Jan Böttcher: Das Kaff – Roman

Jan Böttcher: Das Kaff – Roman

Mit Humor und positiver Nostalgie kehrt Jan Böttcher zurück in die Provinz

Michael Schürtz ist wieder in seiner Heimatstadt. Doch verhängnisvoller hätte seine Rückkehr in das „Kaff“, oder auch „Shitty Littleton“, wie der Hauptprotagonist, aus dessen Ich-Perspektive Jan Böttcher die Geschichte erzählt, die nicht namentlich benannte Kleinstadt im Norden Deutschlands spöttisch bezeichnet, kaum ausfallen können. Während sich Schürtz in der Eingangsszene des Romans ein Bad im Fluß Ull gönnt, bemächtigen sich halbstarke Jugendliche seiner Kleidung und drohen mit Ärger. Michael Schürtz kann mögliches Ungemach abwehren, aber man ahnt, dass es nicht die letzte Begegnung mit einem der aufmüpfigen Jugendlichen bleibt.

Von Berlin zurück ins „Kaff“

Jan Böttcher Das Kaff Cover Aufbau VerlagEinst zog Schürtz nach einem Krach mit seiner Mutter als 19-Jähriger Hals über Kopf nach Berlin. Den Kontakt zur Familie brach er fast vollständig ab, mit Anfang 40 führt ihn nun ein Job als Bauleiter zurück ins „Kaff“. Obwohl er schon modetechnisch als Großstadtsnob auftritt und der aus seiner Sicht miefigen Kleinstadtprovinz skeptisch und distanziert gegenübersteht, findet er sich schneller mitten im Kaff-Leben wieder, als er sich das vorher wahrscheinlich vorstellte. Schürtz quartiert sich im Reihenhaus seines Schulfreundes Greg, der mit seiner Familie in die Ferien fährt, ein und übernimmt ohne viel Zögern den freien Posten des C-Jugend-Trainers des Fußballvereins Rot-Weiß, für den er selbst in seiner Jugend spielte. Natürlich kickt Tobi, einer der Jugendlichen vom See in dieser Mannschaft und ist außerdem der Sohn Carlas, der Mieterin einer der Wohnungen des von ihm geleiteten Bauprojekts, mit der Michael Schürtz eine Beziehung beginnt.

Neuverwurzelung und Selbstfindung

Die Neuverwurzelung in alten Gefilden schreitet für ihn voran und auch die Vergangenheitsbewältigung nimmt konkrete Formen an. Seine Mutter, in der Zwischenzeit vom Krebs besiegt, kann er nur auf dem Friedhof besuchen, mit seinem Bruder „Nuss“ sowie seiner Schwester Jul sind Aussprachen prinzipiell aber möglich. Immer mehr hebt der 1973 in Lüneburg geborene Jan Böttcher, manch einem vielleicht auch als Sänger von Herr Nilsson bekannt, die entgegengesetzten Pole Großstadt-Provinz für seine Hauptfigur auf, für den die Rückkehr ins „Kaff“ als Selbstfindung dient. In Rückblenden rollt Böttcher die Schürtz-Familiengeschichte auf und in den Passagen dieser Auseinandersetzung mit der Vergangenheit überzeugt er ähnlich wie mit seinen Charakterskizzen der „Kaff“-Bewohner, in denen er trotz des ein oder anderen rauhen Kerns das Gute und Wärmende zeichnet. Eine unterhaltsame und nachdenkliche Lektüre mit diversen witzigen Anekdoten und von positiv nostalgischer Wirkung.

Jan Böttcher: „Das Kaff“, Aufbau Verlag, Hardcover, 269 Seiten, 978-3-351-03716-1, 20 € (Beitragsbild: Buchcover).              

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