Trümmer: Früher war gestern – Albumreview

Trümmer: Früher war gestern – Albumreview

Drittes und griffiges Album der Hamburger Indie-Rock-Band Trümmer nach fünf Jahren Pause

Endlich. Fünf Jahre nach ihrem zweiten, von uns an dieser Stelle besprochenen Album „Interzone“ veröffentlicht die Hamburger Indie-Rock-Band Trümmer den heiß ersehnten Nachfolger „Früher war gestern“. Das Quartett, bestehend aus Sänger, Texter und Gitarrist Paul Pötsch, Gitarrist Helge Hasselberg, Bassist Tammo Kasper sowie Schlagzeuger Maximilian Fenski, findet wieder zur griffigen Unmittelbarkeit seines selbstbetitelten Debüts von 2014, als es von uns zur Hamburgs Indie-Rock-Hoffnung ausgerufen worden ist. Alle Bandmitglieder hatten in den letzten Jahren mit verschiedenen Projekten alle Hände voll zu tun.  Pötsch arbeitete mit Ilgen-Nur zusammen, Kasper leitet mit dem Kollegen Henning Mues das Euphorie-Label, Fenski verdient sein Geld als Arzt in Berlin und Hasselberg produzierte u.a. zwei Alben von Leoniden.

Unverkennbar Trümmer

Trümmer Früher war gestern Cover PIAS

Trümmer nahmen das „Früher war gestern“ im März in einem Gutshof in Schleswig-Holstein unter Live-Bedingungen auf und feiern den Gitarren-Indie-Rock ohne Rock-Machismen. Paul Pötsch spielt in seinen Texten mit Parolen zwischen Rio Reisers Ton Steine Scherben und Tocotronic, musikalisch findet sich die Band zwischen Iggy Pop, Blondie und The Strokes wieder, bleibt aber unverkennbar Trümmer.

Und haben uns auf „Früher war gestern“ einige ihrer bisher besten Songs mitgebracht. Dazu gehört der von Sounds & Books als Song des Tages vorgestellte Opener „Wann wenn nicht“. Ein dringliches Anliegen zwischen Resignation und Veränderungswille, das Pötsch in pointierte Zeilen wie „Ich schau mich um und sehe eine Welt / In der nichts stimmt und mir nichts gefällt / Und ich denk: Es ist alles zu spät / Die Fakten liegen auf dem Tisch / Es ist fünf vor zwölf und es tut sich nix“ und „Die alte Welt ist abgebrannt / Die neue liegt in unserer Hand“ zusammenfasst. Ähnlich hymnisch wie einst „Wo ist die Euphorie?“.

Slogans, treibende Beats, Melancholie und starke Songs

Die Tracks strahlen wieder verführerisch, manchmal euphorisch, manchmal aber auch melancholisch. Auch das sloganhafte, elegante, eingängige und im Refrain vorangaloppierende „Aus Prinzip gegen das Prinzip“ („Verwende deine Jugend“, „Demontiere die Dämonen“, „Deprimier die Depressionen“, „Demaskier die Demagogen“) muss man zu den besten Trümmer-Songs zählen. Im punk-rockigen „Draußen vor der Tür“ rechnet Paul Pötsch angriffslustig mit der AfD-Politik ab, während „Weißt du noch“ das wehmütige Trennungslied-Genre auf eine neue Stufe stellt. In „Zwischen Hamburg & Berlin“ – mit seinem treibenden Beat ebenfalls einer stärksten Songs des Albums – gönnt sich Pötsch das Eingeständnis, auch mal Schwäche zeigen zu dürfen: „Die Wellen kommen / Doch ich bleib stark / Ich hab beschlossen / Dass ich schwach sein darf“. Trümmer sind zurück. Und das mit Nachdruck. Die Schwächen bleiben persönlicher Natur, die Stärken kommen in Musik und Text voll zur Geltung. Indie-Rock mit dem Gespür für feinsinnige Zwischentöne. Ein wunderbares (Comeback)-Album.

„Früher war gestern“ von Trümmer erscheint am 17.09.2021 bei PIAS. (Beitragsbild von Tim Erdmann)

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