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24. Februar 2026Eine Musik aus Hingabe und gegenseitigem Zuhören – jenseits von Stil, Herkunft und Zeit.
Zakir Hussains „Making Music„ entfaltet in der Luminessence-Wiederveröffentlichung erneut seine stille, überwältigende Magie.
Zakir Hussains „Making Music“ gehört zu jenen Alben, die auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt haben. Die Wiederveröffentlichung im Rahmen der ECM-Luminessence-Serie rückt dieses außergewöhnliche Dokument musikalischer Offenheit erneut ins Licht und macht hörbar, wie zeitlos die Vision war, die Hussain 1987 zusammenführte. Was hier entsteht, ist weder stilistische Grenzüberschreitung aus Kalkül noch akademische Fusion von Ost und West, sondern ein Akt des gemeinsamen Hörens, Atmens und Erfindens. Beim erneuten Eintauchen fällt die Klarheit und Reinheit dieser Musik auf: eine Schönheit, die sich nicht aufdrängt, sondern aus innerer Notwendigkeit entfaltet.
Demut als Haltung
Was „Making Music“ von vielen anderen interkulturellen Projekten unterscheidet, ist die spür- und hörbare Demut aller Beteiligten und ihre Absicht, nur gemeinsam – aufgelöst im großen Ganzen – in Erscheinung zu treten. Niemand versucht, sich in den Vordergrund zu spielen, niemand demonstriert Virtuosität um ihrer selbst willen. John McLaughlin erlebt man hier so sensibel und differenziert wie kaum sonst in seiner Laufbahn: Seine akustische Gitarre hört zu, antwortet, trägt – etwa in der berührenden Widmung „Zakir“, deren harmonische Wärme sich unmittelbar ins Herz schreibt. Auch Jan Garbarek fügt sich mit einer Selbstverständlichkeit ein, die seine Linien mal an indische Vokalmusik annähert, mal kühle nordische Weiten evoziert. Und Zakir Hussain selbst agiert weniger als dominanter Rhythmusgeber denn als Ermöglicher, der großzügig Räume öffnet, in denen sich die Musik frei entfalten kann.
Jenseits der Kategorien
Der Schlüssel zu diesem Album liegt bereits im Titel: Es geht um das Machen von Musik an sich, nicht um ein zuvor definiertes Ziel. Die Eröffnungskomposition umreißt in ihrer großzügigen Dauer nahezu alles, was dieses Quartett auszeichnet: das organische Entstehen von Rhythmus, das behutsame Ineinandergreifen der Stimmen, das Vertrauen in Dynamik und Stille. Immer wieder entstehen intime Gesprächssituationen – Flöte und Tabla in „Water Girl“, Saxophon und Flöte in „Sabah“, oder das feingesponnene Dreieck aus Tenorsaxophon, Gitarre und Flöte in „Toni“. Besonders auffällig ist, wie selbstverständlich jede Stimme willkommen geheißen wird, wie sich kollektive Passagen und kammermusikalische Momente abwechseln, ohne je konstruiert zu wirken.
Die Kunst der Verwandlung
So gleichberechtigt das Zusammenspiel auch ist: Hariprasad Chaurasia erweist sich als der leuchtende Mittelpunkt dieser Aufnahmen. Seine Bambusflöte verwandelt Atem in Klang von beinahe überirdischer Qualität – mal schwebend und licht, mal erdig und von innerer Spannung durchzogen. In den Dialogen mit McLaughlin, etwa in „Zakir“ oder „Sabah“, offenbart sich eine Tonreinheit, die die Musik scheinbar an feinen Fäden trägt und den Hörer mit sich zieht. Chaurasia versteht es, die Musik zu senken und zu heben. Dass ECM diese acht sorgfältig komponierten und aufgenommenen Stücke nun in der Luminessence-Reihe neu präsentiert, ist ein Glücksfall: klanglich ein Meisterwerk, künstlerisch ein Dokument radikaler Offenheit. „Making Music“ zählt nicht nur zu den Höhepunkten im Schaffen Zakir Hussains, sondern gehört auch heute noch zu den eindrucksvollsten Platten ihres Jahres – und weit darüber hinaus.
„Making Music“ von Zakir Hussain erscheint am 05.12.2025 bei ECM Records. (Beitragsbild: Albumcover)




