I Love Women in Art – von Bianca Kennedy & Janine Mackenroth

I Love Women in Art – von Bianca Kennedy & Janine Mackenroth

“I love Women in Art“: Ein Buch, das ein Anfang ist. Und was für einer!

An dieser Stelle sei die Gelegenheit genutzt, dem Algorithmus für das Anzeigen von “I Love Women in Art” zu danken: Danke! Das war herausragend algorithmiert! Schnell wie selten gingen die Post-its aus, besondere Stellen zu markieren: besonders (be)merkenswerte, nachzuschlagende, weiter zu recherchierende, besonders inspirierende … Dabei braucht es eigentlich nur einen. Den direkt auf’s Cover von “I Love Women in Art” geklebt und damit als besonders markiert, ist schon mal vieles richtig gemacht.

Kunst im und am Buch

Denn “I Love Women in Art” ist in Idee, Konzeption und Umsetzung ein Gesamtkunstwerk. Eines, das es in der Form bislang nicht gab. Da nickt auch der Algorithmus: Kam ihm vorher auch noch nicht unter, ein von zwei Künstlerinnen herausgegebenes Buch, in dem über 100 Frauen aus Kunst und Kultur 100 Künstlerinnen vorstellen beziehungsweise 100 von ihnen geschaffene Kunstwerke. Punkt. Deren Motive wiederum nicht selten Frauen sind: Frauen in der Kunst oder außerhalb. Erneuter Punkt. Pause. Wirken lassen. Gut finden. Wer meint, es sei ja auch schwierig, an circa 50 Prozent der Weltbevölkerung vorbeizuarbeiten, vernehme ein Hüsteln, das wie folgt untertitelt ist: „Frauen in der Kunst“ meint nicht deren Darstellung gleichwohl „Funktion“ als Muse des Künstlers, sondern deren eigenes künstlerisches Wirken und Schaffen. Das nahezu unberücksichtigt zu lassen, hat erwiesenermaßen ziemlich lang ziemlich gut funktioniert. Und funktioniert, wenn auch nicht mehr ganz so gut, noch immer. Auch heutzutage sind es überwiegend Männer, deren Kunst im Fokus steht, beziehungsweise, nicht weniger oft, von Männern in den Fokus gerückt wird.

Monatelange Recherche für „I Love Women in Art“

Noch immer ist der Kanon derart von weiblicher Unsichtbarkeit geprägt, dass es die Herausgeberinnen und selbst ebenfalls Künstlerinnen, Bianca Kennedy und Janine Mackenroth, monatelanger Recherche bedurfte, um die über 200 weiblichen Kunst- und Kulturschaffenden zusammenzustellen, die in „I Love Women in Art“ zu Wort und Bild kommen. Denn trotzdem 60 Prozent der Absolvierenden an Kunstakademien und 90 Prozent derer, die Kunstgeschichte studieren, weiblich sind, spiegelt sich die tatsächliche Beschaffenheit des Kunstmarktes bislang weder am Markt selbst, noch in der Literatur wieder. Und nein. Auch nicht im Entgelt. Auch im Kunstbetrieb verdienen Frauen weniger als Männer – und zwar durchschnittlich etwa 20 Prozent.


Kein Gegenentwurf, sondern notwendiges Gegengewicht

„I Love Women in Art“ ist nicht als Gegenentwurf zur männlich dominierten Kunstgeschichte zu verstehen, sondern als dringend benötigtes Gegengewicht. Und als gebührender Beitrag zum 100-jährigen Jubiläum der Zulassung von Frauen an deutschen Kunstakademien, was Bianca Kennedy und Janine Mackenroth zum Anlass für Ihr Projekt nahmen, das über private Stiftungen und Förderungen sowie über Crowdfunding finanziert wurde. Herausgekommen ist ein rundum gelungener, wenn auch keinesfalls abschließender, Kunstführer über herausragende Künstlerinnen und Kulturschaffende in Deutschland. Jedem Werk einer Künstlerin steht dabei der Text einer im Kunst- und Kulturbetrieb wirkenden Frau zur Seite. Museumsdirektorinnen, Galeristinnen, Kunstprofessorinnen, Sammlerinnen, Auktionatorinnen, Kunstkritikerinnen, Kuratorinnen, Kustodinnen und andere stellen ihr jeweiliges Lieblingswerk vor, ordnen ein, bringen in Zusammenhang und verleihen der eigenen Begeisterung oft anekdotenbasierten Ausdruck. Unter den vorgestellten Werken finden sich unter anderem Installationen, Textilarbeiten, Gemälde, Fotogramme, Collagen, Skulpturen, Fotomontagen, Filmarbeiten, Rauminszenierungen, Performances … Wie geschrieben: „unter anderem“. Wohin das Auge sieht und liest: Kunst und Kunst-Geschichte(n).

„I Love Women in Art“: Bildet Banden und bebildert Bände

„I Love Women in Art“ ist nicht nur das erste Nachschlagewerk zur aktuellen Situation weiblicher Kunst- und Kulturschaffender, sondern zudem beeindruckender Beweis, wozu Netzwerke in der Lage sind: In dem Fall zu einem herausragenden Sammelband randvoll an Inspiration und Information, der auf die noch immer herrschende Unterrepräsentation weiblicher Positionen in Kunst und Kultur verweist. Und zwar mit absoluter Stringenz: Neben den Herausgeberinnen, den textenden Kulturschaffenden, den Künstlerinnen (von Anni Albers über Hanne Darboven, Hannah Höch, Rebecca Horn, Käthe Kollwitz, Jeanne Mammen und über 90 weiteren Kunstschaffenden bis hin zu Zwei Dominikanerinnen) und der grußwortenden Kulturstaatsministerin Monika Grütters, sind auch die für die überaus ansprechende Buchgestaltung Verantwortlichen ausschließlich Frauen.

Bianca Kennedy Janine Mackenroth I Love Women in Art Cover

Ein Werk also von Frauen mit Frauen über Frauen für alle, die sich für Kunst, Kultur, Geschichte und Gleichberechtigung interessieren. Jenen sei „I Love Women in Art“ ans Herz und in den Warenkorb gelegt. Allen anderen sowieso. (He)Art screams: Neuauflage und fortlaufend aktualisierte Neuausgabe! Der Anfang ist gemacht – und was für einer. Stehende Ova(r)tionen!

Bianca Kennedy, Janine Mackenroth (Hrsg.): „I Love Women in Art“, 100 WOMEN ARTISTS, Hardcover, Silberfolienprägung, 224 Seiten, ISBN: 978-3-9821741-1-2, 30 € (Beitragsbild: Buchcover)

Unterstützen Sie Sounds & Books

Auch hinter einem Online-Magazin steckt journalistische Arbeit. Diese bieten wir bei Sounds & Books nach wie vor kostenfrei an.
Um den Zustand zukünftig ebenfalls gewährleisten zu können, bitten wir unsere Leserinnen und Leser um finanzielle Unterstützung.

Wenn Sie unsere Artikel gerne lesen, würden wir uns über einen regelmäßigen Beitrag sehr freuen.

Spenden Sie direkt über PayPal oder via Überweisung.

Herzlichen Dank!

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.