die sich am Ende der Lektüre erschließen. Vielfach reden Seethalers Figuren von Themen wie Vereinsamung, Krankheiten und natürlich den Tod. Robert Seethaler hält seinen Sprachstil einfach und schlicht, ein Virtuose komplexer Sätze wird aus ihm sicherlich nicht mehr, aber vielleicht ist eben jene Schreibweise das Erfolgsgeheimnis des österreichischen Schauspielers und Autors, das die Publikumswirksamkeit seiner Bücher erklärt, schließlich gelingen ihm damit bewegende Momente und vielschichtige Inhalte. Ob es prinzipiell klug ist, Begrabene ihr Leben erzählen zu lassen, steht auf einem anderen Blatt. Mit Robert Seethalers Umsetzung indes kann man gut leben.

Robert Seethaler: „Das Feld“, Hanser Verlag, Hardcover, 240 Seiten, 978-3-446-26038-2, 22 € (Beitragsbild: Buchcover). 

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