Warpaint live in Hamburg 2022 – Konzertreview

Warpaint live in Hamburg 2022 – Konzertreview

Immer noch cool: Das amerikanische Damen-Indie-Quartett Warpaint spielt beim Hamburg-Konzert in der Fabrik 80 intensive Minuten

„Wenn wir an einen Ort gelangten, an dem wir uns immer vertrauen, könnten wie mehr Musik machen als bisher“, sagt Theresa Wayman in der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone. Vielleicht sollten Warpaint ab sofort einfach noch wesentlich häufiger Konzerte spielen als noch vor der Pandemie. Jedenfalls scheint die Bühne der Hamburger Fabrik am 22.05.2022 genau der richtige Ort, um das Gemeinschaftsgefühl der vier Damen zu stärken. Vielleicht ist aber die Phase, in der Warpaint vor der Auflösung gestanden haben sollen, wie es im selben RS-Beitrag anklingt, längst ad acta gelegt. Es gibt sogar Küsschen zwischen Jenny Lee Lindberg und Emily Kokal und auch sonst scheint die Stimmung zwischen den Damen gar prächtig zu sein.

Der passende Song zum Licht als Opener

In den leider nur 80 Minuten ihres Hamburg-Gigs tauchen die Sängerinnen und Gitarristinnen Theresa Wayman und Emily Kokal, Bassistin Jenny Lee Lindberg und Schlagzeugerin Stella Mozgawa (beide auch Backing Vocals) in ihre von Dreampop, Psychedelic-Rock, Shoegaze und New Wave inspirierte Indie-Pop-Welt und verkörpern den Indie-Chic mit ihrem ganzen Auftreten. Das Quartett aus Los Angeles betritt nach dem beherzten Support-Act des Psychedelic-Alternative-Rock-Trios Low Hum um 21.10 Uhr die Bühne, um ihre beschwörend-hypnotische Musik in einen perfekten Live-Sound zu überführen. Düster und diffus sind zu Beginn nicht nur die Lichtverhältnisse auf der Bühne. Mit dem verhuscht-verwunschenen „Stars“ haben Warpaint den passenden Song zum Licht und katapultieren sich an den Anfang ihrer Karriere Ende der Nuller-Jahre. Es folgt ein Querschnitt aus allen Karriere-Phasen mit Songs aus dem aktuellen Album „Radiate Like This“ und dem selbstbetitelten zweiten Werk von 2014 im Mittelpunkt.

Warpaint sind immer noch cool

Die neuen Songs „Champion“, „Stevie“ und auch „Send Nudes“ als letzte Zugabe verströmen eine sehr lässige Westcoast-Gemütlichkeit, während „Hips“ die immer noch in Warpaint vorhandene polyrhythmische Vertracktheit aufzeigt und man sich zu „Hard To Tell You“ einfach mal mit offenen Augen in andere Sphären beamen kann. Seine Spannung erfährt das Konzert, wenn die Frontfrauen Kokal (bei „Hard To Tell You“) und Wyman (bei „Love Is To Die“) ihre Gitarren zur Seite legen, sich ganz auf ihren Gesang konzentrieren und ihre Performance tänzelnd Ausdruck verleihen.

Für eine zarte Halb-A-Capella-Version von „Melting“ treten Lindberg und Mozgawa von ihrem Podest herunter und versammeln sich mit ihren Kolleginnen vor deren Mikros. Und kaum hat mich versehen, tanzt man schon zu „New Song“ und „Disco“, den finalen Tracks vor dem Zugabenblock, der vom epischen wie radikalen „Beetles“ bestimmt wird. Warpaint finden nach eigenen Angaben die Fabrik als Location „cool“, und wir finden Warpaint immer noch cool. Und eine ähnliche Magie wie beim letzten Hamburger Club-Gig 2014 im Gruenspan erzeugen sie ebenfalls immer noch. Tolle Musik, klasse Band.  

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