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25. August 2026„Memories Of The Future“ von The Fourth Wall ist weniger eine Songsammlung und mehr ein langer Trip durch Hall, Klavier und Zukunftsfrust. Ziemlich eigen, aber auf eine angenehme Art.
von Mia Lada-Klein
Von der idealen Gesellschaft des Philosophen Sokrates bis zu Donna Haraways Vision einer Welt aus Menschen und Maschinen hat die Menschheit immer wieder davon geträumt, wie die Zukunft aussehen könnte. Dass die Realität am Ende meistens einen anderen Plan hat, ist dabei ja der bekannte Klassiker.
Auf „Memories Of The Future“, dem fünften Album der melodischen Noise-Rock-Band The Fourth Wall aus Portland, geht es um genau diesen Widerspruch: um große Zukunftsträume und die ernüchternde Erkenntnis, dass die Wirklichkeit selten mitspielt. Die Band fragt, was von unseren Utopien übrig bleibt, wenn eine lebenswerte Zukunft immer schwerer vorstellbar wird.
The Fourth Wall: Erst flüstern, dann zuschlagen
Der Einstieg mit „Zeno’s Paradox“ ist entsprechend zurückhaltend. Ein Klavier bildet das Fundament, während Synthesizer im Hintergrund herumflirren. Der Gesang bewegt sich zunächst irgendwo zwischen gesprochenem Wort und gehauchtem Monolog, bevor er sich gegen Ende deutlich öffnet und mit reichlich Hall beinahe im Raum auflöst. Ein leiser, etwas entrückter Auftakt, der erst einmal so tut, als wäre dieses Album ein gemütlicher Spaziergang.
„City Lights Receding“ tritt die Tür ein
Mit „City Lights Receding“ folgt aber direkt ein Bruch. Dabei ist der Song für sich genommen gar kein musikalischer Vorschlaghammer. Eigentlich handelt es sich um einen eher ruhigen Indie-Rock-Track. Im direkten Kontrast zum Opener wirkt er allerdings plötzlich deutlich härter, lauter und wilder. Ein ziemlich cleverer Effekt, denn The Fourth Wall zeigen an dieser Stelle, wie viel Dynamik bereits durch Reihenfolge entstehen kann. Nach „Zeno’s Paradox“ klingt selbst ein vergleichsweise gemäßigter Gitarrenmoment wie eine kleine Naturkatastrophe.
Tatsächlich bleibt das Album danach aber überwiegend ruhig. Viel Hall liegt über den Songs, und von Track zu Track wirkt „Memories Of The Future“ immer mehr wie ein zusammenhängendes Stück statt wie eine Reihe einzelner Tracks. Das ist der zweite interessante Effekt des Albums: Die Songs funktionieren einzeln, wirken zusammen aber fast wie ein einziger langer Song.
Einer der interessanten Ausreißer ist „Kármán Line“. Im Mittelpunkt steht Mike Hughes, der sich mit einer selbstgebauten Rakete in die Luft katapultieren wollte und 2020 bei einem solchen Versuch ums Leben kam. Ob seine Nähe zur Flat-Earth-Bewegung ernst gemeint war oder eher als Mittel zum Zweck diente, um Aufmerksamkeit für seine Raketenpläne zu bekommen, bleibt dabei ungeklärt. Der Song macht aus dieser ohnehin ziemlich absurden Geschichte aber keine Freakshow, sondern schaut ziemlich nüchtern auf diesen Drang, der Realität einfach davonzufliegen.
Ein Album wie ein einziger langer Song
Zum Abschluss kehrt „Future Memory“ beinahe dorthin zurück, wo „Zeno’s Paradox“ begonnen hat. Auch hier treffen Klavier und viel Hall aufeinander. Dadurch wirkt das Ende fast wie eine Rückkehr zum Anfang und gibt dem Album einen runden Abschluss. Gleichzeitig verstärkt der Song noch einmal den Eindruck, dass „Memories Of The Future“ weniger aus einzelnen Stücken als aus einem langen musikalischen Fluss besteht. Wer Indie-Rock mit einem leicht experimentellen Einschlag mag, dürfte mit The Fourth Wall also durchaus etwas anfangen können.
The Fourth Wall veröffentlichen „Memories Of The Future“ am 28. August 2026 via DevilDuck Records. (Beitragsbild von Stephen Agustin)





