Zeinab Badawi: Eine afrikanische Geschichte Afrikas

Zeinab Badawi Eine afrikanische Geschichte Afrikas Buchcover

Der Gegenentwurf zur postimperialen Bildung: Zeinab Badawi erzählt die Geschichte Afrikas als eine Geschichte der Menschheit – und verändert damit die Wahrnehmung nachhaltig

von Sebastian Meißner

Afrika ist die Wiege der Menschheit. Dennoch können nur wenige Menschen spontan den Namen eines anderen afrikanischen Herrschers als Tutanchamun nennen. Und sollte man die Daten seiner Regierungszeit angeben, herrscht ebenfalls große Ratlosigkeit. Diese Ignoranz bzw. Ungebildetheit ist mindestens mal irritierend. Aber klar: Aus westlicher Perspektive beginnt die Geschichte Afrikas mit der Ankunft der Europäer. Und ist deshalb vor allem eine Geschichte von Sklaverei, Imperialismus und Kolonialismus. Die Journalistin und Filmemacherin Zeinab Badawi möchte dieser Kurzsichtigkeit der postimperialen Bildung etwas entgegensetzen und hat für „Eine afrikanische Geschichte Afrikas“ die Gespräche und Besuche aus mehr als einem Jahrzehnt zusammengetragen. Sie sprach mit Dutzenden Menschen – von Akademiker:innen zu ganz gewöhnlichen Bürger:innen, die sie über ihre Kultur aufklärten und ihr ihre Geschichte erzählten und bedeutende Orte zeigten.

Jeder Mensch ist Afrikaner

Zeinab Badawi Eine afrikanische Geschichte Afrikas Buchcover

Das Ergebnis ist erhellend. Dieses Buch, so die Autorin, sei keine wissenschaftliche Abhandlung und es sei auch nicht auf „contested history“ aus. Sie wolle vielmehr eine Neuausrichtung des Narrativs erreichen, daher schaffe sei ein Gegengewicht zu der häufig negativen Wahrnehmung des Kontinents und seiner Bevölkerung und stärke das kollektive Wissen über seine Geschichte. Um dies zu erreichen, startet sie mit der Bedeutung Afrikas für die Entwicklung des Menschen. Anhand evolutionärer Funde von Knochenresten und Schädeln zeigt sie auf, dass 99 Prozent unserer Evolutionsgeschichte auf diesem Kontinent stattfanden und somit heute jeder Mensch „entweder Afrikaner oder aber ein Nachfahre eines afrikanischen Migranten“ ist.

Das Buch basiert auf ihrer früheren 20-teiligen BBC-Fernsehserie und deckt eine Vielzahl von Themen und Epochen ab. Es beginnt mit den frühesten menschlichen Knochenfunden und reicht bis zu den Kämpfen gegen die Apartheid in Südafrika​. Sie beleuchtet verschiedene Zivilisationen, mächtige Königreiche, die Rolle von Kriegerköniginnen, sowie den Einfluss des Christentums und des Islam.

Zeinab Badawi informiert zugänglich

Ihr Werk ist reich an journalistischer Recherche und persönlichen Erlebnissen von ihren Reisen durch Afrika. Trotz ihrer britischen Prägung aufgrund ihres Lebens in Großbritannien, strebt Badawi danach, ein authentisches Bild Afrikas zu vermitteln, indem sie viele afrikanische Historiker und Perspektiven einbezieht​. Ihre Fähigkeit, komplexe historische Ereignisse und Zusammenhänge anschaulich darzustellen, macht das Buch für ein breites Publikum zugänglich​. Das Buch ist nicht nur historisch informativ, sondern auch zugänglich und lesenswert für ein breites Publikum, unabhängig von deren Vorwissen über Afrika​. Bereichernd.

Zeinab Badawi: „Eine afrikanische Geschichte Afrikas – Vom Ursprung der Menschheit bis zur Unabhängigkeit“, Piper Verlag, übersetzt von Elsbeth Ranke und Henning Dedekind, Gebunden, 512 Seiten, 9783492072687, 28, Euro. (Beitragsbild: Buchcover)

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