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Text und Fotos von Joaquin Alaaddin Avciogullari
Vom 30.07. bis 02.08.205 verwandelte sich das kleine beschauliche Dorf in Schleswig-Holstein wieder in das Metal-Mekka, zu dem gut 80.000 Metalfans aus aller Welt anreisten, um die 34. Ausgabe des Wacken Open Air zu feiern. Anders als im trocken verbliebenen Vorjahr, bei dem es nur einen kurzen Schauer am Ende gab (Sounds & Books berichtete), erlebten die Besucher dieses Jahr einen sehr wechselhaften Einstieg sowie eine schwierige Wetterlage während der gesamten Festivalwoche, wodurch sich durchaus gemischte Stimmungen feststellen ließen. Dennoch hinderte dies die Besucher nicht daran, in alter Manier ihre iebste Musik in großem Stile zu zelebrieren.
Die Helden von Wacken
Mitbegründer Thomas Jensen nannte im Vergleich zu 2023, wo jene die Helden waren, die aufgrund der Wetterlage von einer Anreise absahen, dieses Jahr diejenigen als Helden, die sich trotz des katastrophalen Wetters nicht vom Feiern abhalten ließen. Bevor es am Mittwoch offiziell und mit der Öffnung des Infields losging, erfreuten die Besucher sich bereits an kleineren Tätigkeiten wie Bier-Rodeo-Reiten, Bierpong, den üblichen Wasteland-Vorstellungen sowie einem Aufenthalt im World Metal Camp. Dort konnten die Besucher in unterschiedlichen Diziplinen wie Karaoke, Headbanging, Luftgitarre oder Screaming gegeneinander antreten.
The Four Horsemen of the Apocalyptica
Es ist allgemein bekannt, dass die Metallegende Metallica zu einer der wenigen Größen gehört, die noch nicht ihr Debüt auf dem Holy Ground gefeiert hatten. Über die Gründe kann weiterhin nur spekuliert werden. Dennoch gab es einen energiegeladenen Trost mit den finnischen Cellisten von Apocalyptica, die mit einem umfangreichen Metallica-Set das Publikum mächtig in Stimmung versetzen konnten. Auch der Gastauftritt von Tina Guo während Seek & Destroy konnte die Stimmung weiter bestärken. Letztere erfreut sich in den letzten Jahren an steigenden Wacken-Auftritten und Beliebtheit.
Ozzy Forever
Die diesjährige Ausgabe kam selbstverständlich nicht drum, in unterschiedlichen Ausführungen dem am 22.07. verstorbenen Godfather of Heavy Metal, Ozzy Osbourne zu gedenken. Vielerorts ließen sich Osbourne-&-Black-Sabbath-Klassiker bei Karaoke-Einlagen oder auf den Zeltplätzen hören. Am neuen Ebay-Recyclingstand ließen Fans sich in großer Zahl auf dem Throne of Parts ablichten, eine emotionale Drohnenshow wurde abgehalten und so manche Bands mischten Coversongs in ihre Sets unter. Was man sich nicht entgehen lassen durfte war vor allem der Auftritt der gefragten Coverband Ozzyfied, dessen
musikalisches Können sowie die Stimme und Bühnenpräsenz des Frontmanns Henning Wanner für einen überaus emotionalen Abend mit echtem Osbourne/Sabbath Gefühl sorgen konnte.
Aufgrund der emotionalen Schwere und aus Respekt gegenüber Osbourne wurde auf die Ballade „Mama, I’m Coming Home“ verzichtet und den Fans stattdessen mit dem ebenso beliebten Klassiker „Dreamer“ gedient. Und auch wenn der Titel „No More Tears“ anderes vermuten lässt, so wurden im Publikum sowie vom Himmel doch noch so manche Tränen vergossen. Die Woche zeigte auf jeden Fall, dass Ozzy Osbourne allen noch lange in Erinnerung und im Herzen bleiben wird.
Eine Priese Oldschool beim Wacken Open Air
Auch für Anhänger der alten Schule hatte das Wacken Open Air dieses Jahr wieder einiges im Programm. Im Wackener Landgasthof liess man alte Klassiker mit Bands Cover-Bands wie Just For Priest, Bon Scott, Ozzyfied oder SLAYEnsemble wieder aufleben. Der Holy Ground indessen lieferte ein großes Bühnenprogramm mit Michael Schenker (UFO & Scorpions), der die Fans zudem mit einem Gastauftritt von Slash überraschte, Gravedigger, die Schweizer von Krokus, welche dieses Jahr ihr 50. Bühnenjubiläum feiern und als Ersatz für die britischen Schwermetaller Saxon eingesprungen sind, und zu guter Letzt niemand geringerem als dem deutschen Metal-Urgestein und ehemaligen Sänger von Accept, Udo Dirkschneider. Letzterer präsentierte mit seiner „Balls To The Wall“-Show das gleichnamige legendäre Accept-Album in voller Länge, begleitet von einem Gastauftritt der Metal-Queen Doro Pesch während „Winterdreams“.
Aber auch andere Klassiker wie „Fast As A Shark“ und „Midnight Mover“ durften dabei nicht fehlen. Mit dem Titel „Burning“ konnte zum Abschluss noch mal eine feurige energiegeladene Stimmung erzeugt werden, welche auch das nächste Unwetter noch für eine Weile zurückhielt.
Metal in allen Farben in Wacken
Das diesjährige Lineup hatte wieder eine breite Palette verschiedenster Richtungen für jeden Geschmack dabei. Vom Symphonischen mit Within Temptation oder Floor Jansen (Nightwisch), über Nu und Alternative mit Papa Roach und Machine Head, bis hin zum düsteren Black Metal mit den skandinavischen Dimmu Borgir und Dark Funeral kam jeder auf seine Kosten. Mit Bands wie Warbringer, Decapitated und Destruction konnte Thrash und Death Metal in seiner reinsten Form gefeiert werden. Vor allem Decapitated konnten auch nach einem Wechsel des Frontmanns im vergangenen Jahr weiterhin sehr überzeugen. Ein wenig verwunderlich war es allerdings, dass man während des Songs „Iconoclast“ einen kurzen Gastauftritt des Machine Head Frontmanns Robb Flynn vermisste, der seine Stimme auf der Studioversion beisteuerte.
Da er mit Machine Head am selben Tag nur zwei Bühnen weiter auftrat, hatte man sich eine kleine Hoffnung bewahrt, zumal Gastauftritte während Festivals keine Seltenheit sind. Vor allem auch die französischen Umweltaktivisten und aufsteigenden Stars von Gojira wussten am letzten Festivaltag genau, noch mal für mächtige Stimmung zu sorgen. Zuletzt breitere Bekanntheit erlangten sie wohl durch ihren Auftritt während der Eröffnung der Olympischen Spiele 2024 in Paris, wo sie zudem als erste Metalband auftraten. Ihrem aufgeführten Stück „Mea Culpa“, einer Neuinterpretation des französischen Revolutionsliedes durfte auch auf dem Holy Ground unter hoher Begeisterung und Begleitung der Opernsängerin Marina Viotti gelauscht werden.
Der Mann mit der Mütze
Anders als es der Titel vermuten lassen mag, handelt es sich hierbei nicht um das dem Fußball Bundestrainer Helmut Schön gewidmete Lied von Udo Jürgens, sondern um Torsten Sträter, Deutschlands liebsten Ruhrpott-Komiker und Sprachjongleur, der mit seinem charakteristisch staubtrockenen und improvisierten Humor und gekonnt spontaner Publikumseinbeziehung für jede Menge Lacher und Tränen sorgte, die einen die vielen wetterbedingten Unannehmlichkeiten vergessen ließen.
Guns N` Solos oder Guns viel Kritik
Einen der Höhepunkte des Wacken Open Air 2025 bildete zweifelsohne die Rocklegende Guns N‘ Roses, die mit ihrem Auftritt sowohl das Ende ihrer Europatour einleiteten und gleichzeitig ihr Wackendebüt feierten. Ihr Auftritt musste sich jedoch bereits im Vorfeld gegen sehr viel Skepsis und Kritik behaupten. Diese beruht hauptsächlich auf den seit Jahren bekannten Problemen mit der Stimme von Frontmann Axl Rose, dessen Gesangsqualität die letzten Jahre nahezu durchgehend scharf kritisiert wurde.
Auch die Ankündigung eines 3,5 Stunden langen Sets sorgte für Skepsis und Spekulation, etwa dass eine Vorband mit inbegriffen ist, lange Pausen eingelegt werden, oder es sich lediglich um einen zeitlichen Puffer im Falle extremer Unwetter handelt. Tatsächlich lieferten Guns N‘ Roses dann aber doch ein Set in Überlänge ab, das gleichzeitig einen neuen Rekord innerhalb Wackens aufstellte, was die Dauer eines einzelnen Konzerts angeht. Von den großen Hits, über eher unbekanntere Songs bis hin zu zwei Ozzy-Tributen war alles mit dabei.
Axl Rose gibt sein Bestes
Axl Rose wurde dabei nicht nur gesanglich durch eine Menge Hintergrundgesang unterstützt, auch legte er den Fokus mehr auf tiefere Stimmlagen, die ihm erkennbar leichter fielen als die Höhen, welche oft vom Lautstärkepegel herrunterreguliert wurden. Auch entstand der schmale Verdacht, dass viele Songs durch zusätzliche oder in die Länge gezogene Solos gestreckt wurden, um Axl mehr Zeit zum Erholen seiner Stimme zu geben. Dennoch kann man sagen, dass es ein sehr gelungenes Konzert war und Rose sich entgegen der jahrelangen Skepsis und Kritik durchaus behaupten konnte und weitaus überzeugender war, als auf so manchen Aufnahmen aus der Vergangenheit.
Auch wenn die Stimmen im Netz nach dem Konzert sehr weit auseinander gingen und teils stark negativ ausfielen, so war es trotzdem ein besonderes Konzert, das deutlich machte, dass Axl Rose sein Bestes gab, um eine großartige Show abzuliefern, was sicherlich auch viele der Besucher unterschreiben können. Mit „Nighttrain“ steuerte der Abend dann dem Ende entgegen, bevor er schließlich mit „Paradise City“ abgeschlossen wurde.
Das Wacken-Fazit
Die diesjährige Ausgabe brachte definitiv manche Probleme mit sich, die vor allem der Wetterlage geschuldet waren und etwas auf die Gemüter drückten. Aber auch das Lineup konnte in Sachen Begeisterung bei vielen dieses Jahr nicht unbedingt an die Vorjahre anknüpfen. Dies alles änderte aber nichts daran, dass die tausenden Besucher einmal mehr zeigten, wie es solch ein Festival richtig zu feiern gilt. Und mit Hinblick auf die 35. Ausgabe in 2026 dürften die Besucher sich aufgrund der ersten Bandwelle bereits jetzt sehr freuen, wenn Headliner wie In Flames, Sepultura, Def Leppard, Lamb Of God, Airbourne, Powerwolf oder Running Wild das kleine Dorf einmal mehr in die legendäre Metalmesse
verwandeln werden.
Bis dahin heißt es wie immer: See you in Wacken – Rain or Shine !




















































