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18. Juni 2022Ein Wilco-Fest in Frankfurt: Zwei Stunden virtuose Rockmusik der Chicagoer Band in der ehrwürdigen Alten Oper
Die ersten Standing Ovations gab es bereits nach dem ersten Song. Der „Summerteeth“-Klassiker „A Shot In The Arm“ riss zahlreiche Fans von ihren Sitzen und war der Auftakt zu einem brillanten Wilco-Konzert mit einer von vergleichsweise progessiv geprägten Songs ausgerichteten Setlist. Bevor die Chicagoer Rockband am 16.06.2022 vor einem leider nicht ganz so vollen Saal wie vor zehn Jahren an gleicher Stelle die Bühne der Alten Oper betrat, goutierte das Frankfurter Publikum die Musik der im Vorprogramm aufgetretenen irischen Musikerin Aiofe Nessa Frances, die schon vor zwei Monaten in Hamburg als Support von The Weather Station positiv auffiel (Sounds & Books berichtete), verdientermaßen mit gebührenden Applaus.
Wilco: Eine verschworene Gemeinschaft
Das Wilco-Konzert, das zweite von lediglich zwei nach Köln am 14.06., bestand aus zehn Songs des neuen, von uns bereits besprochenen, aber leider noch nur digital veröffentlichten Albums „Cruel Country“ und dreizehn Highlights einer nun schon 28 Jahre währenden Karriere. Aus ihrem zwölften und aktuellen Longplayer kristallisierte sich live das mit seiner spacig-entrückten Schönheit punktende „Bird Witout A Tail / Base Of My Skull“ als potentiell nicht mehr wegzudenkender Teil weiterer Wilco-Konzerte in den nächsten Jahren. Ähnliches wünscht man dem verträumten „Tired Of Taking It Out On You“ und dem fast unscheinbaren, aber liebevoll arrangierten und sehnsüchtigen „Hints“.
Sänger und Gitarrist Jeff Tweedy, der wie üblich nur zaghaft den Fan-Kontakt suchte und sich dabei auf ein zwei Jokes beschränkte, Gitarrist Nels Cline, Bassist John Stirratt, Keyboarder Mikael Jorgensen, Keyboarder und Gitarrist Pat Sansone sowie Drummer Glenn Kotche sind in dieser Besetzung seit fast zwanzig Jahren eine verschworene Gemeinschft und obwohl jeder einzelne an seinen Instrumenten zu glänzen weiß, hat man bei einem Live-Auftritt nie das Gefühl der individuellen Profilierung.
Rocksongs wie von einem anderen Stern
Natürlich setzte Nels Cline mit seinem zum Darniederknien phantastischen Solo bei „Impossible Germany“ überragende Akzente. Ein Solo, das eigentlich ein Stunde dauern sollte, langweilig würde es einem dabei nie. Und als Glenn Kotche in den Brachialmomenten von „Via Chicago“ – in Frankfurt als letzter Song vor den Zugaben mit einem „Many Worlds“-Outro gespielt – auf seine Felle eindrischte, erinnerte sein Wirbelwindschlagzeugeinsatz an den seligen Keith Moon. An Wilco stimmte an diesem Abend mal wieder alles. Timing, virtuose inidviduelle Klasse, konzentrierte Manschaftsleistung und die Auswahl glorreicher Songs.
Die Schwergewichte von „Yankee Hotel Foxtrott“, „Trying To Break Your Heart“ und „War On War“, das hypnotisierend-groovige „Handshake Drugs“ sowie das superbe und mit Teweedy als Gitarrenhelden glänzende „At Least That’s What You Said“ sind monolithische Rocksongs wie von einem anderen Stern. Rocksongs mit Rafinesse zwischen Prog und Pop, die zu wiederholten entusiastischen Standing Ovations von Seiten der Fans führten. Und auf diesem Niveau kann Wilco niemand sonst hier das Wasser reichen.
Die Wilco-Zugaben
Im Zugabenblock folgten u.a. das zauberhafte „Jesus, Etc.“, der schönste von allen mit Bily Bragg eingespielten Woody-Guthrie-„Mermaid-Avenue“-Songs, „California Stars“ – inklusive eines Banjo-Solos von Pat Sansone – und das impulsive „The Late Greats“ als Konzertabschluss. Zufriedener kann man ein Rockkonzert nicht verlassen. Hoffentlich vergehen nicht weitere drei Jahre (zuletzt 2019 in der Hamburger Elbphilharmonie) bis zur nächsten Tour mit atemberaubenden Wilco-Auftritten.

















