Tarjei Vesaas: Das Eis-Schloss – Roman

Tarjei Vesaas: Das Eis-Schloss – Roman

Eine fragile, tragisch-traurige, von Tarjei Vesaas voller Zärtlichkeit und großem Zauber erzählte Geschichte

Dieses Buch fängt die Leser ohne viel Brimborium ein. Es stimmt natürlich, was Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing im Nachwort der von Hinrich Schmidt-Henkel hervorragend übersetzten, im Guggolz-Verlag veröffentlichten Ausgabe über „Das Eis-Schloss“ von Tarjei Vesaas schreibt: „So einfach ist dieser Roman. So feinsinnig. So stark. So anders als alle anderen. Er ist einzigartig. Er ist unvergesslich. Er ist außergewöhnlich“. Der Roman des in seiner Heimat Norwegen von den Lesern sehr verehrten Tarjei Vesaas (1897-1970) erschien im Original 1963 und stellt zwei elfjährige Mädchen in den Mittelpunkt des Geschehens.

Das Eis-Schloss als Todesfalle

Tarjei Vesaas Das Eis-Schloss Cover Guggolz Verlag

Eine von ihnen, Unn, kommt neu in der Dorfgemeinschaft, lebt als Waise bei ihrer Tante und hält sich in der Schule schüchtern abseits der anderen. Siss wiederum tritt als Anführerin und Fixpunkt der Schulclique auf. Trotz, oder eben wegen der extremen Unterschiede im Naturell, ist Siss fasziniert von Unn, sucht ihre Freundschaft, es folgt eine Verabredung bei Unn. Am nächsten Tag taucht Unn nicht in der Schule auf. Sie wollte die Wiederbegegnung mit Siss hinauszögern, ihr Weg führte sie dabei zu einem als „Eis-Schloss“ betitelten, eingefrorenen Wasserfall am Fluß, der aufgrund seiner märchenhaft-schönen Ausprägungen ein willkommenes Ausflugsziel für die Kinder darstellt. Unn verläuft sich im Eis-Schloss und findet erschöpft keinen Ausweg. Die Suche nach ihr verläuft erfolglos. Siss fühlt sich schuldig, verrät aber nichts über den gemeinsamen Abend, kapselt sich nach immer mehr von ihren Freunden ab und übernimmt den Außenseiterpart Unns ein.

Tarjei Vesaas erzählt feinfühlig und poetisch-verknappt

Analog zur Märchenhaftigkeit des Eis-Schlosses, verzaubert Tarjei Vesaas mit seiner bildermächtigen und symbolkräftigen, sehr feinfühligen und poetisch-verknappten Sprache. Vesaas schmückt kein Gefühl, keine Beobachtung aus und widmet sich intensiv der kindlichen Angst vor der Einsamkeit. Ein kurzer, aber fabelhafter Roman über die unschuldige Zeit der Kindheit sowie ihrem Übergang in die Pubertät. Eine fragile, tragisch-traurige, von Vesaas voller Zärtlichkeit und großem Zauber erzählte Geschichte. Und einmal mehr eine großartige Wiederentdeckung des Verlegers Sebastian Guggolz.

Tarjei Vesaas: „Das Eis-Schloss“, Guggolz, aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel, Hardcover, 202 Seiten, 978-3-945370-21-6, 22 €.

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