The Gaslight Anthem: Handwritten

The Gaslight Anthem: Handwritten

It’s only Rock’n’Roll, but i like it

von Gérard Otremba

Da hauen sie wieder richtig einen raus, die Jungs The Gaslight Anthem. Auf ihrem vierten Longplayer „Handwritten“ geben Sänger und Gitarrist Brian Fallon, Schlagzeuger Benny Horowitz, Bassist Alex Levine und Gitarrist Alex Rosamilia ordentlich Gas und klingen dabei wieder etwas aufgekratzter als auf dem Vorgängeralbum „American Slang“. Und doch führen unsere Lieblings-Springsteen-Epigonen aus New Jersey den Weg von „American Slang“ auch konsequent weiter. Dieses Album von 2010 war natürlich schon großes Kino und schrie geradezu nach großer Bühne. Opulente Stadionrockhymnen gaben sich die Klinke in der Hand, die Fäuste zum Himmel gereckt, ob nun beim Titelsong, bei „Stay Lucky“, „Bring It On“ oder „Boxer“. Das nötige Pathos brachten The Gaslight Anthem dann auch mit, um zielsicher ein breites Rockpublikum anzusprechen. Auf „Handwritten“ geling ihnen der Spagat zwischen Alternative- und Mainstream-Rock ganz ausgezeichnet. „“45““ und „Handwritten“ poltern gleich ordentlich los, Pearl Jam lassen zwischenzeitlich grüßen, bevor mit „Here Comes My Man“ die erste allumfassenden Hymne des Albums präsentiert wird. „Mulholland Drive“ dann wesentlich dunkler und gefährlicher. „Keepsake“ langsamer, aber mit leidenschaftlichem Gesang Fallons vorgetragen. Dessen Gabe, mit gequetschter Reibeiseninbrunst zu singen, kommt wunderbar im halb als Stoner-Rock, halb als Ballade daherkommenden Song „Too Much Blood“ rüber. Knackigen, vorwärtstreibenden Punkrock bieten die vier mit „Howl“, den Song „Biloxi Parish“ ziehen The Gaslight Anthem wieder hymnischer auf und „Desire“ raubaukiger. Die Stadien dieser Welt erreichen The Gaslight Anthem dann endgültig mit „Mae“, erhaben und gewaltig. Die gerne benutzten Springsteen-Vergleiche sind natürlich ob des ehrlichen und pathetischen Rock’n’Rolls, den The Gaslight Anthem spielen, alle berechtigt. Und doch habe ich das Gefühl, dass Brian Fallon dem „Boss“ nie näher war, als in der abschließenden, akustischen und wunderschönen Ballade „National Anthem“. Mit „Handwritten“ packen The Gaslight Anthem den Rock’n’Roll an seinen Wurzeln.

 

„Handwritten“ von The Gaslight Anthem ist am 20.07.2012 bei Mercury / Universal erschienen.           

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.