Zimt live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Zimt live in Hamburg 2018 – Konzertreview

Niveauvoller Indie-Pop der Augsburger Band Zimt in der Hamburger Astra Stube

Für Sounds & Books ist Zimt die deutsche Newcomer-Band 2017. Mit ihrem im August veröffentlichten Debütalbum Glückstiraden landete das Augsburger Trio in meinen Top-Ten der Platten des Jahres, ihre Single „Ideal ist nichts“ wurde zum Song des Jahres gekürt und auch live hinterließen Zimt mit ihrer Mischung aus Post-Punk, NDW und Gitarren-Indie-Pop als Support von Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen beim Gig im Knust einen guten Eindruck. Auf ihrer aktuellen Tour besuchten sie gestern Hamburg, wo im April letzten Jahr im Studio Artikel 1 von Zwanie Johnson auch das Album aufgenommen und produziert worden ist.

In der gemütlich-vollen Astra Stube an der Sternbrücke brachte zunächst die Hamburger Formation Little Whirls die Konzertbesucher in Stimmung. Little Whirls ist eine Art Hamburger Indie-Allstar-Band, sind ihre Mitglieder Alexander Tsitsigias, Rasmus Engler, Ulf Schütte und Ole Greifsmühlen bereits mit Gruppen wie Herrenmagazin, Schrottgrenze, Dandeleon oder Aosuke auch über die Stadtgrenzen Hamburgs bekannt geworden. Ihr Mix aus Punk und Lo-Fi-Indie-Pop changierte zwischen The Ramones und Teenage Fanclub und heizte dem Publikum in der Astra Stube ordentlich ein. So viele kurze, auf den Punkt gebrachte Songs gab es in der knappen Zeit des Vorprogramms selten zu hören. Ein großer Spaß. Ein neues Mini-Album von Little Whirls erscheint demnächst.

Sie hatten eine beschwerliche Anreise und benötigten insgesamt zwölf Stunden von Augsburg nach Hamburg. Außerdem grassiert auch bei Zimt die Erkältungswelle und führte zu einer Konzertabsage am Vortag in Ulm. In Hamburg trotzten Zimt diesen widrigen Umständen und spielten ihren Set trotz noch verschnupfter Nase von Sängerin, Keyboarderin und Gitarristin Janina  Kölbl. Fast alle Songs von Glückstiraden standen auf dem Programm, dazu zwei neue, nicht auf dem Album befindliche Stücke, „Du fliegst dahin“, sowie als Zugabe „Der Weg der Harmonie“. Zimt, neben Kölbl gehören Bassistin und Sängerin Isabella Theil und Schlagzeuger Ralf Déteste zur Band, komponieren die charmantesten Indie-Pop-Songs in diesem Lande und lange Anfahrt hin und Erkältung her, ihre Lieder funktionierten auch am 16.02.2018 in der Hamburger Astra Stube.

Vom belebenden Beginn „Nicht mehr bei mir“, über das euphorische „Du kannst so leben wie du willst“ hin zum himmlischen „Empathielosigkeit“, ging einem bei jedem Song das Herz auf. Dazwischen das feinsinnige und traurig-schöne „Tag verschenken“ und das hymnische „Ideal ist nichts“, bei Zimt stimmt einfach so ziemlich alles. Überhaupt wurde es mal wieder für eine junge Band Zeit, Tacheles zu reden und in Zeiten der auseinanderdriftenden Wohlstandschere zu texten: „Ich will, dass es euch gut geht, doch ihr wisst nicht, was ihr braucht / Ich will, dass es euch gut geht, doch euer Wohlstand regt mich auf“. Der Song heißt „Wohlstand“ und pulsierte zum Ende des Konzertes in feinster New Wave- und NDW-Art durch die Astra Stube. Mit dem liebreizenden „Verzeihen“ beendeten Zimt ihren Auftritt, der zeigte, auf welch einem hohen Niveau deutscher Indie-Pop möglich ist. Wir freuen uns auf eine hoffentlich lange und erfolgreiche Zimt-Karriere.

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