
Courtney Marie Andrews: Valentine
14. Januar 2026
Foy Vance: Hi, I’m The Preachers Son
15. Januar 2026Das Musikjahr 2025 ist seit einigen Tagen vorbei, und es tröpfelt noch etwas bei den Neuerscheinungen 2026. Aber nicht mehr lange. Eine Vorschau auf die mit besonderer Spannung erwarteten terminierten Alben – und einige begründete Spekulationen.
von Werner Herpell
Bilanz-Rückschau war gestern – jetzt (Stand: 14.01.2026) richtet sich der Blick nach vorn, auf die kommenden Musik-Highlights des Jahres 2026. Hier eine durchaus subjektive Liste mit bereits fest terminierten Alben, auf die wir von Sounds & Books uns freuen – oder auf die wir, glaubt man den VÖ-Gerüchten und begründeten Spekulationen, zumindest hoffen dürfen.
Mit VÖ-Termin angekündigt
Lucinda Williams (23.01.)
Die große Dame des US-Country-Rock ist so richtig wütend über den kaputten Zustand ihres Landes – und das hört man in den bluesigen, souligen, funky und hart rockenden Songs von „World’s Gone Wrong“. Protest at its best – auf Williams‘ stärkstem Album seit „Car Wheels On A Gravel Road“.
Van Morrison (23.01.)
Nein, ein Nachklapp zum prächtigen Alterswerk „Remembering Now“, das sich in vielen Jahresbestenlisten 2025 wiederfand, ist die Neue von Van The Man nicht. „Somebody Tried Me To Sell A Bridge“ wird als Rückkehr zu den Blues-Klassikern angekündigt. Trotzdem toll, bei dieser Stimme.
The Damned (23.01.)
Die Punk-Pioniere um Captain Sensible und Dave Vanian gibt’s nach 50 Jahren immer noch, auch wenn ihr musikalischer Output seltener und ruhiger geworden ist. „Not Like Everybody Else“ ist ein bunt gemischtes Sixties-Rock-Coveralbum zu Ehren des im Vorjahr gestorbenen Band-Gründers Brian James.
Robbie Williams (06.02.)
Eine Zeitlang lieferte der Ex-Take That-Sänger die kommerziellste, massenkompatibelste Form von Britpop. Man konnte ihm dafür nie böse sein, weil besonders die Songs mit Guy Chambers klasse waren. Ob Robbie mit seinem mutig „Britpop“ betitelten Studioalbum dort anknüpft?
Jill Scott (13.02.)
Sie spielte qualitativ in einer Liga mit Neo-Soul-Stars wie Erykah Badu oder Angie Stone, aber dann wurde es still um diese fabelhafte R&B-Sängerin. Erste Auskoppelungen versprechen nun ein triumphales Scott-Comeback mit den zeitlosen wie modernen Songs von „To Whom This May Concern“.
Mumford & Sons (20.02.)
Die englischen Stadion-Folkrocker hatten zuletzt Image-Probleme, für manche Kritiker ließen gar Coldplay grüßen – aber sympathisch sind die Mumfords halt doch. Mit dem von Aaron Dessner (The National) produzierten Werk „Prizefighter“ wollen sie „persönlich, spontan und unmittelbar“ klingen.
Bill Callahan (27.02.)
Der früher oft grummelig wirkende Eigenbrötler des US-Indie-Folkrock ist zwar seit einigen 59 Jahre alt, seine neue Platte heißt jedoch „My Days Of 58“. Zuletzt war Callahan ja familiär bedingt milder geworden, die zwölf aktuellen Songs sollen indes „die Energie seiner Live-Shows einfangen“.
Iron & Wine (27.02.)
Die 2024er Vorgängerplatte „Light Verse“ gehörte zu den schönsten des Jahres, die dazugehörige Tour von Sam Beam und seiner weiblich besetzten Band beglückte kaum weniger. Da hängt die Messlatte hoch für „Hen’s Teeth“, das als „eine Art Geschwisteralbum“ beworben wird.
Gorillaz (27.02.)
Nach dem monumentalen Blur-Comeback von 2024 ließ es der unermüdliche Damon Albarn im vorigen Jahr etwas ruhiger angehen. Um nun mit „The Mountain“, einem weiteren stargespickten Album seiner weltweit populären „Zweitband“ Gorillaz, gut erholt wieder durchzustarten.
The Wave Pictures (27.02.)
Das Schaffen der englischen Indie-Rocker um David Tattersall sehen manche als genialen Dilettantismus, andere lassen das D-Wort einfach weg. Jedenfalls haben sich The Wave Pictures seit 1998 eine treue Fangemeinde erspielt, die sich auf „Gained/Lost“ wieder freut „wie Bolle“.
Dirk Darmstaedter (06.03.)
Wenige deutsche Pop-Songwriter halten seit 40 Jahren ihr Qualitätslevel so hoch wie der musikhistorisch enorm belesene Frontmann von The Jeremy Days und Me And Cassity. Mit „The Sound My Mind Makes“ legt Darmstaedter (Achtung: Spoiler!) seine vielleicht beste Solo-Platte vor.
Squeeze (06.03.)
Geschrieben von den Squeeze-Masterminds Chris Difford /Glenn Tilbrook, als sie 19 beziehungsweise 16 waren, ist „Trixies“ ein erst Jahrzehnte später realisiertes Konzeptalbum, das „jugendliche Brillanz mit gereifter Kunstfertigkeit“ vereinen soll. Und eines der Comebacks des Jahres vermutlich.
The Delines (06.03.)
Mit ihrem bisher tollsten Album „Mr. Luck & Ms. Doom“ verzauberten Amy Boone, Willy Vlautin & Co. 2025 nicht nur langjährige Fans dieses prachtvollen Americana-Soul-Jazz-Sounds. Der Nachfolger des Kritikerlieblings heißt „The Set Up“ – und bestätigt die Klasse der sympathischen US-Band.
The Notwist (13.03.)
So prägend wie die Greenwood-Brüder für Radiohead sind Markus und Micha Acher für ihr international hoch angesehenes Bandprojekt The Notwist. Auch musikalisch gibt’s durchaus Parallelen bei der raffinierten Mixtur aus Elektronik und Gitarrenpop auf „News From Planet Zombie“.
Haircut 100 (20.03.)
Die Rückkehr einer Blue-Eyed-Soul-Band der frühen 80er, auf die die Pop-Welt zwar nicht unbedingt gewartet hat, sich aber nun freuen darf. „Boxing The Compass“ vereint Haircut 100 mit ihrem ewig jungen Sänger Nick Heyward, der bereits eine respektable Solo-Karriere hinter sich hat.
Nubiyan Twist (20.03.)
Die quirlige Londoner Nu-Jazz-Szene liefert Jahr für Jahr frische Bands, die auch Soul, Reggae, Electro und Afrobeat in ihren tanzbaren Sound mischen. Zu den besten gehören Nubiyan Twist, deren groovige Vorab-Single „Azimuth“ für das nächste Album „Chasing Shadows“ einiges erwarten lässt.
Butler Blake & Grant (27.03.)
Die Supergroup des englisch-schottischen Indie-Folkpop meldet sich schon ein Jahr nach dem gefeierten selbstbetitelten Debüt zurück. Auf „Murmurs“ widmen sich Bernard Butler (ex-Suede), Norman Blake (Teenage Fanclub) und James Grant (Love & Money) Songs aus ihren Katalogen.
Nina Hagen (27.03.)
Runde 70 ist unsere liebste Nina inzwischen – und doch kaum weniger schrill als früher. Statt Punk oder Deutsch-Rock macht sie auf dem herrlich schräg betitelten „Highway To Heaven“ jetzt (zum zweiten Mal in ihrer langen Karriere nach „Personal Jesus“) Gospel-Pop, natürlich in Hagen-Manier.
The Twilight Sad (27.03.)
Robert Smith von The Cure ist seit langem Fan – kein Wunder beim behaglich dunklen Shoegaze/Postpunk-Sound der Schotten. Die Ankündigung von „It’s The Long Goodbye“ löste Eruptionen der Vorfreude im Düster-Rock-Lager aus. Und wer spielt mit auf der Platte? Robert Smith.
José González (27.03.)
Der sanfte Singer-Songwriter und brillante Akustikgitarrist hat sich Zeit gelassen für „Against The Dying Of The Light“ – und dem Vernehmen nach sein stilistisches Spektrum erweitert. Beatles, Paul Simon und Joao Gilberto bleiben aber Bezugspunkte für den schwedischen Folkie González.
The Bluebells (27.03.)
Unter den vielen Comebacks schottischer Musiker in den vergangenen Jahren war das von The Bluebells eines der unerwartetsten. Nach „In The 21st Century“ (2023) liefern Robert Hodgens aka Bobby Bluebell und seine Glasgow-Buddys nun sogar ein Doppelalbum. Young at heart!
Joe Pernice (03.04.)
Mit den Scud Mountain Boys und The Pernice Brothers wandelte dieser superbe US-Singer-Songwriter in den 90er- und Nuller-Jahren zwischen Country-Rock und Chamber-Pop. Sein starker Solo-Neustart mit „Sunny, I Was Wrong“ wird von Gästen wie Aimee Mann und Jimmy Webb unterstützt.
Arlo Parks (03.04.)
Die Britin Anaïs Oluwatoyin Estelle Marinho aka Arlo Parks hat schon viele Auszeichnungen eingeheimst und es sich mit ihrem Neo-Soul-Sound doch nicht allzu gemütlich gemacht. „Ambiguous Desire“ soll die 25-Jährige nun „von ihrer selbstbewusstesten und experimentellsten Seite“ zeigen.
Joe Jackson (10.04.)
„Hope And Fury“ ist schon mal ein vielversprechender Albumtitel, der an Großwerke des englischen Sophisticated-Pop-Pioniers erinnert (siehe „Night And Day“, „Body And Soul“, „Laughter & Lust“, „Heaven And Hell“). Jazz, Rock und Funk sind auch wieder drin im Joe-Jackson-Mix. Gut so.
Tori Amos (01.05.)
Beim Klassik-Label Deutsche Grammophon erscheint „In Times Of Dragons“, das 18. Album in Amos‘ langer Karriere. Auf dem Nachfolger von „Ocean To Ocean“ will sich die Pianistin und Sängerin „metaphorisch mit dem Kampf zwischen Demokratie und Tyrannei auseinandersetzen“. Passt ja.
Interessante Veröffentlichungen ohne VÖ-Termin (alphabetisch)
The Bathers
Ein Nachfolger des auch bei Sounds & Books bejubelten 2023er Comeback-Meisterwerks „Sirenesque“ von Chris Thomson und seiner erzromantischen Glasgower Orchestral-Pop-Band steht beim (Wieder-)Entdecker-Label Last Night From Glasgow (LNFG) für 2026 in den Startlöchern.
Lana Del Rey
Der zehnte Longplayer der gefeierten Retro-Pop-Sängerin ist schon so lange angekündigt – daher wollen wir uns hier lieber noch nicht festlegen, dass er wirklich in diesem Januar erscheint. Nach letzten Infos wird das Lana-Album nun „Stove“ heißen und country-esk klingen.
Peter Gabriel
Mit einer Überraschungs-Single kündigte die Artrock-Legende kürzlich ein neues Album an. „o/i“ folgt auf „i/o“, dessen Tracks über zwölf Monate häppchenweise in verschiedenen Mixes herauskamen, erst Ende 2023 gab’s das Gesamtergebnis. Ähnlich soll es auch jetzt wieder laufen.
Sondre Lerche
Der norwegische Prefab-Sprout-Verehrer ist längst selbst ein Top-Komponist, dessen Songwriting mit Paul Simon, Paddy McAloon und Conor O’Brien (Villagers) verglichen wird. Eine neue 3-Track-EP lässt viel erhoffen für das Nachfolge-Album zum meisterlichen „Avatars Of Love“ (2022).
Trashcan Sinatras
Und noch ein schottischer Indie-Act, über dessen baldige Wiederbelebung bei Sounds & Books erhebliche Vorfreude ausbricht. Die Mülleimer-Sinatras aus der Nähe von Glasgow verantworten immerhin einige der schönsten, schwelgerischsten Scot-Pop-Alben der 90er/Nuller-Jahre.
Nichts Genaues weiß man (noch) nicht
Madonna
Eine wohl letzte Tournee – aber auch ein letztes Album der Club-Pop-Ikone? Madonna (67) veröffentlicht dieses Jahr ziemlich sicher die Fortsetzung ihres Disco-Klassikers „Confessions On A Dance Floor“, wieder soll der Produzent Stuart Price helfen, „Unerwartetes“ zu wagen.
Paul McCartney
Es sind wohl mehr als nur Spekulationen, dass „Sir Paul“ ein weiteres Soloalbum rausbringt (sein erstes seit dem grandiosen Alterswerk „McCartney III“ von 2020). Der Beatles-Mastermind soll seit dem Vorjahr „intensiv“ im Studio arbeiten, und zwar mit dem Erfolgsproduzenten Andrew Watt.
The Rolling Stones
Andrew Watt half auch maßgeblich beim starken Stones-Album „Hackney Diamonds“ (2023) mit. Nun werkeln Mick Jagger, Keith Richards und die Band wohl an einem neuen Album für 2026, wie Gitarrist Ronnie Wood bestätigte. Eine Europa-Tour der Veteranen wurde allerdings abgesagt.
Bruce Springsteen
Nachdem uns der „Boss“ mit seiner großen Band-Tournee und diversen Archiv-Veröffentlichungen zuletzt so verwöhnt hatte, hofft die Springsteen-Fangemeinde nun auf eine weitere frische Solo-Platte des Meisters (gern auch mehr als „nur“ die avisierten Soul-Cover Teil 2).
Wilco
Kein Jahresausblick ohne eine unser aller Lieblingsbands. Es gibt zwar keine konkreten Pläne für einen „Cousin“-Nachfolger, zumal Wilco-Boss Jeff Tweedy noch solo unterwegs ist. Der Fleiß und die Kreativität dieser sechs Musiker lassen ein neues Album aber zumindest möglich erscheinen.
(Beitragsbild: Lucinda Williams, Credit: Mark Seliger)




