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28. August 2026Nichts wirklich Neues im Hause Jayhawks – und das ist völlig in Ordnung so. Eine weitere schöne Scheibe der Americana-Veteranen.
von Werner Herpell
Die Neunziger waren das große Jahrzehnt von The Jayhawks. Sie konkurrierten dank der drei Album-Klassiker „Hollywood Town Hall“ (1992), „Tomorrow The Green Grass“ (1995) und „Sound Of Lies“ (1997) mit den damals noch rootsrockigen Wilco und den opulenten Walkabouts um den Thron der Alternative-Country- und Neo-Folkrock-Bewegung. Während Jeff Tweedy & Co. sich danach stilistisch enorm weiterentwickelten und zeitweise zu „Amerikas Radiohead“ mutierten, während die Band um Chris Eckman und Carla Torgerson sich irgendwann leider auflöste, machten die Jayhawks immerzu schöne, wenngleich nun etwas konservative Platten in ihrer angestammten Genre-Nische.
In ihrem Metier so ziemlich die Besten
Auch das neue Album „Sanctuary Park“ ändert nichts an der Einschätzung, dass sich das Quartett aus Minnesota (Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter Gary Louris, Keyboarderin Karen Grotberg, Schlagzeuger Tim O’Reagan, Bassist Marc Perlman) auf sicherem Boden bewegt, ohne den stilistischen Kurs auf die alten Tage noch groß ändern zu wollen. Und das müssen die „bunten Vögel“ (so die empfohlene freie Übersetzung) ja auch nicht, denn nach 40 produktiven Jahren sind sie in ihrem Metier so ziemlich die Besten, da kann man durchaus selbstbewusst mit der eigenen Geschichte umgehen.
Was sie schon mit dem Album-Opener, der ersten Single „Keeping Our Heads Above Water“, beweisen. Und dann bis zum Closer „Rowing The Boat“ nie aus den Augen verlieren. Eine wirklich schwache Platte haben The Jayhawks (und übrigens auch Gary Louris nicht mit Solo-Ausflügen wie zuletzt „Dark Country“) also weiterhin nie gemacht.
Neue Jayhawks-Lieblingslieder für die Playlist
Wobei für Einsteiger wohl „XOXO“ (2020) und der Americana-meets-Beatles-Traum „Smile“ (2000) – neben den drei eingangs erwähnten 90s-Highlights – besonders zu empfehlen sind. Zu letzterem Album schlägt „Sanctuary Park“ eine Brücke, denn wie „Smile“ wurde auch die neueste Songsammlung von Produzentenlegende Bob Ezrin (Pink Floyd, Peter Gabriel, Alice Cooper, Lou Reed) betreut. „Ich liebe ihre Musik“, sagt der 77-jährige Studioveteran. „Ihr Sound hat etwas Sanftes und Liebliches, und ich habe gemerkt, dass ich mir ein bisschen mehr davon gewünscht habe.“
Von den elf „Sanctuary Park“-Tracks fallen lediglich das etwas zu schunkelige „Leap Of Faith“ und der recht konventionelle Countryrocker „It’ll Be All Right Tonight“ ein wenig ab. Mit „Kingston Girl“, „Mr. Lincoln“, „Always And A Day“ und „Familiar Strangers“ sind auf der Platte aber auch wieder etliche Songs für die immer länger werdende Playlist mit Jayhawks-Lieblingsliedern drauf. Der epische, folkrockig groovende Titelsong ist gar eine der stärksten Louris-Kompositionen der Post-90s. Makellose Pop-Melodien treffen auf perfekte dreistimmige Harmonien treffen auf kluge, nachdenkliche Texte – mehr kann man nicht wollen von einer Americana-Platte, die ohne Anspruch auf Erneuerung des Genres daherkommt.
Das Album „Sanctuary Park“ von The Jayhawks erscheint am 28.08.2026 bei SHAM/Thirty Tigers. (Beitragsbild von Steve Cohen)





