Wolf Haas: Müll – Kriminalroman

Wolf Haas: Müll – Kriminalroman

Mit einer ordentlichen Portion Situationskomik und einem  ganz eigenen Sprachstil erschafft Wolf Haas in seinem neuesten Roman „Müll“ die Kulisse für einen weiteren außergewöhnlichen Kriminalfall 

Ausgangspunkt des skurrilen Falls ist eine Wiener Mülldeponie, der sogenannte Mistplatz. Hier herrschen strenge Regeln für das Entsorgen von Gütern aller Art. Und diese werden von den eingeschworenen Mitarbeitern in orangefarbenen Uniformen, darunter der ehemalige Polizeibeamte Simon Brenner, eisern überwacht und penibel durchgesetzt. Aber auch bei noch so wachsamer Kontrolle der Kunden und deren Entsorgungsgütern rutscht ab und an etwas ins falsche Behältnis. Doch nichts bleibt unentdeckt. Müllsünden werden lautstark dokumentiert und durch demonstratives Umsortieren behoben. Denn es gibt für jede Art von Müll die korrekte Wanne. Das ist wichtig für den Kreislauf, das weiß hier jeder.

Eine Leiche ohne Herz

Wolf Haas Müll Cover Hoffmann & Campe Verlag

Mit dem Auftauchen eines menschlichen Knies in der Sperrmüllwanne ist es jedoch vorbei mit der Ordnung auf dem Mistplatz. Weitere Leichenteile, allesamt regelwidrig in verschiedenen Wannen heimlich entsorgt, werden von den Mistlern gefunden. Nur das Herz des Opfers fehlt, stellt die Polizei später fest. Das ist zunächst so ziemlich der einzige Ermittlungserfolg. Denn mit festgefahrenen Methoden, statistischen Wahrscheinlichkeiten und Dienst nach Vorschrift ist dieser mysteriöse Fall nicht zu lösen. Das wird dem Deponiemitarbeiter Brenner, ehemaliger Kollege des zuständigen Ermittlers, schnell klar, als er sich unfreiwillig durch das Überschlagen der Ereignisse mitten in diesem verworrenen Rätsel befindet.

Der neunte Brenner-Fall von Wolf Haas

„Müll“ ist bereits der neunte Fall, den der Hauptcharakter Simon Brenner mit typischem Wiener Schmäh zu lösen hat. Doch auch Neueinsteiger erwartet ein humorvolles Lesevergnügen einer in sich abgeschlossenen Story. Wer die bisherigen Brenner-Krimis von Wolf Haas nicht kennt, der wird gleich auf den ersten Seiten dessen typische Erzählweise und eigene Sprachrhythmik bemerken: „Eine Viertelstunde nach dem ersten Knie ist die Polizei aufgetaucht. Und ob Du es glaubst oder nicht. In dieser Viertelstunde zwischen Knie und Polizei haben die Müllmänner schon den halben Menschen zusammengesetzt gehabt, Puzzelmeister Hilfsausdruck. Weil natürlich der Ehrgeiz. […] Aber für den kompletten Menschen dann doch zu früh die Polizei da. Zuerst sind sie nicht beim Tor hereingekommen, weil die Mistler natürlich sofort zugesperrt, Kunden hinausgeschmissen und Tor zu.“

Schmunzeln garantiert – Nachdenken erlaubt

Egal ob Mistplatz, Mülldeponie, Wertstoffhof oder wie ein Altstoffsammelzentrum regional unterschiedlich bezeichnet werden mag, die Atmosphäre und die vorkommenden Charaktere sind – mit einer Portion Realsatire – authentisch beschrieben und behalten über Landesgrenzen hinaus einen Wiedererkennungswert. Auch bei den im Ermittlungsverlauf folgenden Ereignissen und Verwirrungen darf ordentlich geschmunzelt werden. Bemerkenswert ist zudem, dass neben den Elementen der kriminalistischen Komik auch ernsthafte Themen ihren Platz finden und zum Nachdenken anregen, beispielsweise die Müllproblematik der heutigen Wohlstandsgesellschaft, der Umgang mit persönlichen Schicksalsschlägen und das Für und Wider von Organspenden.

Wolf Haas: „Müll“, Hoffmann und Campe, Hardcover, 288 Seiten, 978-3-455-01430-3, 24 Euro. (Beitragsbild von Gerry Nitsch)

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