Amaryllis Fox: Life Undercover – Als Agentin bei der CIA

Amaryllis Fox: Life Undercover – Als Agentin bei der CIA

Amaryllis Fox ist nicht das Ergebnis eines Spionage-Fakenamegenerators, sondern echter Name der Autorin von „Life Undercover – Als Agentin bei der CIA“

Nein, Gracie Hart (Sandra Bullock) ist nicht das Alter Ego von Amaryllis Fox und „Life Undercover: Als Agentin bei der CIA“ auch nicht die literarische Fortführung der Filmkomödie „Miss Undercover“.  Mal abgesehen davon, dass, wie eine Recherche in Sekundenschnelle zutage fördert, letztere für das FBI (Hollywood) und nicht die CIA tätig war, haben die zwei Werke auch sonst so gut wie nichts miteinander gemein. Außer, dass beide käuflich sind: Das eine als Film, das andere als Buch. Und zwar als Memoir. Amaryllis Fox‘ erstes Buch „Life Undercover: Als Agentin bei der CIA“ beruht also auf Fakten. Und zwar auf durchaus beeindruckenden.

Statt von Disco zu Disco von der Uni zur CIA

Als 19-Jährige interviewte die 1980 geborene New Yorkerin heimlich die unter Hausarrest stehende burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, studierte in Oxford und an der Georgetown University, wo sie einen Algorithmus für die Vorhersage von Terroranschlägen entwickelte. Und zack – normaler Move: Mit 22 direkt von der CIA als Analystin abgeworben und damit eine der jüngsten weiblichen Offiziere. Absolvierte kurz darauf eine der anspruchsvollsten Spionageausbildungen der Welt und wurde Geheimagentin in der Abteilung Terrorismusabwehr – Zuständigkeitsbereich: Aufspüren von Massenvernichtungswaffen, die unter anderem in den Händen von al-Qaida waren. Hierfür ging sie mit 27 Jahren und einer völlig neuen Identität (angebliche Kunsthändlerin) sowie Ehemann (tatsächlicher Agent) nach Shanghai. Erledigte ihre Jobs mit Bravour, wurde nebenbei Mutter: kurz später, nach Ehe-Aus, alleinerziehende. Als ihre Tochter knapp zwei Jahre alt ist, steigt Amaryllis Fox 2010 aus dem Geheimdienst aus und ist seither als Friedensaktivistin tätig.

Was Sie schon immer über Uran-235 und -238 wissen wollten

Amaryllis Fox Life Undercover Als Agentin bei der CIA Cover hanserblau

Wie ihr Memoir „Life Undercover“ zeigt, war sie das irgendwie (quasi undercover) auch schon, als sie sich noch nicht für diverse NGOs engagierte und weltweit Vorträge zur Friedenswahrung hielt. Denn auch bei der CIA ging es Amaryllis Fox nach eigener Aussage stets darum, den Frieden zu wahren oder herzustellen – und zwar nicht mit Waffengewalt, sondern mittels Kommunikation. Auch, wenn sie selbstverständlich wusste, wie sie allerlei Waffen zu bedienen hätte, auch wusste, dass sowohl Uran-235 als auch das eher als langweilig geltende Uran-238 für den Bombenbau unerlässlich sind, gelernt hatte, wie man Folter aushält oder sich selbst tötet, sollte man in feindliche Gefangenschaft geraten, sich jederzeit im Kofferraum eines fahrenden Autos aus Plastikhandschellen befreien oder Brustwunden mit Plastiktüten erstversorgen könnte und über all das andere abgefahrene anspruchsvollste-Spionageausbildung-der-Welt-Spezialwissen verfügte. Was Amaryllis Fox bei der CIA eben auch gelernt hat, war Psychologie und der Einsatz dieser und darauf aufbauender Kommunikation als das effizienteste Mittel, um Vertrauen herzustellen und friedliche Ergebnisse gerade mit jenen zu erzielen, die sonst mit Massenvernichtungswaffen handeln, sie bauen oder zünden.

Psychologie ja – Poesie nein

Nur eine poetische Sprache, wie sie Fox‘ Erstling „Life Undercover“ zuweilen nachgesagt wird, kann getrost verneint werden. Mag an der Übersetzung liegen. Oder an der Verwendung eines Phrasengenerators. Ebenfalls zu verneinen ist die konsequente (also wünschenswerte) Anwendung einer gendergerechten Sprache. In einem mit Sprache verdienendem Berufsfeld (Verlagswesen) und einem auf Sprache basiertem Erzeugnis (Buch), bei dem es im Titel („Agentin“) ja geklappt hat und bei dem, zumindest kurz, Geschlechterverhältnisse (Überraschung: auch in der Spionagetätigkeit gibt es einen Gender Gap) thematisiert werden, ein Buch, in welchem zudem stets die Relevanz von Kommunikation betont wird, fällt das noch unangenehmer auf, als ohnehin schon. Auch das mag an der Übersetzung liegen, definitiv jedoch liegt es an fehlender Sensibilisierung. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja eine zweite, überarbeitete und also sprachlich gendergerechte Auflage? „Life Undercover“ mag dann literarisch noch immer kein (großer) Wurf sein. Dafür sind andere, denen (große) literarische Würfe gelingen, nicht unbedingt (erstklassige) Agent*innen. Spezialisierung ist so wichtig!

Amaryllis Fox: „Life Undercover: Als Agentin bei der CIA“, Hanser, aus dem Englischen von Elisabeth Liebl, Hardcover, 368 Seiten, ISBN: 978-3-446-26422-9, 20 € (Beitragsbild: Buchcover)

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