Wir müssen hier raus – Eine Hommage an Ton Steine Scherben und Rio Reiser

Wir müssen hier raus – Eine Hommage an Ton Steine Scherben und Rio Reiser

Große Bands aus Deutschland ziehen auf einer durch und durch würdigen Compilation den Hut vor Rio Reiser

2020 wäre sein Jahr geworden: Rio Reiser hätte seinen 70. Geburtstag gefeiert und Ton Steine Scherben ihr 50. Jubiläum. Man hätte ihn hofiert, gewürdigt und sich tief vor ihm verneigt. Noch einmal wäre klar geworden, wie stark der den Rock’n’Roll in Deutschland geprägt hat.

Das Vermächtnis des Rio Reiser

Doch Rio Reiser starb 1996. Und mit ihm ging etwas verloren, das sich in keiner anderen Musikerpersönlichkeit hierzulande seither so intensiv gezeigt hat: Reiser war Romantiker und Kämpfer, Aufklärer und Utopist, Hippie und Punker. Er konnte aus Worten Waffen machen und aus Emotionen Tatsachen. Seine Strahlkraft ist bis heute ungebremst. Das zeigt auch die nun vorliegende Compilation „Wir müssen hier raus“, auf der unter anderem Die Sterne, Bosse, Jan Delay, Fettes Brot, Fehlfarben, Die Höchste Eisenbahn, Wir sind Helden, Beatsteaks und Slime vertreten sind. Die Beiträge sind nicht alle neu, sondern stammen teilweise aus bekannten Veröffentlichungen. Jan Delays „Für Immer und Dich“ zum Beispiel ist bereits seit Mercedes-Dance-Tagen bekannt.

Starke Neuinterpretationen

Wir müssen hier raus Eine Hommage an Ton Steine Scherben und Rio Reiser Cover Unter Schafen Records

Die hier versammelten Interpretation von Scherben- und Rio-Songs fallen sehr unterschiedlich aus. Die Sterne widmen sich „Wenn die Nacht am tiefsten ist“ und geben ihm trotz aller Bissigkeit eine Portion Pop-Appeal, die dem Stück gut zu Gesicht steht. Positiv heraus sticht auch „Jenseits von Eden“ der Hamburger Newcomer Erregung Öffentlicher Erregung. Ihre Version bringt den Druck und die Freshness des Originals ins Hier und Heute. Toll sind sind auch das druckvolle „S.N.A.F.T.“ von Beatsteaks sowie Slimes ungemein energetisches „Ich will nicht werden“. Gisbert zu Knyphausens macht seine Sache auf „Straße“ ebenfalls gut. Und Lina Malys mit Akustikgitarre und Kontrabass eingespielte Darbietung von „Zauberland“ ist der heimliche Star dieser Platte.

Rio am Piano

Nicht alles überzeugt auf selbem Niveau. Bosses Version von „Warum geht es mir so dreckig?“ rockt zwar reichlich, büßt aber an Glaubwürdigkeit ein. Auch „Schritt für Schritt ins Paradies“ von Die Höchste Eisenbahn ist im neuen Arrangement geschmeidig, verfehlt aber die Absicht des Originals. Doch um Wettbewerb geht es hier nicht. Es geht um die Würdigung eines Helden, dessen Musik bis heute kein bißchen gealtert ist, dessen Relevanz eher zu- als abnimmt. Rio Reiser selbst beschließt das Album mit einer Piano-Version von „Der Krieg“. Was sollte danach auch noch kommen?

„Wir müssen hier raus“ erscheint am 20.11.2020 bei Unter Schafen. (Beitragsbild: Albumcover)

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