Christine M. Korsgaard – Tiere wie wir

Christine M. Korsgaard – Tiere wie wir

Der Frage warum wir moralische Pflichten gegenüber Tieren haben, geht die Harvard-Professorin Christine M. Korsgaard in ihrem Buch „Tiere wie wir“ nach

Der Umgang des Menschen mit Tieren wird seit jeher reflektiert. Aktuell wird die Debatte meist mit Fragen nach der Ernährung und des Konsums geführt. Fleisch aus Massentierhaltung wird zunehmend abgelehnt, und das entweder aus ökologischen oder gesundheitlichen Gründen. Entsprechend boomt der Markt für Ersatzprodukten, Kochbüchern und Einkaufsratgebern.

Die Moralphilosophie-Expertin Christine M. Korsgaard

Christine M. Korsgaard Tiere wie wir Cover C.H. Beck Verlag

Doch wie ist es um die moralische Pflicht den Tieren gegenüber bestellt? Sind wir Menschen den Tieren überlegen? Haben Tiere in der Terminologie Immanuel Kants einen „Zweck an sich“? Und wenn ja, was heißt das konkret? Christine M. Korsgaard, Professorin für Philosophie in Harvard, und Mitglied der American Academy of Arts and Sciences ist Expertin auf dem Gebiet der Moralphilosophie, praktischer Vernunft, Handlungsfähigkeit und Ethik. Entsprechend beleuchtet sie unser Verhältnis zu Tieren in „Tiere wie wir“ gründlich auf Basis mehrerer Disziplinen. Ihre Haltung bringt sie dabei gleich im ersten Satzdes Vorworts zum Ausdruck. Wir Menschen seien verpflichtet, alle fühlenden Tiere als das behandeln, was Kant „Zweck an sich“ nennt. Die Art und Weise, wie Menschen derzeit Tiere behandeln, halte sie für eine „moralische Grausamkeit ungeheuren Ausmaßes“.

Ihre Argumentation stützt sie im Folgenden zunächst auf Kant und der Vorstellung von Gut und Böse nach Aristoteles, bevor sie ihre eigenen Überlegungen ausbreitet. Die finden sich in den Teilen „Menschen und andere Tiere“ und „Immanuel Kant und die Tiere“. Im dritten und letzten Teil des über 330 Seiten starken Buches mit dem Titel „Konsequenzen“ skizziert sie dann logisch abgeleitete Maßnahmen für eine Lebensführung, die unsere moralischen Pflichten den Tieren gegenüber Rechnung trügen. Erstaunlich ist dabei zweierlei: 1. Wie weit sich der Mensch von der Natur, also dem Zusammenleben mit Tieren, entfernt hat und 2. wie wenig es bräuchte, um pflichtgemäß zu leben.

Die Lektüre von „Tiere wie wir“ kann verändern

Sprachlich formuliert Korsgaard ihre Gedanken locker und setzt beim Leser auch kein Vorwissen voraus. Ihre Ausführungen sind in ihrer Logik bestechend und zwingen Leser:innen nicht nur deshalb zur Reflexion des eigenen Handelns. Durch den Verweis auf philosophische Eckpfeiler unserer Kultur sind dafür weder Zeigefinger noch Keule notwendig. Es genügt allein der klare Gedanke. Eine Lektüre, die verändern kann.

Christine M. Korsgaard: „Tiere wie wir – Warum wir moralische Pflichten gegenüber Tieren haben – Eine Ethik“, C.H.Beck, übersetzt von Stefan Lorenzer, Hardcover, 346 Seiten, 978-3-406-76545-2, 29.95 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)

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