Zola Jesus: Okovi – Album Review

Zola Jesus: Okovi – Album Review

 

Liebe auf den zweiten Blick

Zola Jesus erinnert in ihrer Inszenierung stark an Künstlerinnen wie Lady Gaga oder Björk. Extrovertiert, bunt, experimentell, irgendwie anders. Ihr musikalischer Stil liegt irgendwo dazwischen. „Okovi“ ist die nun bereits sechste LP der mit bürgerlichen Namen Nika Roza Danilova heißenden amerikanischen Songwriterin mit russischen Wurzeln und reiht sich ein in das Oeuvre einer Künstlerin, die sich musikalisch schwer beschreiben lässt. Stimmlich ist Zola Jesus unübertroffen einzigartig. Sie widmete sich schon in frühen Jahren dem Operngesang, was sie in ihren Songs dann auch bis zum Exzess hin ausreizt. Studiert hat sie aber am Ende nicht Musik, sondern, wen wundert es wenn man sich ihre Texte anschaut, Philosophie. Die Sängerin liest privat Klassiker wie Dostojewski oder Nietzsche und verarbeitet diese Eindrücke dann in ihrem Schaffen.

Als sie mit zarten 18 Jahren das Projekt Zola Jesus startet und in Folge dessen 2009 ihr erstes Album „The Spoils“ erscheint, überschlagen sich Kritiker in den USA mit Lobeshymnen auf die Künstlerin. Miss Danilova schafft es mit diesem und den folgenden Alben gekonnt, verschiedene alte und neue Musikrichtungen miteinander zu kombinieren und darüber hinaus ihrer Person einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert zu verschaffen. Internationalen Erfolg erreicht die Amerikanerin sicher nicht zuletzt damit, dass ihre Songs in Serien wie Grey´s Anatomie gespielt werden. Zola Jesus lässt sich dennoch nicht in Schubladen pressen und erfindet sich auf jedem Album neu.

Sounds & Books_Zola Jeus_Okovi_CoverIhr neues Werk wiederum ist ebenso umständlich zu kategorisieren, wie es die Sängerin selbst ist. „Das Album begegnet Tragik mit Weisheit und Klarheit. Seine Songs loten dunkle Zweifel aus, reflektieren aber ebenso das Licht“, so heißt es im Pressetext zur Album-Bemusterung. Die elf Stücke zählende, als elektronisch beworbene Platte ist zunächst mal nicht barrierefrei zugänglich, präsentiert sich monoton und erinnert mit Stücken wie „Doma“ eher an mittelalterliche Kircheninszenierungen, als an eine LP, die in die heutige Zeit zu verorten ist. Die Musik auf dem Album ist zutiefst dunkel, melancholisch und gleichförmig. Zola Jesus‘ Stimme ist bei allen Songs die konstante, melodische Komponente. Die Stücke „Siphon“ und „Wiseblood“ erinnern in Teilen sogar an Florence + The Machine, präsentieren sich dann aber wieder viel reduzierter und plätschern ohne große Höhepunkte vor sich hin.

Größtenteils lässt sich die Musik auf „Okovi“ schwer aushalten, nicht weil sie schlecht wäre, sondern weil die Kompositionen der Songs so systematisch die trostlose Gesamtstimmung des Albums unterstreichen. Hat man die Schwelle der Ablehnung aber überwunden, lohnt es sich, „Okovi“ eine zweite Chance zu geben, denn das Album ist sicher kein Alltägliches und mit Songs wie „Soak“ viel energetischer als man zunächst meint.  „Okovi“  heißt übersetzt  übrigens „Die Fesseln“. Überträgt man diesen Inhalt auf den Rezipienten, fasst es das Hörgefühl des sechsten Albums der Amerikanerin ganz gut zusammen.

„Okovi“ von Zola Jesus erscheint am 08.09.2017 bei Sacred Bones / Cargo Records.

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