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18. März 2026Eine EP als Versprechen für die Zukunft: Witch Post loten mit ihrem Slacker-Rock Dualitäten aus
von Sven Weiss
Nach der „Beast EP“, die im August 2025 erschien, folgt nun die „Butterfly EP“. Es geht also um Dualitäten bei Witch Post. Das aggressive Biest und der zarte Schmetterling, rau und emotional, laut und leise. Und auch wenn die beiden Bandmitglieder Alaska Reid und Dylan Fraser sich das Rampenlicht teilen und abwechselnd ans Mikrofon treten – ganz so klar ist die Rollenverteilung bei den beiden dann nicht. Reid liefert die ätherischen Gesangsmelodien, doch auch Fraser hat diesen zarten Schmelz, den man eher bei britischen Popproduktionen aus den Achtzigern erwarten würde. Damit der Sound nicht etwa ins Kitschige kippt, wird das Ganze jedoch aufs Wunderbarste konterkariert mit Lo-Fi-Ästhetik, rumpeligen Rhythmen und kratzigen Gitarren.
Witch Post – das neue heiße Ding?
Bereits der Opener „Changeling“ setzt den Ton perfekt. Ein klassischer 2,5-Minuten-Rocker, der sich blitzschnell in die Gehörgänge fräst. Tolle Melodie, knalliges Schlagzeug, schöner zweistimmiger Gesang. Nach 2,5 Minuten ist abrupt Schluss, keine Kompromisse, und man bekommt schon eine Ahnung, warum zahlreiche Blogs die Band als neues heißes Ding auf dem Radar haben.
Das dunkle „Worry Angel“ drückt auf alle „Jetzt bitte Mitwippen“-Knöpfe, „Witching Hour“ hebt ab und feiert jugendliche Sehnsucht, und wenn „Twin Fawn“ eine ebenso bissige wie herzerweichende Sologitarre über den Refrain legt, wünscht man sich, dass das nie mehr zu Ende geht. Apropos wünschen: Ein bisschen mehr Power, ein bisschen mehr Distortionpedal würde man sich bei dem ein oder anderen Song vielleicht wünschen. Aber dazu sind Witch Post irgendwie viel zu cool. So cool, dass man den Eindruck hat, sie nähmen beim Musizieren nicht einmal die Hände aus den Taschen.
Slacker-Rock mit 90er-Vibe
Bei „Tilt-A-Whirl“ lösen die beiden am Ende des Songs dann doch mal alle Bremsen und servieren einen herrlich chaotischen Lärmorkan. Und mit „Something To Give“ endet die EP ähnlich wie sie beginnt, mit einem 2-Minuten-in-die-Fresse-Rocker par excellence.
Wer den Slacker-Rock von MJ Lenderman oder Oso Oso mag, wer sich nach den seligen Zeiten zurücksehnt, als Grunge alles beherrschte, der darf sich freuen, dass hier eine neue Band am gar nicht mehr so entfernten Horizont erscheint, die die Fähigkeit hat, den Staub von so manchen Verstärkern zu pusten, die viel zu lange in irgendwelchen Proberaumecken standen. Wir freuen uns auf mehr.
Die EP „Butterfly“ von Witch Post erscheint am 20.03.2026 bei Partisan Records. (Beitragsbild von Parker Love Bowlings)




