„The Collection“ zeigt den beeindruckenden Output der Band Ultravox, die immer schon mehr war als nur ihre übergroßen Hits
von Sebastian Meißner
Ultravox hätten allein durch ihre großen Hits einen festen Platz in der Pop-Geschichte. Doch erst ein Blick in die zweite Reihe ihrer Songs offenbart den wahren Wert dieser britischen Ausnahmeband. Die Neuauflage von „The Collection“, einer umfassend erweiterten und klanglich überarbeiteten Werkschau, macht genau das sichtbar: den Reichtum eines Œuvres, das weit über die ikonischen Singles hinausreicht.
Elektronik und Emotion
Ultravox besetzten in den frühen Achtzigern eine Sonderstellung:
Sie verbanden synthetische Strenge mit einer fast klassischen Melodieführung und schlugen damit eine Brücke zwischen damals etabliertem Pop und jenen musikalischen Sphären, die man heute vielleicht als abseitiger, atmosphärischer Underground bezeichnen würde. Midge Ures Songwriting war dabei stets zweigleisig – zugänglich und doch voller Nuancen. Gerade in den neu remasterten Titeln wird hörbar, wie sorgfältig die Klangräume konstruiert sind: mal kühl und weiträumig, mal warm und unmittelbar. Die Band war nie bloß ein Chartphänomen, sondern zugleich ein Referenzpunkt für eine Szene, die elektronische Musik als künstlerischen Möglichkeitsraum verstand.
Struktur und Dramaturgie
Ures Kompositionen zeichnen sich durch eine besondere Balance aus Klarheit und Spannung aus. Die Melodien, die oft so selbstverständlich wirken, tragen eine feine dramaturgische Kurve in sich: Sie bauen auf, lassen los, kehren zurück und erzeugen damit eine emotionale Intensität, die sich …
