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4. April 2026Im Interview sprechen Alaska Reid und Dylan Fraser von Witch Post über den Kontrast zwischen „Beast“ und „Butterfly“ und die Musiklandschaft von heute, zwischen Streaming, KI und Live-Szene.
Das amerikanisch-britische Duo Witch Post gehört zweifellos zu den aufregenden Newcomern im Indie-Rock-Genre. Im März erschien die von uns rezensierte EP „Butterfly“, Grund genug, sich mit Witch Post, also Alaska Reid und Dylan Fraser, über ihre Musik und vieles mehr zu unterhalten.
Interview von Mia Lada-Klein
Eure beiden EPs „Beast“ und „Butterfly“ stehen ja für gegensätzliche Ideen. War dieser Dualismus von Anfang an Teil des Konzepts von Witch Post oder hat er sich erst im Laufe eurer musikalischen Entwicklung ergeben?
Alaska: Der hat sich tatsächlich erst während des Prozesses entwickelt. Wir hatten viele Songs und haben uns gefragt, wie wir sie präsentieren wollen. Gerade heutzutage ist ja auch die Frage, was ein Album überhaupt noch ist und ob dieses Konzept in der modernen Musikindustrie noch funktioniert. Als Hörer liebe ich Alben zwar, aber es entstehen ständig neue Formate. Wir wollten deshalb etwas Spielerisches machen, also etwas, das mit der Idee eines Albums, aber auch mit der einer EP spielt. Wir waren damals noch unsigned und dachten uns: Warum nicht etwas machen, das weder ganz das eine noch das andere ist, sondern irgendwie beides und gleichzeitig keines von beiden? Am Ende haben wir uns stark von den Songs leiten lassen und gemerkt, dass sie konzeptionell unterschiedliche Stimmungen haben. Daraus hat sich dieser Dualismus dann ganz organisch entwickelt.
Ihr sagt, es ist kein klassisches Album. Was ja vielleicht ganz gut ist, wenn man sich die Entwicklung anschaut. Streaming hat viel verändert und hat Musik weltweit zugänglicher gemacht. Aber ist es dadurch auch fairer für Künstler geworden? Björk sagte ja sogar, Streaming sei das Schlimmste, was Künstlern passieren konnte. Wie seht ihr das? Und welchen Einfluss haben Algorithmen und Playlists, zum Beispiel bei Spotify, auf die Release-Strategien von Witch Post?
Dylan: Das ist eine spannende Frage. Einerseits ist es definitiv positiv, dass heute grundsätzlich jeder, egal wo auf der Welt, kreativ sein und seine Musik veröffentlichen kann. Früher war das oft stark
gategekeeped, man musste entweder gesignt sein oder über die finanziellen Mittel verfügen. Insofern ist diese neue Zugänglichkeit etwas Gutes. Die Kehrseite ist allerdings, dass viele Künstler für ihre Arbeit nicht angemessen bezahlt werden. Genau da liegt eines der größten Probleme beim Streaming.
Alaska: Ich finde das Thema auch deshalb interessant, weil ich selbst nicht wirklich mit Streaming aufgewachsen bin. Ich hatte noch einen iPod, habe MP3s gehört, CDs gebrannt oder Mixtapes bekommen. Das hatte etwas sehr Greifbares und Persönliches. Ich will jetzt nicht wie die Person wirken, die nostalgisch gegen alles Neue schimpft, aber ich bin mir nicht sicher, ob Streaming Musik wirklich „besser“ gemacht hat. Viele Musiker stehen heute unter Druck, weil sie kaum Einnahmen erzielen und gleichzeitig das Gefühl haben, sie müssten unbedingt in Playlists landen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Diese Logik beeinflusst auch, wie Musik entsteht.
Es gibt fast schon eine Erwartung,…




