Agatha Christie: Das fehlende Glied in der Kette

Agatha Christie: Das fehlende Glied in der Kette

Der Debütroman von Agatha Christie um Hercule Poirot in einer Neu-Übersetzung des Atlantik-Verlags

Mitte der 80er-Jahre, im Alter von 15, 16 Jahren las ich neben den Pflichtlektüren im Deutschunterricht bevorzugt einige Klassiker des Kriminal- und Spannungsgenres. Der ein oder andere Nero-Wolfe-Fall von Rex Stout war dabei, diverse Edgar-Wallace-Bände, einige Ian-Flemming-James-Bond-Romane, Dorothy Sayers mit ihrem Lord Peters befand sich unter den gelesenen Büchern und natürlich Romane von Agatha Christie. An Miss Marple und Hercule Poirot war natürlich kein Vorbeikommen, nicht nur aufgrund der großartigen Verfilmungen mit Margaret Rutherford („16 Uhr 50 ab Paddington“), Peter Ustinov („Tod auf dem Nil“) und Albert Finney („Mord im Orient-Express“). Seit ein paar Jahren veröffentlicht der von Hoffmann & Campe gegründete Atlantik Verlag Agatha Christies Romane in Neu-Übersetzungen.

Eine Wiederbegegnung mit Agatha Christie und Hercule Poirot

Agatha Christie Das fehlende Glied in der Kette Cover Atlantik Verlag

Dieses Jahr erschien „Das fehlende Glied in der Kette“, nicht nur Hercule Poirots erster Fall, sondern auch Christies 1920 veröffentlichter Debütroman und der Beginn einer beispiellosen Karriere als Kriminalautorin. Für mich eine Wiederbegegnung nach vielen Jahren, hatte ich den damals als Scherz-Verlag-Taschenbuch gelesenen Roman noch als ein absolutes Highlight abgespeichert. Die erneute Lektüre von „Das fehlende Glied in der Kette“ bestätigt diesen alten Eindruck. Agatha Christie erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive des aufgrund einer während des Ersten Weltkriegs zugezogenen Verletzung nach England zurückgekehrten Lieutenant Arthur Hastings, der seinen Bekannten John Cavendish auf dessen Gut Styles besucht. Dieser lebt dort mit seiner Frau Mary, seinem Bruder Lawrence, der Stiefmutter Emily Inglethorp und deren Gatten Alfred. Emily Inglethorp stirbt – wie es sich bald herausstellt – an einer Strychnin-Vergiftung.

Hercule Poirot greift ein

Mit Johns Erlaubnis holt Hastings in Windeseile seinen Freund Hercule Poirot zur Hilfe, der in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. Seine selbst bei Scotland Yard bekannten Meriten hat sich Poirot, mittlerweile pensioniert, als Mitarbeiter der belgischen Kriminalpolizei verdient. Der kleine, kauzige, aber akkurate Mann von knapp einem Meter sechzig Körpergröße, der „Verwirrung nicht leiden“ kann, macht sich sofort an die Untersuchung von Mrs. Inglethorp Schafgemach, wo diese am frühen Morgen mit letzten Krämpfen aufgefunden worden ist. Ihr Mann Alfred gilt zunächst als Hauptverdächtiger, doch findet Poirot das entlastende Alibi für ihn. Ins Visier von Scotland-Yard-Inspektor James Japp geraten als Verdächtige auch Dr. Bauerstein, der die Leiche untersucht hat und scheinbar ein enges Verhältnis zu Mary Cavendish führt, sowie John Cavendish. Dieser höchst raffinierte Fall führt bei Poirot zu Vorgehensweisen, die in seinem erzählenden Freund Hastings häufig Misstrauen und Skepsis hervorrufen. Aber das Detektiv-Genie Hercule Poirot findet natürlich das noch fehlende Glied in der Kette, um den wahren Mörder zu überführen.

Die phänomenale Agatha Christie

Als Leser sind wir von den Informationen und Beobachtungen Hastings‘ abhängig, während Poirot für seine Ermittlungen immer wieder von der Bildfläche verschwindet und Hastings und uns plötzlich mit neuen Erkenntnissen konfrontiert. Und am Ende erweist sich Poirot sogar als Romantiker. Es war eine freudige kriminalliterarische Wiederbegegnung nach 35 Jahren. Eine vortreffliche Wiederentdeckung des mit einigen liebenswürdigen Verschrobenheiten ausgestatteten Meister-Detektivs Hercule Poirot, dessen Charakterzeichnung und detektivischer Spürsinn sich bereits in Agatha Christies Debütroman in voller Pracht entfalten. Die bekannteste Krimi-Autorin des 20. Jahrhunderts war schon zu Beginn ihrer Karriere phänomenal.

Agatha Christie: „Das fehlende Glied in der Kette“, Atlantik bei Hoffmann & Campe, aus dem Englischen übersetzt von Nina Schindler, Pappeinband, 224 Seiten, 978-3-455-00883-8, 20 Euro

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